Ex-Postler vor Gericht. Weil ein Ex-Briefträger selbst Unterfertigungsurkunden unterzeichnete, stand er nun vor dem Richter. Sechs Monate bedingt!

Von Brigitte Steinbock. Erstellt am 09. August 2018 (05:08)
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Symbolbild

Ein 26-jähriger Ex-Postbediensteter musste sich wegen Missbrauch der Amtsgewalt vor Gericht verantworten. Ihm wurde vorgeworfen, im September letzten Jahres vier Wahlkarten einfach in den Postkasten der Empfänger geworfen zu haben – und die Unterfertigungsurkunden selbst unterschrieben zu haben.

Der Angeklagte bekannte sich voll schuldig und gab an, dass er kurz zuvor vom Urlaub retour gekommen sei. „Ich musste den Teamleiter vertreten, bekam aber trotzdem einen 40-Stunden–Rayon, obwohl nur 30 Stunden vorgesehen sind. Durch die Verwaltungsarbeiten kam ich immer später raus auf die Tour. Dann wurde noch ein Kollege krank und ich musste seinen Rayon mitmachen. Bei den Wahlkarten gibt es immer Probleme. Die bekommen meist ältere Leute, die schon länger bis zur Tür brauchen und man muss auch immer viel dazu erklären. Die Arbeit wuchs mir über den Kopf, ich hatte einen Aussetzer.“

Auf die Frage des Richters, ob ein gelber Hinterlegungszettel so viel mehr Aufwand gewesen sei, antwortete er: „Die Wahlkarten kommen immer in großen Mengen. Viele Leute sind nicht daheim, um sie zu übernehmen. Wir tragen da tagtäglich eine zusätzliche schwere Tasche mit uns herum.“

Angeklagter wurde von der Post entlassen

Der Richter: „Gab es eine Sonderschulung für die Wahlkarten?“ Er antwortete: „Ja, wir bekamen immer eine Zwei-Seiten-Info, dass man das den Empfängern erklären muss. Die Bedeutung der Rückscheine war mir bekannt. Ich wurde kurz darauf von der Post entlassen.“

Der Angeklagte wurde zu sechs Monaten bedingter Haft verurteilt.