Trauer um Wiener Terroropfer. 44-jährige Frau, die in Baden aufgewachsen ist, ist unter den vier Toten des Wiener Terroristen. In einem berührenden Artikel schreibt ihre Schwester über die Verstorbene.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 11. November 2020 (03:55)
Polizisten stehen vor Kerzen am Tatort in der Seitenstettengasse in der Wiener Innenstadt, zwei Tage nach einem Terroranschlag in Wien, bei dem es vier zivile Todesopfer zu beklagen gibt.
APA/Georg Hochmuth

Unter den vier Opfern des Terroristen, der vorigen Montag die Wiener Innenstadt in Angst und Schrecken versetzt hat, ist auch eine 44-jährige Frau, die aus Baden stammt. Sie besuchte hier den Kindergarten Schimmergasse, die VS Weikersdorf, das Gymnasium Frauengasse und die HAK Baden. Gudrun S. verstarb in der Nähe ihrer Arbeitsstätte bei der Rotenturmstraße.

Kollegen bestürzt über Tod der Mitarbeiterin

Die langjährige Mitarbeiterin eines Metallsulfid-Herstellers war Montagabend laut dem Online-Magazin Kontrast bei einem Feierabend-Bier mit Kollegen, als der Terrorangriff passierte. Der Vorstand des Mutterkonzers bestätigte den Tod der Mitarbeiterin: „Wir sind alle schockiert und zutiefst bestürzt.“ Der Betrieb stellte laut Kontrast den Arbeitskollegen der Verstorbenen psychologische Unterstützung zur Seite.

Die Schwester des Terroropfers, Irmgard P., beschreibt Gudrun in einem berührenden Gastkommentar in der Tageszeitung „Der Standard“ als beliebten und engagierten Menschen, der sich seit Kindheit für Schwächere eingesetzt habe: „Sie war sehr engagiert im Schutz von Frauen vor Gewalt. Sie war eine große Verfechterin von Toleranz, sie war Betriebsrätin, sie war Mediatorin und wollte immer vermitteln“, schreibt ihre Schwester. „Sie war eine liebende Lebenspartnerin, Tochter, Schwester, Enkelin, Nichte, Tante, Cousine – und sie war sehr, sehr vielen Menschen eine gute Freundin. Sie war eine geschätzte Mitarbeiterin und eine beliebte Kollegin.“

Faksimile des Standard-Artikels mit dem Nachruf auf die 44-jährige Gudrun S.
Fussi

Sie hätte nicht gewollt, dass die Reaktion auf ihren Tod Hass ist: „Wenn ihr meine Schwester und ihr Andenken ehren wollt, dann bitte ich euch alle, auch nicht mit Hass und Ausgrenzung zu reagieren, das würde alles, wofür sie gestanden ist, gelebt hat und eingetreten ist, mit Füßen treten“, schließt sie den Nachruf.

Polizei aus Baden als Ablösekräfte in Wien

Als Nachtrag zu ihrem Artikel schreibt Irmgard P. im Online-Forum, warum sie nicht wütend auf den Täter sei: „Er wollte nicht meine Schwester töten, sondern einfach irgendwen – und es war zufällig meine Schwester. Sein Ziel war es, Hass zu säen und Aufmerksamkeit zu erregen. Je mehr Menschen ihn hassen und wütend auf ihn sind, umso mehr hat er sein Ziel mit dieser Tat erreicht. Je mehr Menschen sich aber auf Gudrun und ihre Werte konzentrieren um so sinnloser wird auch sein Tod“, schreibt sie.

Auch das Bezirkspolizeikommando Baden unterstützte am Tag nach dem Anschlag die Kollegen in Wien. Bezirkspolizeikommandant-Stellvertreter Hannes Faustmann berichtet: „Am Tag nach dem Anschlag wurde ein Kontingent von Baden nach Wien geschickt, als Ablösekräfte. In Baden zeigten wir unmittelbar nach dem Anschlag erhöhte Außendienstpräsenz, die israelitische Kultusgemeinde wurde permanent überwacht.“ Im Moment sei das Bezirkspolizeikommando aber wieder zum Normalbetrieb zurückgekehrt.