Politstreit um Neubau von Parkdeck

Badener Bürgerliste fordert Sanierung statt Neubau des Parkdecks Zentrum Süd. Bürgermeister hält hingegen an ursprünglichen Plänen fest.

Andreas Fussi
Andreas Fussi Erstellt am 25. August 2021 | 06:01

Wie berichtet, plant die Stadtgemeinde den Abriss und Neubau des Parkdecks Zentrum Süd. Der Beschluss dazu im Gemeinderat fiel mit großer Mehrheit. Begründet wurde der Neubau mit notwendig gewordenen umfangreichen Sanierungsmaßnahmen, die sich um die zwei Millionen Euro zuzüglich Planungskosten bewegen würden.

„In Hinblick darauf, dass – neben den hohen Sanierungskosten – auch das Parkraumangebot im Parkdeck nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht, ist aus wirtschaftlichen Gründen der Abbruch des Bestandsparkdecks und die anschließende Neuerrichtung in einer Stahlleichtbauweise geplant“, heißt es dazu seitens der Stadt.

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Die Maßnahmen beruhen auf einer bautechnischen Überprüfung durch ein akkreditiertes Institut im Vorjahr, bei der festgestellt worden sei, dass das Gebäude durch fehlende Abdichtungsebenen und den jährlichen Salzeintrag im Winter erhöhte Chloridwerte und Schäden an tragenden Stahlbetonteilen durch Korrosion aufweise. Die geschätzten Baukosten für den Neubau kommen auf etwa sechs Millionen Euro.

Nachdem von mehreren Seiten Kritik an einem Neubau geäußert wurde, hat sich die Bürgerliste „wir badener“ von Stadtrat Jowi Trenner dazu entschlossen, selbst ein Gutachten in Auftrag zu geben. Die gutachtliche Stellungnahme von Zivilingenieur Gerhard Palfalvi kommt nun zum Schluss, dass „mit Ausnahme der Stiegen 2 und 3“ das gesamte Tragwerk „ausreichende Stand- und Tragsicherheit“ habe. Diese zwei Stiegen seien jedoch sofort zu sperren. Palfalvi ordnet die Sanierung in „erforderliche Erhaltungsarbeiten ein“ ein und schätzt die Kosten auf etwa 65.000 Euro ein. „Also lediglich ca. ein Prozent dessen, was ÖVP/Grüne an Steuergeldern ausgeben wollen!“, empört sich Trenner und fordert eine Sanierung statt dem Neubau, um 99 Prozent der geplanten Kosten einzusparen.

ÖVP-Bürgermeister Szirucsek: Neubau ist „langfristig sinnvollere Maßnahme“

ÖVP-Bürgermeister Stefan Szirucsek sieht keine Notwendigkeit, am Gutachten der von der Gemeinde beauftragten OFI Technologie & Innovation GmbH, die über eine 25-jährige Erfahrung im Bereich der Gebäudeanalytik und Sanierungsplanung aufweist, zu zweifeln. „Die Rede ist dort von schweren Schäden, die durch salzhaltiges Wasser verursacht wurden.“ Die Firma habe Proben entnommen und eine Karbonatisierungstiefe festgestellt. Das Bauamt habe neben dem OFI-Gutachten eine bausausführende Firma um eine Kostenschätzung für eine mögliche Sanierung gebeten – und auch diese kam auf Kosten in der Größenordnung von um die zwei Millionen Euro.

Für ihn sei daher ein Neubau die „langfristig sinnvollere Maßnahme“, zumal dann auch Barrierefreiheit gegeben sei, eine Überdachung des Parkdecks und eine Ausweitung an Stellplätzen. Zudem würden die unbeliebten Stützen wegkommen.

Im Zuge des ab 1. September gültigen neuen Parkraumkonzeptes bestätigt Szuricsek überdies Überlegungen für ein weiteres Parkdeck in Baden. Man sei in Verhandlung mit dem ASV, um im Vorderteil des Areals, den der Fußballverein von der Stadt gepachtet hat, ein Parkdeck zu realisieren. Der Standort dieser Option sei gut geeignet, da direkt davor eine Bushaltestelle sei und die Badner-Bahn-Haltestelle in unmittelbarer Nähe. In Spitzenzeiten könnten von hier in 7,5 Minuten Einpendler aus dem Süden und Osten ins Stadtzentrum gebracht werden.