Gessl: „Politischer Kleinkrieg um Stadttheater“. Das Thema Bestuhlung kocht immer wieder hoch. In der NÖN wehrt sich jetzt Paul A. Gessl, Geschäftsführer der NÖKU, die das Theater betreibt, gegen die Anwürfe.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 28. März 2017 (05:00)
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„Mir geht es um die Entwicklung des Stadttheaters, nicht um die Stühle“ Paul A. Gessl im Interview mit den NÖ Nachrichten.
NOEN, Erich Marschik

Die neue Bestuhlung des Stadttheaters Baden ist Gegenstand heißer Diskussionen. Vor allem VP-Altbürgermeister August Breininger, nun Stadtrat der Liste „wir badener“, schießt aus allen Rohren auf die Investition. In den NÖ Nachrichten meldet sich Paul A. Gessl, der Geschäftsführer der NÖ BetriebswirtschaftsgmbH. (NÖKU) zu Wort. Er will als der Vertreter des Mehrheitseigentümers der TheaterbetriebsgmbH. die Vorwürfe und Anwürfe Breiningers nicht unwidersprochen lassen.

NÖN: Wozu braucht das Theater eigentlich neue Sessel?

Paul A. Gessl: Dahinter steckt keine Willkür, sondern absoluter Sanierunsbedarf. Die Bestuhlung ist kaputt und wir haben uns intensiv mit der besten Lösung beschäftigt. Dabei hat sich herausgestellt, dass eine Erneuerung weit kostengünstiger ist als Reparaturen. Außerdem zwingt uns das Behindertengleichstellungsgesetz und das Veranstaltungsgesetz dazu. Wir müssen mehr Rollstuhlplätze einbauen.

Das heißt also, dass die neue Bestuhlung aus mehreren Gründen kein Luxus ist?

Gessl: Absolut. Das ist keine Frage der Ästhetik, sondern der notwendigen Praxis. Es ist auch keine Kapazitätsausweitung damit verbunden. Es bringt aber viele Vorteile, zum Beispiel bessere Sichtmöglichkeiten durch die Mittelplätze. Wir haben uns natürlich auch andere Theater angeschaut. Fas überall gibt es keinen Mittelgang, ob im Volkstheater oder in den Kammerspielen, ob im Prinzregententheater in München oder dem Theater am Kurfürstendamm in Berlin, ob im Schauspielhaus Hamburg oder in praktisch allen Landestheatern Österreichs.

Verstehen Sie die Trauer um den Verlust des Mittelganges?

Gessl: Es gehen 30 Randplätze verloren, dafür gibt es 25 neue Plätze in einer fußfreien Reihe. Es geht also um fünf Plätze!

Warum dann die Aufregung?

Gessl: Da müssen Sie die fragen, die sich aufregen. Ich sage es jedenfalls klar und deutlich: Ich lasse das Stadttheater Baden ganz sicher nicht von einer Einzelperson in einen politischen Kleinkrieg hineinziehen! Ich verstehe kein einziges Argument, das gegen diese sinnvolle Maßnahme gebraucht wird, das ist nur ein politischer Stellvertreterkrieg.

Was kosten die neuen Stühle?

Gessl: Die Kosten belaufen sich auf 800.000 Euro. Die werden zur Gänze vom Theater bezahlt. Kein Cent fällt der Stadt zu Last.

Ein Argument in der Diskussion ist, dass man der Stadtgemeinde Baden das Recht genommen hat, entsprechend mitzuentscheiden.

Gessl: Bis 2009 hat die Stadt über fünfzig Prozent der finanziellen Lasten tragen müssen. Jetzt sind es nur noch elf Prozent, die Baden zum Theaterbudget beiträgt. Und wir haben in dieser Zeit zusätzlich noch 2,5 Millionen Euro in die Technik und 500.000 Euro in neue Werkstätten gesteckt. Die NÖKU ist der Mehrheitsgesellschafter des Theaters – und bringt 5,5 Millionen Euro aus Landesmitteln in das Jahresbudget von zehn Millionen Euro ein. Die Stadt zahlt 1,1 Millionen Euro.

Die neue Bestuhlung ist also in Stein gemeißelt?

Gessl: Wir lassen uns sehr gerne nach der ersten Saison messen, ob wir sinnvoll entschieden haben. Mir ist aber die Entwicklung von Stadttheater und Sommerarena, also der Bühne Baden viel wichtiger. Wir hatten im Kalenderjahr 2016 immerhin 85.000 Besucherinnen und Besucher. Damit sind wir in Sachen Auslastung, Akzeptanzentwicklung und Positionierung eines der erfolgreichsten Theater Österreichs. Darum geht es, und dafür arbeiten wir.

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