Totengräber als Beruf: Mit Bagger und der Hände Kraft. Aufgaben des Totengräbers werden zunehmend von Gärtnereien und Erdaushub-Unternehmen bewerkstelligt.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 29. Oktober 2019 (03:40)
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Bestatter Walter Cais im Schauraum. Für die Verständigung nach Todesfällen sind seine Mitarbeiter und er rund um die Uhr in Rufbereitschaft.
David Steiner

Zu Allerheilligen und Allerseelen gedenken Gläubige verstorbenen Angehörigen und Heiligen. Für Totengräber und Bestatter gehören Trauerfälle zum Berufsalltag. Wie gehen sie mit dem Tod um?

Den klassischen Totengräber gibt es vielerorts nicht mehr.

Im Fernsehen sieht man schlimmere Sachen. Ich komme ja nicht mit der Leiche direkt in Kontakt, sondern maximal mit den Gebeinen.“ Gartengestalter & Totengräber Karl Baumgartner

In der Stadt Baden werden Friedhöfe von den beiden Pfarren verwaltet. Die Arbeit des Totengräbers fällt mit jener der Friedhofspflege zusammen. Am Stadtpfarrfriedhof seien drei Mitarbeiter vor den Feiertagen voll ausgelastet, teilt eine Verwaltungsmitarbeiterin mit.

Im Bezirk werden die meisten Friedhöfe von den Gemeinden betreut. Vereinzelt übernimmt die klassischen Aufgaben eines Totengräbers auch das Bestattungsunternehmen direkt, so etwa die „Bestattung Killian“ aus Leobersdorf. Für den Geschäftsführer Walter Cais und seine Mitarbeiter ist das nur ein Teil ihrer Tätigkeit. Sie beginnt mit der Abholung der Verstorbenen. Das ist für Bestatter mit ständiger Rufbereitschaft verbunden. Der Firmenchef berichtet: „Wir müssen 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche, rund um die Uhr bereit sein, auszurücken, auch zu Weihnachten, das ist vielen Außenstehenden nicht bewusst.“ Bei psychisch belastenden Einsätzen sei es wichtig, anschließend mit den Mitarbeitern zu sprechen und das Erlebte aufzuarbeiten, sagt der Leobersdorfer. Viele Gemeinden haben die Arbeit des Grabaushubes aber bereits an Fremdfirmen ausgelagert.

In Pfaffstätten kümmert sich der ortsansässige Gartengestalter Karl Baumgartner so wie auf dem Helenenfriedhof in Baden darum, dass Gräber fachmännisch und gemäß der Friedhofsordnung geöffnet oder neu ausgehoben werden. Bei Bedarf übernimmt der Gartenprofi am Helenfriedhof auch die Grabpflege. Er erzählt: „Wie ich mit dieser Tätigkeit begonnen habe, wurde mir gesagt, ‚vom ersten wirst träumen’. Ich habe aber mit meiner Arbeit nie ein Problem gehabt.“ Er gehe respektvoll mit der ihm anvertrauten Aufgabe um, da sei nichts Beängstigendes oder Gruseliges dabei.

Er ist der Meinung: „Im Fernsehen sieht man schlimmere Sachen. Ich komme ja nicht mit der Leiche direkt in Kontakt, sondern maximal mit Gebeinen. Es ist ja in der jeweiligen Friedhofsordnung genau geregelt, wie weit je nach Erst- oder Zweitbelegung und unter Einhaltung der Totenruhe gegraben werden darf.“

Apropos Graben: Den modernen Totengräbern steht als Hilfsmittel mittlerweile auch ein kleiner Bagger zur Verfügung. Das funktioniere aber nur dort „wo auf Friedhöfen genügend Platz ist, ein Bagger muss zwischen den Gräberreihen durchkommen, also zu 80 Prozent in neueren Friedhofsteilen“.

Auch Edeltraud Vock, Leiterin der städtischen Bestattung in Baden, weiß, dass die Erfüllung der Aufgaben eines Bestatters eine herausfordernd und verantwortungsvoll sind.

Sie erinnert sich: „Vor dreißig Jahren konnte ich Friedhöfe kaum betreten.“ Jahre der Erfahrung und auch die Verarbeitung persönlicher Schicksalsschläge haben Edeltraud Vock aber gefestigt. Sie erzählt, dass es sehr schwer sei, neue Mitarbeiter zu finden. Vor allem für junge Menschen sei der Anblick von Toten fordernd. In Österreich sei der Tod grundsätzlich ein „Tabu-Thema“.

Was Edeltraut Vock bewegt, ihren Beruf weiter auszuüben, ist die Trauerarbeit mit den Lebenden.

Nach der Beerdigung würden ihr viele Angehörige ihre Dankbarkeit ausdrücken, berichtet sie. „Dann weiß ich, dass ich meine Aufgabe erfüllt habe und den Hinterbliebenen eine gedankliche Last abnehmen konnte.“

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