Hamam um 250.000 Euro zu kaufen. 360 m² großer Wohlfühltempel im Zentrum Badens sucht jetzt neuen Betreiber und steht um 250.000 Euro zum Verkauf.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:55)
Das seit 2004 im Franzensbad untergebrachte Hamam mit dem einladenden Wintergarten.
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Das Hamam in Baden ist ein weiteres Opfer der Coronakrise. Auf der Homepage wird erklärt: „Liebe Gäste des Hamam-Baden. Aufgrund der aktuellen Situation (Coronavirus) haben wir beschlossen, das Hamam sowie den Betrieb zu schließen. Bitte keine Gutscheine mehr bestellen.“

Die Wiener Immobilienfirma „Lifestyle Properties“ bietet das Objekt seit 8. Oktober an. „Zum Verkauf gelangt eine in Österreich einzigartige Badeanstalt – der Hamam, welcher sich im Zentrum Badens befindet“, heißt es dazu in der Einleitung. Der Kaufpreis wird mit 250.000 Euro angegeben. Dazu kommen Pachtkosten von 1.000 Euro monatlich (zuzüglich 20 Prozent Umsatzsteuer) sowie quartalsweise etwa 400 Euro (plus 20 Prozent Umsatzsteuer) für die Betriebskosten.

Das 360 m² große Hamam im 1827 erbauten Franzensbad besteht aus sechs großen Räumen, die mit hochwertigen Marmor und Granit ausgekleidet sind. „Die gesamte Innenarchitektur ist mit stillvollen, orientalischen Kunstwerken ausgekleidet und bietet dadurch ein in Österreich unvergleichbares Wohlfühlerlebnis“, heißt es in der Bewerbung. Und: Der im türkischen Stil geführte Wohlfühltempel biete „zudem neben den großen Wellnessräumen einen atemberaubenden, 63 m² großen Wintergarten.“

Die Vorderansicht des denkmalgeschützten Hauses.
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Der bisherige Betreiber Rahman Öztürk erklärt im Gespräch mit der NÖN, bis Sommer 2021 „alles einfrieren“ zu lassen, danach „schauen wir weiter“. Mit der Gemeinde sei ausgemacht, sich nach einem Nachfolger umzuschauen. Doch im Moment könne man aufgrund von Corona nicht weitermachen. Das Hamam ist seit 13. März geschlossen. Hatte man nach den sinkenden Zahlen im Sommer kurz Hoffnung, sind die steigenden Werte der Todesstoß. „Wir können nicht planen, nichts ist absehbar. Wir sind von der Krise zu 100 Prozent betroffen. Das hätte man sich nicht vorstellen können.“ In drei Monaten wäre man im 16. Betriebsjahr gewesen. Die Mitarbeiter sind beim AMS gemeldet. „Die letzten drei Jahre ist es super gelaufen, wir konnten viele treue Stammkunden gewinnen“, erzählt Öztürk. Viele Leute würden sich melden und ihre Betroffenheit ausdrücken.

Das Gebäude selbst, das ehemalige Franzensbad (siehe Artikel Seite 8), ist im Eigentum der Stadtgemeinde und denkmalgeschützt. Ein Umbau ist nicht möglich, das Bad soll als Hamam in die Geschichtsbücher eingehen. Seine Familie habe 500.000 Euro investiert, mit hochwertigen Materialien, betont Öztürk. Alleine 3.000 Laufmeter Heizungsrohre wurden verlegt. 500.000 Euro habe die Gemeinde in die Sanierung investiert.

Bei einem geeigneten Nachfolger sei denkbar, dass sein Sohn in den Betrieb wieder einsteige. Der Webshop mit diversen Ölen und Handtücher, laufe weiter. Die Weiterführung des Hamam sei erst denkbar, „wenn es keine Berührungsängste mehr gibt“. „Die Angst muss weg sein“, sagt Öztürk, vorher habe man keine Chance.