Triebnig-Löffler: „Habe noch viele Ideen in petto“. Fremdenführerin Christine Triebnig-Löffler aus Baden ist im Moment zur Untätigkeit gezwungen. Losgehen würde sie am liebsten sofort.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 07. April 2021 (02:11)
Christine Triebnig-Löffler vor der Pestsäule am Badener Hauptplatz.
Jandrinitsch

Die Badener Fremdenführerin Christine Triebnig-Löffler war es gewohnt, Einheimischen wie auch Gästen die Vorzüge Badens näher zu bringen. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung kreierte sie darüber hinaus die ‚Stadtspaziergänge’, verschiedene Themenrunden, die den Fokus etwa auf Kirchen, Denkmäler oder die Kurtradition Baden legten. Im Moment geht aber gar nichts mehr.

NÖN: Wie haben Sie die Zeit des ersten Lockdowns erlebt?

Christine Treibnig-Löffler: Als im Vorjahr ein Storno nach dem anderen zufolge der Berufsverbotsverordnungen hereinkam, war es, als ob man sich auf einer schiefen Ebene befände. Alles rollt von einem weg, gefolgt von einem Zustand wie im freien Fall. Es geht abwärts, während der Terminkalender voll ist und die Plakate mit den Ankündigungen der Stadtspaziergänge gedruckt sind. Es ist, als würde man zu einem reich gedeckten Tisch kommen, wo man aber absolut nichts anrühren und schon gar nichts essen darf.

Was war für Sie das Herausfordernste an der Situation?

Triebnig-Löffler: Für selbstständig Tätige ruft eine derartige Pattsituation sofort Existenzängste hervor; zudem drücken Zweifel über die Richtigkeit des einst gewählten Berufsweges ordentlich aufs Gemüt. In meinem Fall ist es ein Weg, den ich seit etwa 15 Jahren versuche mit viel Herz, Verve, Kraft und Kreativität zu gehen und mich mit Sorgfalt jedem Inhalt wie auch jedem Gast zu widmen. Alles gerät ins Wanken. Von einem Tag auf den anderen ist man auf finanzielle Hilfe des Staates angewiesen, gefolgt von Prozeduren an Härtefallansuchen. Stimmungsniederlagen ob der Rolle des Bittstellers wechseln mit Dankbarkeit darüber, dass es überhaupt Hilfe gibt. In diesen kalt-warm Gefühlsmix musste ich erst hineinwachsen - denn abgesehen vom Kindergeld habe ich noch nie staatliche Hilfe bekommen.

Was schätzen Sie an Baden besonders?

Triebnig-Löffler : Baden bietet ein richtig großes Potenzial an Geschichte und Kultur, vom Naturschatz des Gelben Goldes, dem Schwefel und den kaiserlichen Verbandelungen bis hin zu Persönlichkeiten, die durch ihre Leistungen die Stadtgeschichte mitgeschrieben haben. Dieses Potenzial schöpfe ich in meiner Arbeit als Kulturvermittlerin gerne aus, da ich für die Qualitäten und Besonderheiten unserer Stadt sensibilisieren möchte. Auch die Gegend rund um Baden bietet ein reiches Natur- und Kulturerleben.“

Warum buchen Menschen Stadtführungen und wie war die Buchungslage?

Triebnig-Löffler: Die Buchungen liefen sehr gut. Familien, Chöre, Mitarbeiter von Ämtern, Banken und Firmen möchten nicht nur gemeinsam Freizeit verbringen, sondern auch die eigene Lebensumgebung näher kennenlernen. Die Stadt Baden greift das Interesse auf und bietet als Veranstalter Stadtspaziergänge das ganze Jahr über, die sehr gerne angenommen werden.

Weg von der verschlafenen Kurstadt hin zu einer Stadt, wo sich etwas tut – war das auch Ihr Anspruch?

