Rudolf von Montecuccoli: Admiral des Kaisers

Erstellt am 28. Februar 2022 | 04:52
Lesezeit: 6 Min
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Der ganze Stolz des Admirals Rudolf Montecuccoli und der k.& k. Kriegsmarine, die SMS Viribus Unitis (mit vereinten Kräften) um 1912.
Foto: Collage: DietmarHolzinger
Vor 100 Jahren verstarb in Baden Admiral Rudolf von Montecuccoli, einer der Größen der k. u. k. Kriegsmarine.
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„Baden, bist du großer Seefahrer“, im ersten Augenblick denkt man bei Baden eher an die Kurstadt und nicht an die Heimstätte eines geschichtsträchtigen Marinehelden, der sich auf allen Meeren tummelte. Aber gerade hier ging der k.u.k. Admiral, Rudolf Graf von Montecuccoli 1913 vor Anker. Eine pompöse Villa am Kaiser Franz Joseph Ring Nr. 9 war sein Eigen. Auch seine Gemahlin Emmy, sowie seine drei Kinder, Carla, Alfons und Raimund, hatten ebenfalls den Hauptwohnsitz an diesem Ort angemeldet.

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Nach der Seeschlacht bei Lissa 1866 wurde der junge Offizier Montecuccoli von höchster Stelle belobigt (Gemälde von Carl Frederik Sørensen).
Foto: Dietmar Holzinger

Modena/Italien: Rudolf landete am 22. Februar 1843 in der Wiege der Reichsgrafen Ludwig (1800-1852) und Karoline (1814-1861) Montecuccoli, die Mutter war eine geborene Freiin von Puthon und eine echte „blaublütige-Wienerin“. Der Vater, Oberstleutnant der k.&.k. Armee, entstammte der hochadeligen Familie Montecuccoli degli Erri – Herzogtum Modena.

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Ein mächtiger Grabstein aus schwarzem Granit am Helenenfriedhof erinnert an die Familien von Montecuccoli und Suttner.
Foto: Foto Dietmar Holzinger

1859 ging es dann gleich einmal in den Krieg: In diesem Jahr schloss der werdende Seeheld erfolgreich die Marineakademie ab. Als frisch gebackener k.& k. Marinekadett trat er auf der Korvette „Erzherzog Friedrich“ seinen ersten Dienst an und kämpfte mit 16 Jahren gegen Frankreich und Sardinien.

1866 , am 7. März, wurde der junge „Graf“ zum „Linienschiffsfähnrich“ befördert und zog euphorisch in das nächste Gefecht. Es war der „Dritte italienische Unabhängigkeitskrieg“. An Bord der veralteten Fregatte „Adria“ war er bei der siegreichen Seeschlacht von „Lissa“ mit dabei und wurde für seine Tapferkeit allerhöchst belobigt.

1871 rückte Montecuccoli zum „Linienschiffsleutnant“ vor und war 1882 bei der Niederwerfung des Aufstandes in der Bucht „Bocche di Cattaro“ an der dalmatisch-montenegrinischen Adriaküste auf dem Dampfer „Andreas Hofer“ im Einsatz.

1885: Montecuccoli, nun schon zum stolzen Korvettenkapitän gereift, verlobte sich im Jänner dieses Jahres mit „Emmy“ Freiin von Suttner, sie war die Tochter des NÖ-Landtagsabgeordneten Gustav Freiherrn von Suttner. Am 3. August wurde Hochzeit gefeiert.

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Erstes Schiff von Rudolf Montecuccoli, Korvette „Erzherzog Friedrich“, wo er im Krieg gegen Frankreich 1859 als 16-jähriger erste Erfahrungen sammelte.
Foto: Wikipedia, Color Holzinger

1887: Elternfreuden bei Emmy und Rudolf; in Pola brachte die Reichsgräfin am 27. November ihr erstes Kind zur Welt, „Carla“ hieß die kleine Contessa. Im späteren Leben mit dem Titel „Sternenkreuzdame“ ausgezeichnet, war sie barmherzig tätig, auch kulturell hinterließ sie ihre Spuren, einige von ihr gemalte Gemälde aus den 1930er Jahren, wie Bildnisse von Schloss Weikersdorf, sind bis heute erhalten geblieben. Carla verstarb am 2. April 1969.

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Meldezettel vom 22. Mai 1913 - unterschrieben von Rudolf Montecuccoli, auch seine Gemahlin Emmy und die drei Kinder sind eingetragen, alle nun echte Badener.
Foto: Stadtarchiv Baden

1887, 17. November – Schiffsunglück (!), Kaiserin an Bord: Eine hohe Ehre wurde dem jetzt schon zum Fregattenkapitän erhobenen Grafen zuteil, er war nun der Kommandant der kaiserlichen Luxusjacht „Greif“. Niemand geringerer als seine Majestät, Kaiserin „Sisi“ mit Gefolge war an Bord. Kapitän Montecuccoli sollte die „hochblaublütige Gesellschaft“ von Korfu nach Miramar bringen. In der Nacht des 17. Novembers, so gegen 23 Uhr, wurde von der „Greif“ eine rote Signalflamme wahrgenommen und sofort „Gegendampf“ gegeben. Montecuccoli konnte aber trotzdem die Kollision mit dem Fracht-segler nicht vermeiden, die „Ruova Corinna“ sank sofort in die Tiefen der Adria. 13 Mann konnten gerettet werden, für einen 14-jährigen Schiffsjungen kam jede Hilfe zu spät. Die hochwohlgeborene Gesellschaft, durch den Zusammenprall wachgerüttelt, gab sich entsetzt. Die Kaiserin sprach ihr tiefes Mitgefühl aus.

