Ex-Gerichtsvollzieher Anton Lojowski: „Kuckuck gibt es nicht“

Nach 41 Jahren im Staatsdienst hat Anton Lojowski Ruhestand angetreten.

Erstellt am 05. November 2021 | 05:41
Anton Lojowski
Anton Lojowski vor seiner ehemaligen Wirkungsstätte, dem Badener Rathaus, als im ersten Stock noch das Gericht untergebracht war.
 
Foto: Jandrinitsch

Anton Lojowski hat versucht, seinen Beruf, der sicher mit Klischees und Vorurteilen behaftet ist, immer im Sinne jener Menschen auszuführen, für die er verantwortlich war: für die Schuldner und die Gläubiger.
Dabei begann Lojowski seine Berufskarriere im Betreuungszentrum Ost in Traiskirchen, damals so wie heute dem Bundesministerium für Inneres unterstellt. Als sich die Gelegenheit bot, in den Gerichtsdienst des Justizministeriums zu wechseln, ergriff er die Chance.

„Ich habe am 1. Jänner 1978 begonnen, am Oberlandesgericht Wien zu arbeiten. Am 1. Jänner 2019 bin ich offiziell in Pension gegangen, den überwiegenden Teil meiner Dienstjahre habe ich am Bezirksgericht Baden geleistet.“


In und mit den Aufgaben gewachsen

Gerichtsvollzieher war jetzt nicht der „Traumjob per se. Aber ich habe versucht, diesen Beruf menschlich, unter Berücksichtigung der Schicksalsschläge auszuführen“, erläutert Lojowski, der in der Stadt für die FPÖ mit fünf Gemeinderatsperioden zu den längstdienenden Gemeinderäten gehört.

Seine Ausbildung begann er damals in der Riemergasse am Exekutionsgericht, das im Zuge der Justizreform unter Minister Dieter Böhmdorfer, FPÖ, aufgelöst wurde. Statt dessen wurde das Justizzentrum Wien-Mitte errichtet, die Gerichtsvollzieher selbst wurden dezentral auf die einzelnen Bezirksgerichte aufgeteilt. „Begonnen habe ich hier im Badener Rathaus“, schmunzelt Lojowski und weist auf das Amtsgebäude.
„Die ersten sechs Jahre bin ich im Rathaus im ersten Stock gesessen, hier war das Gericht untergebracht. 1978 gab es auch noch zwei Zellen hier, die vorwiegend für die Ausnüchterung benutzt wurden, denn auch die Stadtpolizei war ja hier beheimatet“, schildert Lojowski.

1985 übersiedelte das Gericht an den Conrad von Hötzendorf-Platz. 250 bis 300 Akten hatte Lojowski pro Monat zu bearbeiten, Tendenz steigend. „Das Klientel war total unterschiedlich. Von Geschäftsleuten, Künstlern, Prominenten und Arbeitslosen war alles dabei“, schildert der politisch immer noch sehr Interessierte.

Den Exekutionsvorgang selbst schildert Lojowski so: „Es geht darum, Personen zur Zahlung aufzufordern. Wenn die Person nicht zahlen konnte, wurden die Behältnisse nach Bargeld, Sparbüchern und Schmuck durchsucht. Brachte das kein Ergebnis, dann wurde eine Fahrnissexekution durchgeführt, sprich die Möbel mit einer Pfändungsmarke versehen, die aber keinen Kuckuck zeigt, denn den Kuckuck gibt es nicht. Auf der Marke ist ein Adler abgebildet.“
Klebte die Marke auf den Möbeln, hatte der Schuldner mindestens drei Wochen Zeit, um seinen Zahlungsverpflichtungen doch noch nachzukommen.

Nur nicht auf die schwarze Tafel kommen

„Es war mein Bestreben, als Schuldenmanager aufzutreten“, erzählt Lojowski, „und menschlich im Rahmen der Gesetze zu agieren.“ Nachsatz: „Das kostet natürlich Zeit, denn man muss sich einfach Zeit nehmen, wenn man den Schuldnern verschiedene Möglichkeiten aufzeigt, wie sie aus der Misere wieder hinauskommen können.“

Was damals noch schwer wog: „Wenn es im äußersten Fall zu einer Versteigerung kam, dann wurde der Schuldner öffentlich an der schwarzen Tafel beim Gericht und beim Finanzamt ausgehängt. Und auch bei der Gemeinde, was bei kleinen Gemeinden, wo jeder noch jeden kennt, besonders unangenehm für den Betroffenen war“, weiß Lojowski.
Heute gibt es die Ediktdatei nur mehr online im Internet zu finden.
Sein Rayon umfasste das Stadtgebiet von Baden, die Gemeinde Pfaffstätten, das Helenental bis Hochstraß.

Für einen Staatsbediensteten eher untypisch engagierte er sich unter Böhmdorfer dafür, dass die Gerichtsvollzieher aus dem Staatsdienst ausgegliedert werden und einen Status ähnlich wie Notare erhalten. „Dafür hat es aber keine Mehrheit gegeben, wer in den Staatsdienst eintritt, will hier auch in Pension gehen“, sagt Lojowski, und nimmt zur Kenntnis, dass nicht alle so flexibel sind wie er.