Start-up beschäftigt sich mit Sicherheit im Web. Start-up aus Baden gibt Web-Benutzern ihre Anonymität zurück und verhindert die Speicherung ihrer Daten.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 11. Februar 2020 (04:13)
Drei Pioniere des Internets, was die Sicherheit im weltweiten Netz angeht: Tabita, Raphael und Daniel wollen, dass die User anonym das Internet nutzen können und nicht als potenzielle Verwertungsquelle für passende Daten ständig angezapft werden.
Jandrinitsch

Ein Aufschrei ging im Jänner 2019 durch die Medien, als bekannt wurde, dass die Post Daten ihrer Kunden für Wahlwerbezwecke weiterverkaufte.

Die Rechercheplattform „Addendum“ erhob damals, wie die Post zu den Daten kam. Diese dürfen nur weiterverkauft werden, sobald Kunden über die Weitergabe ausreichend informiert wurden. Einer ausdrücklichen Zustimmung bedarf es allerdings nicht.

So werden etwa die Daten bei Newslettern, Gewinnspielen, aber auch bei Nachsendeaufträgen erhoben: Wer den Wohnort wechselt und dafür einen Nachsendeauftrag einrichtet, wird darüber informiert, dass die Daten weiterverkauft werden können. Wer das nicht will, muss aktiv widersprechen. Doch das ist nichts im Vergleich dazu, welche Datenmengen der Internetriese Google absaugt und speichert.

Raphael Fiedler ist einer der Gründer von safing, jener Firma, die in Baden eine Software entwickelt, die verhindert, dass Google, Facebook und Co. alles über die Vorlieben ihrer User wissen und dann versuchen, diese durch gezielten Datenverkauf zu Geld zu machen. Er erklärt: „Das Internet ist ein offenes Tor für Überwachung durch die Möglichkeit, die es heute gibt, günstig riesige Menge an Daten zu speichern“, sagt Fiedler. „Das war in der Entwicklungsgeschichte des Internets nicht abzusehen. Was früher nur Geheimdienste konnten, das können jetzt auch Firmen.“

„Wir sind die Ersten, die das Briefgeheimnis digitalisieren, weil wir mit einem einfach zu bedienenden Programm alle Verbindungen eines PCs mehrfach verschlüsselt durch unser Netzwerk leiten."

Denn nicht um das Internet zu beschleunigen, sondern um noch mehr Datenmengen von seinen Nutzern speichern zu können, lässt Google Kabel unter dem Atlantik und Pazifik verlegen. „Google macht sein Geld, in dem der Konzern Daten sammelt und verkauft“, betont Fiedler. Dem wollen Raphael Fiedler und Programmierer Daniel Hovie samt ihrem Team jetzt einen Riegel vorschieben.

„Wir sind die Ersten, die das Briefgeheimnis digitalisieren, weil wir mit einem einfach zu bedienenden Programm alle Verbindungen eines PCs mehrfach verschlüsselt durch unser Netzwerk leiten. Die mehrfachen Verschlüsselungen heißen ‚onion encryption‘ und bedeuten, dass es nie einen Internet-Briefträger gibt der weiß, wer ich bin oder wo ich hin möchte“, beschreibt Fiedler, was safing so einzigartig macht. Denn es gäbe zwar schon Werkzeuge für gesicherte Internetverbindungen, doch diese seien relativ kompliziert in der Handhabe und könnten leicht umgangen werden.

Für den Aufbau ihres weltumspannenden Netzwerkes, der sogenannten „safing points“ die die sicheren Verbindungen garantieren, hat das Unternehmen auch eine Crowdfunding-Aktion gestartet. „Damit wollen wir nicht nur Geld lukrieren, sondern auch unsere potenziellen Kunden und deren spezifische Bedürfnisse schon rechtzeitig kennenlernen“, präzisiert Fiedler. Diese läuft noch bis 27. Februar. Das Start-up ist in kürzester Zeit von zwei auf sieben Mitarbeiter angewachsen und übersiedelt demnächst ins Kaiserhaus.

www.kickstarter.com/projects/safingio/spn

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