Stipendium hilft Schülern mit Migrationshintergrund. Wer sich für Gesellschaft engagiert, bekommt Hilfe beim Lernen.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 23. November 2020 (04:55)
Suliman Quayoumi und Katharina Turnauer von „Sinnstifter“.
START-Stipendien Niederösterreich

Junge Menschen zu unterstützen, die nicht in Österreich geboren sind aber ein überdurchschnittliches Maß an Engagement für Schule und Gesellschaft zeigen, das hat sich der Verein START-Stipendium Niederösterreich zur Aufgabe gemacht. Aktuell begleitet START im Bezirk Baden drei junge Leute. Suliman besucht das Gymnasium Frauengasse in Baden, Hayma die HLA in Baden und Arina ist Schülerin des Don Bosco Gymnasiums in Unterwaltersdorf.

Per Zoom-Konferenz über Zukunft geplaudert

Die NÖN hat sich mit ihnen in Verbindung gesetzt, bei einer Zoom-Videokonferenz haben sie über sich, das Stipendium und ihre Zukunftspläne gesprochen. Schon seit zwei Wochen haben die drei Oberstufenschüler Home Schooling, Suliman gibt zu: „Ich vermisse die Schule.“

Vor fünf Jahren kam er von Afghanistan nach Österreich, als er ankam, campierte er in einer riesigen Fußballhalle mit hunderten von Menschen, „das war wirklich schrecklich“, erinnert sich der 17-Jährige. Auf das START-Programm hat ihn sein Klassenvorstand im Gymnasium aufmerksam gemacht, der Frauengasse ist er bis heute treu geblieben, auch wenn er mittlerweile in Wien wohnt.

Dank START konnte er an der Sprachreise nach Schottland teilnehmen und „ich kann mir mehr Nachhilfe leisten, und so meine Familie finanziell entlasten“. Besonders angetan haben es ihm die „Deutsch-Workshops sowie alle Workshops, die START anbietet. Die bringen echt was.“

Doch auch den Lehrern in der Frauengasse spricht er seinen tiefsten Dank aus. „Alle Lehrer haben mich bis jetzt unterstützt, ganz besonders bedanken möchte ich mich bei meinem Klassenvorstand Christian Matschnig und Professorin Martina Baumgartner“, sagt Suliman, der als liebstes Fach Biologie nennt und sich vorstellen kann, „falls ich die Matura schaffe, Medizin zu studieren“.

Das ist oft ein Problem, dass viele Schülerinnen und Schüler gar nicht wissen, dass es uns gibt und was wir anbieten.“ Katrin Bernd, START-Stipendien NÖ

Hayma kam vor vier Jahren von Syrien nach Österreich. Zuerst besuchte sie die Mittelschule in Baden, dann absolvierte sie den Aufbaulehrgang für das Gymnasium an der polytechnischen Schule in Baden. Jetzt geht sie in die zweite Klasse der HLA in Baden. Auch praktische Fächer wie Kochen und Servieren gehören zu ihren Aufgaben, auch wenn sie sich schon auf die dritte Klasse freut, denn dann steht Eventmanagement auf dem Stundenplan. „Ich besuche den Zweig Kultur- und Kongressmanagement, das interessiert mich sehr“, berichtet sie.

Auch sie möchte die Matura machen, dass es das START-Förderprogramm gibt, hat ihre Mutter auf Facebook entdeckt. Katrin Bernd von START nimmt auch an der Videokonferenz teil. Sie merkt an: „Das ist oft ein Problem, dass viele Schülerinnen und Schüler gar nicht wissen, dass es uns gibt und was wir anbieten. Dabei teilen wir unser Infomaterial an vielen Schulen aus, doch der erste Lockdown hat heuer unsere Arbeit schon sehr erschwert. Unsere Infos sind nicht überall durchgedrungen.“

Blickt dank START optimistisch in die Zukunft: Hayma Alwahab aus Syrien.
START-Stipendien Niederösterreich

Doch nicht nur die finanzielle Unterstützung erleichtert den Schulalltag. „Bei den Workshops lernt man neue Freunde kennen, besonders hilfreich habe ich das Seminar ‚Lerncoaching‘ gefunden, wo auch gezeigt wurde, wie man sich am besten vor der ganzen Klasse präsentiert“, erzählt Hayma. Per Telefon hält sie Kontakt zu der Familie ihrer Mutter, die noch immer in Syrien lebt. Doch die Lage dort verbessert sich nicht. „Die Lebensmittel sind sehr teuer, die Gehälter sind zu gering, Strom und Wasser gibt es nicht“, skizziert Hayma knapp. Die Hürde Sprache zu meistern war auch für Arina eine Herausforderung. „Ich habe in Afghanistan nie eine Schule besucht, ich hatte zuhause nur Privatunterricht in Persisch, meiner Muttersprache, Mathematik und Englisch.“

Das Don Bosco-Gymnasium war ihre erklärte Wunschschule.

„Ich habe eine Schnupperwoche hier verbracht, nach der war ich noch mehr überzeugt, dass ich hierher gehen möchte.“

Dafür nimmt sie es auch in Kauf, jeden Schultag in normalen Zeiten mit dem Bus von Wien nach Baden zu fahren und von dort weiter nach Unterwaltersdorf.

Arina Fazili und Andreas Lechner von der Berndorf Privatstiftung.
START-Stipendien Niederösterreich

Privat engagiert sich Arina, die Informatik als ihr Lieblingsfach angibt, bei der Diakonie. So half sie letztes Jahr bei einer Frauenberatungsstelle der Diakonie als ehrenamtliche Übersetzerin, ein Jahr zuvor war sie in einem Kindergarten tätig.

Hayma arbeitet in Baden beim Jugend-Rot-Kreuz mit und Suliman ist Mitglied der young caritas. Außerdem war er auf dem Sprung in die Kampfmannschaft des Pfaffstättner Fußballklubs. Das hat jedoch der Lockdown verhindert.