Sexualstraftäter suchte Opfer vor Schule

Erstellt am 23. September 2014 | 20:45
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Gericht
Foto: NOEN, Erwin Wodicka
Ein 26-jähriger vorbestrafter Sexualtäter aus Baden soll im Gutenbrunnerpark junge Mädchen angesprochen und teilweise belästigt haben. Das Urteil: 14 Monate unbedingte Haft (nicht rechtskräftig).
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"Die Mädchen haben sich gegen mich verschworen. Ich habe nichts gemacht", meinte der 26-Jährige zu dem Schöffensenat unter der Leitung von Richter Gerald Grafl. Er soll mehrere Mädchen zwischen 12 und 15, die in der Nähe des Gutenbrunnerparks eine Schule besuchen, angesprochen haben. Aus dem Reden soll laut Staatsanwältin Dagmar Pulker bald mehr geworden sein: Kraulen am Ohr, Kitzeln am Bauch, küssen, unters T-Shirt greifen. Auch eine Einladung zu einer "Homeparty" soll der Badener ausgesprochen haben.

Verging sich bereits an einem 13-Jährigen

Sexuelle Nötigung, Anbahnung von sexuellen Handlungen zu Unmündigen, sittliche Gefährdung von Personen unter 16 Jahren, lauteten die Vorwürfe. "Der Beschuldigte wurde erst Ende 2013 nach der Verbüßung von zwei Dritteln seiner Haft aus dieser entlassen. Er war im März 2010 wegen massiver Sexualstraftaten an einem 13-jährigen Buben gemeinsam mit Komplizen verurteilt worden", betonte Staatsanwältin Pulker.

Den Beschuldigten beeindruckte das nicht. Er sei auch damals unschuldig verurteilt worden. Er habe neue soziale Kontakte in Baden gesucht, sei in den Park gegangen, weil er es nach der langen Zeit "hinter Mauern" (im Gefängnis) genossen habe, im Grünen zu sein. Es sei schwer gewesen in Baden, seine Komplizin von seiner ersten Straftat sei dort auch unterwegs gewesen, er habe versucht diese zu meiden. Viele hätten über seine Vorstrafe Bescheid gewusst.

"Er hat immer so komisch gezittert"

Eines der Mädchen schloss sich dem Verfahren als Privatbeteiligte an. "Sie konnte sich aus seinen Fängen befreien. Hat aber Albträume, in denen er weiter ging und muss eine Psychotherapie machen, um das alles verarbeiten zu können", meinte ihre Anwältin Sylvia Rößler und forderte vom Beschuldigten 1.500 Euro vorbehaltlich einer Ausdehnung.

"Er hat immer so komisch gezittert. Er hat gesagt er hat Schüttelfrost", meinte eines der Mädchen bei ihrer Aussage. Er habe ihr erzählt der Schüttelfrost liege in seiner Familie. "Er hat so gezittert als er mich gefragt hat, ob ich noch Jungfrau bin", meinte die 12-Jährige weiter. Bei den Gesprächen und den Umarmungen und mehr habe sie sich nichts gedacht. Im Nachhinein sieht sie das alles als Anbahnungsversuche. Einem anderen Mädchen schrieb er per SMS "Willst du mich f....". "Das ist aus dem Kontext gerissen", meinte der Beschuldigte nachdem er zuerst mit Händen und Füßen abstritt, diese SMS je geschrieben zu haben. "Die SMS davor und danach stammen von Ihnen", meinte Richter Grafl zu ihm. Erst später gestand er.

Auch eine Schreckschusspistole sowie einen Vibrator soll der 26-Jährige bei den Anbahnungsversuchen bei sich getragen haben. Aufgrund der zahlreichen Zeugenaussagen wurde er (nicht rechtskräftig) zu 14 Monaten unbedingter Haft wegen versuchter sexueller Nötigung verurteilt. Freispruch im Zweifel von den übrigen Anklagepunkten.
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