Richard Ladkani am Weg zu Oscars. Der Badener Filmregisseur Richard Ladkani schwimmt derzeit auf einer Erfolgswelle.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 31. März 2019 (14:21)
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Anita und Richard Ladkani sind ein perfekt eingespieltes Team.

Nach dem Gewinn des Publikumspreises beim Sundance-Filmfestival in den USA, einem der wichtigsten Filmfeste, die NÖN berichteten, wird sein preisgekrönter Dokumentarfilm Sea of Shadows nun weltweit gefeiert. National Geographic hat um drei Millionen US-Dollar die Filmrechte des von den Wiener Terra Mater Factual Studios gemeinsam mit Leonardo DiCaprio produzierten Streifens gekauft und setzt nun zur internationalen Vermarktung an. Am Wochenende feierte der Film auf der Diagonale in Graz Österreichpremiere.

In seinem Film zeigt Ladkani, wie mexikanische Drogenkartelle und die chinesische Mafia den seltenen Totoabafisch im Golf von Kalifornien wildern und dabei viele weitere Tierarten wie die Walart der Vaquitas in ihrer Existenz bedrohen.

Unsere Filme sind voller Hoffnung, wir wollen die Leute ja nicht deprimieren, sondern inspirieren.“ Richard Ladkani

Um den Film bekannt zu machen, läuft er nun bei allen Festivals auf der Welt. „Ich bin zu 97 Festivals eingeladen worden“, erzählt Ladkani, der rund 60 Auftritte davon absolvieren möchte. Je bekannter ein Film, desto größer seine Chancen, von den Oscar-Mitgliedern wahrgenommen zu werden. Ziel von National Geographic sei es, als Favorit ins Oscar-Rennen zu gehen.

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Der Dreh zu „Sea of Shadows“ gestaltete sich sehr aufregend.

„Für die Familie ist das jetzt eine schwierige Zeit“, weiß der Badener, der gemeinsam mit Ehefrau Anita seit 2015 die Malaika Pictures GmbH“ betreibt und seit einem Jahr wieder ein seiner Heimatstadt lebt.

Auch die Dreharbeiten gestalteten sich aufregend, vor allem auch für Anita Ladkani, die von zu Hause aus als Produktionsleiterin für die komplette Organisation und Logistik zuständig war sowie die Vorkehrungen für die Sicherheit der Crew traf. Immer wieder kam es zu gefährlichen Situationen, etwa als Richard Ladkani live via WhatsApp mitteilte, dass gerade Schüsse zu hören waren. „Wir waren fast 24 Stunden in Kontakt – das kannst Du mit Mitarbeitern im Büro nicht machen“, schätzt er die Zusammenarbeit mit seiner Frau.

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Screenshot des WhatsApp-Verlaufs während Dreharbeiten.

Ihre Filme seien wohlüberlegt und sollen Betroffenheit erzeugen. „Sie sind aber auch voller Hoffnung, wir wollen die Leute ja nicht deprimieren, sondern inspirieren.“ Es lohne sich, für eine bessere Welt zu kämpfen. Daher sei es so schön, dass „Sea of Shadows“ den Publikumspreis gewonnen habe. „Bei jeder Vorstellung gab es Standing Ovations.“ Auch viele Schüler waren begeistert. Eine Schulkasse hat sogar spontan 500 Euro für zwei der im Film vorkommenden NGO’s gespendet.

Kürzlich präsentierte Ladkani den Film bei der UNO in New York. Anwesend war auch der mexikanische Botschafter, der danach meinte: „Danke, dass sie mir die Augen geöffnet haben. Wir werden alles tun, um, das zu ändern.“ Das Ausmaß, wie kriminelle Organisationen der Natur in der Region den Krieg erklärt haben, war ihm nicht bekannt. Mitte April werde der Film dem mexikanischen Senat und Kongress gezeigt.

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Richard Ladkani hat bereits über 50 Dokumentarfilme gedreht. Sein Anliegen ist die Erhaltung der Umwelt, der Artenschutz sowie das Aufzeigen menschenwidriger Lebensbedingungen.

Bei all den Verpflichtungen zur Bewerbung von „Sea of Shadows“ plant Richard Ladkani bereits weitere Projekte. Nach seiner ersten preisgekrönten Terra-Mater-Doku „The Ivory Game“ über den Elfenbeinhandel in Afrika und dem aktuellen über die Auslöschung eines Ozeans, schwebe ihm nun ein Werk von noch größerer Dimension vor, „näheres dazu ist noch streng geheim“.

Weiters bereitet er einen Spielfilm zum Thema Flüchtlinge vor. Er erwarb die Rechte für das Buch „City of Thorns“ (Stadt der Dornen) und sei gerade dabei, mit dem Autor das Drehbuch zu verfassen. Grob gesagt, gehe es dabei um ein Liebespaar im größten Flüchtlingslager der Welt in Kenia. Er wolle zeigen, woher die Leute kommen und weshalb sie flüchten mussten, erklärt Ladkani.