Grande Dame der Musik wurde geehrt. Die gebürtige Badenerin und Witwe des Komponisten Heinrich Strecker, Erika Strecker, wurde hoch dekoriert.

Von Sandra Sagmeister. Erstellt am 22. Dezember 2019 (05:44)
Erika Strecker wurde mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. Überreicht bekam sie das vom Bundespräsidenten verliehene unterschriebene Dekret und den Orden von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.
NLK Reinberger

Am 10. Dezember um 12 Uhr hatte Erika Strecker ihren großen Auftritt im Landtagssaal in St. Pölten.

Eine Badener Delegation reiste eigens nach St. Pölten mit, allen voran Bürgermeister Stefan Szirucsek, ÖVP, um bei der Verleihung mit dabei zu sein. Regierungsrätin Erika Strecker wurde mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.

Diese hohe Auszeichnung hat sie für die Wahrung des kulturellen Erbes ihres Mannes, den Komponisten Heinrich Strecker, bekommen. Dieser lebte von 1940 bis 1981 in Baden. Kennengelernt hat die gebürtige Badenerin Erika Eszler, Tochter eines Badener Schuhmachers, Heinrich Strecker im Jahr 1956. Sie war seine dritte Ehefrau und um 45 Jahre jünger. Heiraten konnten sie allerdings erst 1978, das war drei Jahre vor seinem Tod.

Operette und Wienerlied als bevorzugtes Genre

Strecker hat sich dem Genre der Operette und dem Wienerlied verschrieben und sich damit in den Musikolymp katapultiert. Dass die Erinnerung an sein Vermächtnis aufrecht und lebendig ist, dafür ist Erika Strecker hauptverantwortlich. Seit bald 40 Jahren setzt sie sich dafür massiv ein. Heinrich Strecker schrieb Operetten, wie das „Mädel aus Wien“ oder „Honeymoon“ und sein Singspiel „Ännchen von Tharau“ oder das Lied „Drunt‘ in der Lobau“, sind bis heute bekannt und werden gespielt. Immer wieder fragen deutsche TV- und Rundfunkstationen, wie der WDR oder NDR an, um Noten an, um diese Lieder spielen zu können. Dann wandert die betagte Regierungsrätin ins Archiv und kramt persönlich die Noten hervor und schickt sie nach Deutschland.

Erika Strecker lebt ganz alleine in der Strecker-Villa in der Marchetstraße, die sie schon vor ein paar Jahren der Stadt vermacht hat. Dort haben ein Notenverlag, das Archiv und ein kleines Museum seinen Sitz, wo man auch das Arbeitszimmer Heinrich Streckers besichtigen kann. Sie gründete die Heinrich-Strecker-Gesellschaft, wo sie Präsidentin ist und rief den internationalen Heinrich-Strecker-Gesangswettbewerb aus, aus dem schon viele Jungstars hervorgegangen sind.

Herbert Fischerauer ist der Vorsitzende der Gesellschaft und unterstützt Erika Strecker in vielen ihrer Tätigkeiten: „Alle diese Initiativen gingen immer von ihr aus, sie ist unermüdlich“, sagt er anerkennend, der mit der 83-jährigen Strecker-Witwe eng zusammen arbeitet.

Erika Strecker ist auch bestrebt, die Strecker-Villa in einem guten Zustand zu übergeben, viel Geld fließen in die Erhaltung, Förderung bekomme sie keine. Gut, dass sie in ihrem ersten aktiven Berufsleben als Finanzchefin für das Land Niederösterreich tätig war.

In der Laudatio im Landhaus hob man Streckers Werk hervor: „Es ist gut, dass man zwischen Werk und Mensch trennt“, sagt Fischerauer, weil Strecker auch eine Schattenseite hat: „Nach eigenem Bekunden war Heinrich Strecker seit 1933, also noch vor dem ‚Anschluss‘ Österreichs, Mitglied der NSDAP und bekleidete in der Folgezeit den Posten des Gau-Obmanns der N.S. Kulturgemeinde Wien. In dieser Funktion wurde er 1936 kurzfristig inhaftiert.“

*) Quelle: www.strecker.at