Triebnig-Löffler: Baden hat nicht nur aufgrund einer blühenden Museen- und Gastronomielandschaft oder Großveranstaltungen wie ‚Baden in Weiß‘ und die Fotoausstellung ‚La Gacilliy‘ den Ruf einer lebendigen Stadt in der ‚was los ist‘ erworben, sondern auch durch das vielfältige Angebot von Stadtführungen. So schlüpften wir Fremdenführerinnen und Fremdenführer bei unserer beliebten Beethoven Eventführung ‚Ich kannte ihn am besten!‘ sogar in verschiedene Rollen und waren originalgetreu gekleidet wie aus Beethovens Zeit. Die Gäste haben das begeistert angenommen. Ein großes Dankeschön geht von mir daher an Kulturamtsleiter Professor Gerd Ramacher und Tourismusdirektor Klaus Lorenz, sie haben diesbezüglich wirklich G’spür’ und Engagement bewiesen.

Waren schon neue Stadtspaziergänge geplant?

Triebnig-Löffler: Obwohl schon an die 15 Themenschwerpunkte ausgearbeitet sind – sie gehen von den Themenführung zu speziellen Gebieten in der Musik-, Literatur-, Architektur bis hin zur Jüdischen Geschichte, oder beziehen sich auf berühmte Liebespaare, stadtbekannte Denkmäler und Ähnliches, warten noch weitere Highlights, die ebenfalls zum Kosmos dieser Stadt gehören wie Mozart, die Villen und Bäder oder die Friedhöfe. Hinsichtlich der Nominierung Badens zum UNESCO-Weltkulturerbe gemeinsam mit 10 anderen europäischen Kurstädten, den Great Spas of Europe, feile ich gerade am Kurpark, denn dieser an botanischen, geschichtlichen und gesellschaftlichen Besonderheiten so reiche Park ist eine Welt für sich, und verdient, in einem eigenen Spaziergang vorgestellt zu werden.

Was bedeutet für Sie Kulturvermittlung?

Triebnig-Löffler: Kulturvermittlung ist für mich nicht nur Wissensvermittlung, sondern in erster Linie, in einen Dialog mit Menschen zu gehen, auf Augenhöhe zu spüren wo das Interesse liegt mit dem Ziel, Verständnis und Faszination für die Stadt, für die eigene Lebensumgebung zu erzeugen, um sich ‚heimatlich‘ im besten Sinne des Wortes zu fühlen. Wie oft habe ich schon erlebt, dass durch eine Baden-Führung bei Teilnehmern Freude und lokalpatriotischer Stolz ausgelöst werden, kurzum sich eine Liebe zur Stadt einstellt, in der man lebt. Daher sind Stadtführungen ganz und gar nicht altmodisch.

Die momentane Situation macht Stadtspaziergänge aber unmöglich?

Triebnig-Löffler: Abgesehen von der momentanen Situation mit Höchstzahlen an Erkrankungen, war es uns Fremdenführern auch in Zeiten mancher Lockerungen mehr oder weniger untersagt, berufstätig zu sein. Bei restriktiven Auflagen die nur drei Erwachsene und sechs Minderjährige aus zwei Haushalten eine Teilnahme gestattete, wobei ich als Guide einer der Haushalte bin, wurden Führungen praktisch unmöglich gemacht. Es war schwer begreiflich, dass neben Eislaufen und Skifahren nicht auch kulturelle ‚Open Air‘- Aktivitäten erlaubt waren mit einer Gruppengröße bis zu maximal 10 Personen. Jedenfalls sind Stadtspaziergänge, was die Unfallgefahr und das Risiko dadurch Spitalsbetten zu binden, viel sicherer als Skifahren. Stadtführungen bieten deshalb recht hohe Sicherheit, weil Gruppengrößen durch vorangehende Anmeldungen regelbar sind, und somit der erforderliche Abstand zueinander gut einhaltbar ist.

Wie kann man die Führungen noch sicherer machen?

Tribnig-Löffler: Der Einsatz von Quietvox-Systemen, also Audio-Systeme, die meine Worte über Kopfhörer jedem Gruppenteilnehmer näher bringen, gewährleisten sogar einen noch größeren als den Zwei-Meter-Abstand. Wir haben im Vorjahr in der Stadt Baden bei Fotofestival-Führungen „La Gacilly-Baden“ dankenswerterweise solch ein Gruppenführungssystem nützen können – es hat sich bestens bewährt und ist vom Publikum sehr geschätzt worden.