Kampf um's Theater am Steg. Pläne der BiondekBühne für Theater am Steg irritieren Veranstalter, die dort regelmäßig für Belebung sorgen.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 18. Dezember 2018 (06:00)
Andreas Fussi
Setzen sich gemeinsam für das Theater am Steg ein: Helmut Schwarzer, Manfred Kowatschek, Wolfgang Machacek, Florian Brantner, Helga Gruber und Oliver Bolch. Was sie besonders stört: „Es redet keiner mit uns!“

Die Pläne der BiondekBühne Baden, das Theater am Steg künftig als „Haus für Neugierige“ zu nutzen, die NÖN berichtete, sorgt für Gegenwind.

Im Rahmen eines Pressetermines äußerten Vertreter von Organisationen, die im Theater am Steg regelmäßig Veranstaltungen durchführen, ihre Bedenken. Helmut Schwarzer von „Pro Jazz Austria“ erinnerte an das Jazz-Cafés, das zweimal im Monat stattfindet und großen Anklang findet. Der Veranstaltungsort sei eine „ganz wichtige Institution“, mit hoher Frequenz, so Schwarzer. 2017 wurden etwa 191 Veranstaltungen mit 12.000 Gästen durchgeführt, „Tendenz eindeutig steigend“.

"Wir beharren darauf, dass wir in diesem Haus bleiben können.“
Helga Gruber von der Urania Baden

Manfred Kowatschek, der erst vorigen Montag zu einer Lesung des Literaturstammtischs Wienerwald einlud, würdigte den barrierefreien Zugang. Er kenne „keine vergleichbaren Städte mit offenen Häusern wie hier“. In Lokalen in der Nähe herrsche Konsumzwang. Es würde etwas fehlen in Baden, wenn das Theater am Steg nicht mehr zugänglich wäre.

Dem pflichtete Helga Gruber von der Urania Baden bei, die im Haus ihrem Bildungsauftrag folgend Dia-Vorträge und Ähnliches anbietet. „Früher waren wir im Haus der Kunst, aber die Stiegen dort rauf gingen nicht mehr.“ Die Barrierefreiheit des Theaters am Stegs sei für die älteren Leute essenziell. Dazu komme die zentrale Lage. „Wir beharren darauf, dass wir in diesem Haus bleiben können“, fordert Gruber.

Seine Sorge brachte Florian Brantner von der Lebenshilfe NÖ zum Ausdruck. Er schilderte die tägliche Arbeit, die über die „Chance Plus“ hier gemacht werde. Im Rahmen des Projektes „Theater am Steg“ werden seit 2002 Jugendliche mit sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich Gastronomie qualifiziert und an den ersten Arbeitsmarkt vermittelt. Brantner kritisiert, „in keinster Weise kontaktiert“ worden sei. Bei einem Jugendzentrum wäre es „aus pädagogischer Sicht schwierig, „wenn junge Menschen in ihrer Peer-Group Ersterfahrung machen sollen.“ Wenn man aus dem Haus müsste, würde man die Fördergrundlage verlieren.

Kritik kam auch von Oliver Bolch, der für die Diavortragsszene sprach. „Die Räumlichkeiten hier sind ideal“, sagte er, meist kommen 120 bis 160 Leute. In der Pause erfolge die Verköstigung durch das Lebenshilfe-Café. Und alles sei „in leistbarem Rahmen“. Er selber komme aus Mödling und dort gebe es „nichts Vergleichbares“.

Schwarzer brachte auch die vielen klassischen Konzerte und die Ausstellungen ins Spiel. „Ich kann nur hoffen, dass die Stadtgemeinde unsere kulturellen Aktivitäten schätzt und das Theater am Steg weiterhin zur Verfügung stellt“.

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