Leichter Wohnen: In der Ordnung liegt die Kraft

Erstellt am 11. Dezember 2021 | 04:09
Lesezeit: 3 Min
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„Ausmisten ist anstrengend, aber befreiend“, das weiß Petra Gruber, die sich als Ordnungs-Coachin ein neues berufliches Bein geschaffen hat. Im Hintergrund ihr Elternhaus in Baden.Sagmeister
Foto: NOEN
Petra Gruber war schon als Jugendliche ordentlich. Heute folgt sie ihrem Talent und arbeitet als Ordnungs-Coachin.
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„ Du bist genervt?“ Eine Frage, die man dieser Tage vermutlich mit einem inbrünstigen Ja beantworten kann.

Grund für den nervigen Zustand könnte sein, dass man zu Hause ein Chaos hat. „Leichter wohnen ohne Chaos“ - davon ist die gebürtige Badenerin Petra Gruber (53) überzeugt.

Sie hat nach einem schweren Schicksalsschlag im Februar 2020 ihr Leben von Grund auf neu orientieren müssen.

Ihr Mann, der Schauspieler und Maler Wolfgang Klivana, hat im Alter von 73 Jahren völlig überraschend die Bühne des Lebens verlassen. Und wenn man einen geliebten Menschen verliert, sei man gezwungen, Ordnung in die Verlassenschaft des Verstorbenen zu bringen und folglich auch sein eigenes Leben irgendwie wieder in Ordnung zu bringen.

Auf ihrem Lebenswegweiser stand also „Ordnung machen“, wonach sie sich auch beruflich neu orientierte. Als Coachin bzw. Beraterin bringt sie Ordnung in die Wohnungen und Leben anderer Menschen. 

Dem Tod ihres Mannes folgte, dass Corona das Sozialleben einschränkte. Die Kulturmanagerin verlor ihren Job, sie war unter anderem am Volkstheater, am Theater in der Josefstadt und am Max Reinhardt Seminar tätig. Trotz der Rückschläge stürzte sie sich geradewegs in ihr neues berufliches Zuhause. Sie begann, den Nachlass ihres Mannes in der gemeinsamen Jugendstil-Wohnung in der Gumpendorfer Straße zu sichten - musste entscheiden, was bleibt, was darf gehen: „Ich verschenkte viele Bilder meines Mannes an Menschen, von denen ich wusste, dass sie diese als Erinnerung zu schätzen wissen.“ 

Mit dem Aussortieren fängt das neue Leben an

Das rät Gruber in jedem Fall: Aussortierte, Dinge da hin geben, wo vielleicht noch jemand Nutzen oder Freude daran hat. „Unordnung bremst unser Leben und ist ein Zeiträuber“, deshalb sei es so wichtig, gerade in Krisenzeiten in seinem Umfeld Ordnung zu schaffen. Sie bringt es mit drei Worten auf den Punkt: „Verkaufen, verschenken oder entsorgen.“ Und wer glaubt, dass es nach dem „great reset“ - Grubers Firma heißt übrigens „Reset your home“ - eine Art Jojo-Effekt gebe, der sei ermutigt: „Gut durchdachte Ordnung erhält sich von selbst.“

Gruber lebt und arbeitet nun in ihrer Wohnung, die sie nach dem Tod ihres Manns neu ordnen musste, und geht bei ihren Kunden ebenso behutsam vor, wie sie es bei sich selbst getan hat. Und wenn sie Abstand braucht, dann kommt sie fast wöchentlich zurück nach Baden, in ihr Elternhaus in der Wassergasse, wo die Welt noch in Ordnung ist.

Wer für Weihnachten noch keine „gscheite Idee“ hat, dem sei verraten: „Man kann mein Service auch verschenken!“, z.B. an Menschen, die nicht wissen, wie sie ihr Aufräum-Projekt beginnen sollen und Hilfe brauchen.

www.resetyourhome.at

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