Kunst in der Garage: Mit Kontrollverlust beschäftigt

Erstellt am 09. Oktober 2022 | 06:38
Lesezeit: 3 Min
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Für Jürgen Ramacher war es eine, vor allem körperliche, Herausforderung, dieses Wandbild in einer Doppelgarage, mit dem Titel „Chaos im Schnitzlerpark“, anzufertigen.
Foto: privat
Jürgen Ramacher hat für eine Garage Wandgemälde angefertigt.
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Manchmal beginnt Kunst mit einem… BMW. Das Künstlerduo Jürgen Ramacher und Christian Einfalt bekam 2015 einen 5er BMW, Baujahr 1990, 115 PS, geschenkt, um daraus ein Kunstobjekt zu schaffen. Also einen BMW kriegt man ja nicht alle Tage geschenkt, umso mehr nutzten die zwei die Chance, aus einem Konsumgut ein Kunstgut zu machen.

„Kontaktmetamorphose“

Dies geschah vor sieben Jahren im Rahmen der Ausstellung „Kontaktmetamorphose“ im Schnitzlerpark beim Bahnhof, wo mehrere Künstler teilnahmen. Ramacher und Einfalt wollten mit ihrer Installation ausdrücken, wie schnell es geht, dass aus Realität Chaos erwächst, z.B. bei einem Frontalcrash. Man spielte mit dem Schnitzler-Zitat, dass sich das Chaos immer auch um einen festen Punkt gruppiert, sonst wäre es nicht einmal Chaos. Zur Verfügung gestellt wurde besagtes Auto vom Psychotherapeuten Gerhard Auer, den Ramacher anno dazumal im Wiener Café Museum kennenlernte.

„Ich habe noch nie so ein großes Bild gemalt“

Als Dankeschön versprach Ramacher dem Therapeuten etwas Kunstvolles für seine Garage: „Es ist bitteschön eine Doppelgarage am Sonnenberg“, korrigiert Ramacher, der seinen Humor nicht verloren hat, obwohl er seit Jahren in seinem künstlerischen Schaffen schwer eingeschränkt ist. Eine seltene, wie schmerzhafte, Erkrankung quält ihn. Doch er nahm die Herausforderung auf sich und malte ein Bild für besagte Doppelgarage, „ich habe noch nie so ein großes Bild gemalt“ – Ramacher war mehr der Künstler fürs „Grobe“ und fertigte beeindruckende Skulpturen und Installationen an, Einfalt malte.

Versorgt wurde Ramacher während seines Aufenthaltes am Sonnenberg nahe St. Pölten von einer, wie er die Mutter des Therapeuten liebevoll nennt „Gemüsegartenkräuterkochfee, sie bekochte mich jeden Tag“, schwärmt er von ihren kulinarischen Künsten. Ramacher kreist in seinem Bild, wie damals im Schnitzlerpark, um die Tatsache des Kontrollverlustes, der, beispielsweise bei einem Unfall, im Bruchteil einer Sekunde da ist, „das kann man berechnen, da gibt es eine Formel dafür“, erklärt Ramacher, und die hat er in dem Doppelgaragen-Bild verewigt.

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