Sommerzeit wurde in Baden beschlossen. Alexander Blümel hat neun Jahre am Armeeoberkommando 1917/18 in Baden geforscht, jetzt erschien sein erstes Buch.

Von Sandra Sagmeister. Erstellt am 17. März 2018 (05:10)
NOEN, PSB/Steinberger
Bürgermeister Stefan Szirucsek war von der historischen Aufarbeitung der letzten zwei Jahre der Monarchie beeindruckt und gratulierte Alexander Blümel zur erfolgreichen Buchpräsentation.

Dass Baden einmal das Zentrum der Macht war, diese Tatsache hat Alexander Blümel (42) so fasziniert, dass er angefangen hat, sich mit den letzten beiden Jahren der Monarchie – 19717/18 – zu beschäftigen.

Immer mehr hat er über diese Zeit erfahren, als der 30-jährige Kaiser Karl das Herrscheramt nach dem Tod von Kaiser Franz Josef übernommen hat. Das Armeeoberkommando der österreichisch-ungarischen Streitkräfte wurde am 5. Jänner 1917 nach Baden verlegt, weil Baden eine kleine Stadt war. Warum? „Baden hatte eine gute Infrastruktur, viele Hotels, lag nahe bei Wien und man konnte die Stadt gut abriegeln, damit keine geheimen Informationen nach außen dringen.“

NAchwirkungen bis in die heutige Zeit

Wie sich die Welt heute darstelle, das habe auch viel mit 1917/18 zu tun. Alle politischen und militärischen Entscheidungen, die bis zur heutigen Zeit nachwirken, wurden in dieser Zeit in der Kaiserresidenz Baden gefällt. Sogar die Entscheidung für die Sommerzeit wurde in Baden gefällt. „Hunderte Mitarbeiter des Hauptquartiers und des Hofstaates wohnten in Baden, viele von ihnen spielten in der Entwicklung der Nachfolgestaaten, nach dem Zerfall der Doppelmonarchie, eine bedeutende Rolle, wurde Ministerpräsidenten oder bekamen andere wichtige Posten.“

Blümel beschreibt den Kriegsalltag, wie er sich auf die Badener auswirkte und wie eng das Hauptquartier und die kaiserliche Familie mit den Ereignissen Badens verknüpft waren. Viele Fotos, Originaldokumente und persönliche Erinnerungen komplettieren das Buch und machen es zu einem interessanten Geschichtsbuch. Der Verkauf laufe auch schon blendend, „es gibt sogar schon viele Bestellungen aus ganz Österreich“, freut sich Blümel, der dachte, dass sich für dieses Thema nur die Badener interessieren werden.

„Ich bin ein Badennarr und Geschichtsfreak“

Blümel versank in seinen Aktenbergen, rutsche immer mehr in die Zeit hinein, als in Baden die Entscheidungszentrale der gesamten Monarchie stationiert war. Er steckte seine Nase in unzählige Archive, wie das Staatsarchiv, die Nationalbibliothek, das Kriegsarchiv, das Stadtarchiv Baden oder das Archiv des Kaiser-Franz-Josefs-Museum. Sein angesammeltes Wissen wurde immer mehr und irgendwann entschloss er sich, ein Buch zu schreiben: „Ich dachte mir, dass auch andere Zugang zu diesem Wissen haben sollten“, so Blümel, der als „Badennarr“ vor Enthusiasmus für die Geschichte seiner Heimatstadt glüht: „Wenn ich an den Häusern in Baden vorbei gehe, bin ich fasziniert, weil ich weiß, wer da aller einmal gewohnt hat.“ Deshalb gibt es in dem Buch auch eine Quartierliste, wo man nachschauen kann, wer in welchem Haus gewohnt hat.

Für sein Buch „Die Großmacht in der Kleinstadt“, erschienen im KRAL-Verlag auf 470 Seiten, hat er sich ausgetobt, „der Verlag hat mich einbremsen müssen, weil ich hätte locker noch 150 Seiten schreiben können.“ Jetzt ist einmal Pause, Blümel, der auch Obmann des Kaiser-Franz-Josefs-Museum ist, möchte mal durchatmen, „die letzten zwei Jahre waren schon sehr intensiv“, schließlich habe er auch noch einen Brotberuf: Er ist Vertriebsleiter für Hubschrauber am Flugplatz in Bad Vöslau.