1889, 27. Mai: Viel Freude im Hause Montecuccoli in Pola, ein Junge erblickte nun das Licht der Welt; er wurde auf den Namen „Raimund Lipot“ getauft. 1893, 7. August: Viel Trauer in der Familie – „Raimund Lipot“ verstarb in den Armen seiner Mutter als Vierjähriger in Bad Neuhaus bei Cilli.

1892 übernahm der Reichsgraf das Kommando des Torpedo-Rammschiffes „Kaiser Franz Josef I“, es wurde in spezieller Mission nach Spanien entsendet.

1893: Ein weiterer Sohn mit dem Namen „Alfons Karl“ wurde in Pola am 29. März geboren. Er wurde wie sein Vater ein hochrangiger Offizier in der k.u.k.-Kriegsmarine. Als Fregattenleutnant zog er 1914 in den Ersten Weltkrieg und überlebte das Massaker. Er starb am 8. Mai 1952 und ist ebenfalls in Baden beigesetzt.

1898 ist am 29. September das letzte seiner 4 Kinder geboren: „Raimund-Alfons“ hieß der Spross. Auch er baute sich eine Karriere bei der österreichischen Kriegsmarine auf. Der Ingenieur und k.u.k. Seekadett ist schon mit 25 Jahren von dieser Welt wieder gegangen.

Unaufhaltsam kletterte Montecuccoli die Marineleiter hoch, 1898 wurde er „See-Arsenalkommandant“ in Pola. Am 1. Mai 1903 ist der „Count“ zum Vizeadmiral ernannt worden. 1904 war er dann ganz oben angekommen, er wurde zum Admiral und Chef der Marinesektion befördert.

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Das Sterbehaus am Kaiser Franz Joseph Ring 9 von Emmy - 1914 an Leuchtgasvergiftung verstorben - und Rudolf Montecuccoli, 1922 an Gesichtsrotlauf und Herzschwäche dahingegangen.
Foto: Dietmar Holzinger

Die nächsten zehn Jahre vergingen wie im Flug, Montecuccoli war federführend bei dem Aufbau einer modernen Kriegsflotte – U-Boote, Torpedoboote, Zerstörer und riesige Schlachtschiffe, waren nun vorhanden oder wurden gebaut. 1909 ist in Pola die erste U-Bootstation entstanden und eine Seeflugstation bei der Insel „Santa Caterina“ errichtet worden. In diesem Jahr feierte der Admiral auch sein 50-jähriges Dienstjubiläum. 1911 berichtet SPORT&SALON am 23. Juni „Admiral Montecuccoli begab sich nach Fiume, wo er bei der Ausmusterung seines jüngsten Sohnes – Alfons - von der Marineakademie aus beiwohnte. Danach ging es weiter nach Triest, wo am 24. 6. der Stapellauf der MSM-Viribus unitis stattfand.“ Das riesige Schlachtschiff war der ganze Stolz der österreichischen Kriegsmarine.

1913: Der Admiral steuerte nun sein Schiff in Richtung Pension, in Richtung Baden bei Wien: An seinem 70. Geburtstag am 22. Februar legte er sämtliche Funktionen zurück. Der Kaiser würdigte seine großen Verdienste und bedankte sich mit dem „Großkreuz des Stephan-Ordens“, sowie mit einem wohlgelungenen Porträt seiner Majestät, mit eigenhändiger Namensfertigung. Ob das „Bildnis in Öl“ bis heute überlebt hat, konnte der „Friedhofsgucker“ leider nicht in Erfahrung bringen.

1914: Tödliches Leuchtgas in der Villa am „Kaiser Franz Josef Ring 9“! Emmy, die geliebte Frau des alternden Admirals, ist nicht mehr. Auf tragische Weise verstarb am 9. Oktober Gräfin Emmy von Montecuccoli durch eine Leuchtgasvergiftung im Badezimmer ihrer Wohnung. Das Leichenbegängnis fand am 12. Oktober unter riesiger Anteilnahme von Trauergästen statt; so erwies auch der Berndorfer-Großindustrielle Arthur Krupp seine Reverenz.

Der Erste Weltkrieg zog nun mit Tod und Verderben über die Lande, die Schlachtschiffe der k.u.k Kriegsmarine waren voll im Einsatz, mit todbringenden Geschützen auf gepanzerten Schiffen dem Feind entgegen, nur der Flottenkommandant Rudolf Graf Montecuccoli war nicht mehr im Einsatz.
Aber kurz vor dem Zusammenbruch der Monarchie war es dem Reichsgrafen nochmals möglich, in die Geschicke der Marine einzugreifen. Montecuccoli wurde von Kaiser Karl zu einem Kronrat befohlen (Ministerrat unter Vorsitz eines Monarchen).
Aber es half alles nichts, 1918 ging die „Donau-Monarchie“ mit Bomben und Granaten unter. Die stolze Kriegsflotte wurde gesprengt, versenkt, oder den Siegermächten übergeben.
In der Anderswelt ab 1919 konnte sich der „Admiral des Kaisers“ nicht mehr zurechtfinden, er verstarb in seiner Villa am 16. Mai 1922 im 79. Lebensjahr – Todesart laut Leichenbeschauzettel – Gesichtsrotlauf und Herzschwäche.
Rudolf Reichsgraf von Montecuccoli wurde am Friedhof zu St. Helena / Baden, in der Familiengruft – Gruppe 7/Reihe2/Nr.5 – zur letzten Ruhe gebettet.

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