Fotofestival La Gacilly: Von den Anden zum Meer. Der Begriff Lateinamerika weckt Assoziationen von Farben und Lebensfreude. Doch Idylle kann trügen.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 09. Juni 2021 (04:58)
Pascal Maitre erzählt mit seinen Fotografien die faszinierende Geschichte der Monarchfalter.
Jandrinitsch

Der Hut trat erstmals am Mittwoch in Aktion, verantwortlich dafür war das Wetter, „vorher habe ich eine Haube aufgehabt“, erzählt Festivaldirektor Lois Lammerhuber.

Denn der Panamahut von Lammerhuber ist längst zum Markenzeichen des Festivaldirektors geworden – so wie die Fotografien, die im Rahmen des Fotofestivals La Gacilly Baden-Photo präsentiert werden.

Im Teich im Doblhoffpark zeigen die Fotos des renommierten Unterwasserfotografen Greg Lecoeur die leuchtende Welt des Planktons. Nicht der Mond bringt das Meer zum Glitzern, sondern die für das menschliche Auge fast unsichtbaren Mini-Lebewesen.
Robert Rieger Photography, Robert Rieger Photography

Heuer findet das Festival bereits zum vierten Mal statt. Und das Motto Viva Latina! macht klar, welcher Kontinent diesmal in den Mittelpunkt gerückt wird: Es ist Lateinamerika. Gleichzeitig richtet sich der Fokus des Festivals auf das breit gefächerte Thema „Diversität“ und stellt einmal mehr die komplexe Wechselwirkung von Mensch und Natur visuell zur Diskussion.

Dass gerade Lateinamerika eine lange Geschichte der Ausbeutung der indigenen Völker hinter sich hat, wird einem bei dem Schlagwort Viva Latina! im ersten Moment gar nicht gleich bewusst. „Man verbindet mit Lateinamerika vor allem Lebensfreude, es ist so ein Sehnsuchtsort, Wärme, Farben, Süden“, sagt Lammerhuber.

Doch die Schattenseiten dieses Sehnsuchtsortes oder besser gesagt auf die Widersprüche machen die Fotografien der internationalen Elite der ausstellenden Fotokünstler aufmerksam.

Die Foto-Tour durch die Stadt beginnt am Brusatti-Platz bei der Touristen-Information.
Robert Rieger Photography, Robert Rieger Photography

Vizebürgermeisterin Helga Krismer, Grüne, betonte den Umweltaspekt besonders, „und das, was wir den Völkern dort zugemutet haben. Das Staudammprojekt Belo Monte ist wohl das jüngste Beispiel, wie der Lebensraum der Menschen am Rio Xingu, einem bedeutenden Nebenfluss des Amazonas, vernichtet worden ist“.

Als sichtbare Zeichen des Festivals wurden Geschenke kreiiert, die im Doblhoffpark vorgestellt wurden: der Festival-stick, der Festival-Frizzante als Gelber Muskateller aus dem Weinbau von Bernhard Ceidl, die Torte aus der Backwerkstatt von Manfred Schneiders Annamühle kommt mit Schoko und Haselnüssen ohne Mehl aus. Als besonderer Hingucker entpuppt sich die Festival-Tasche, hergestellt aus den Planen, bedruckt mit Fotomotiven früherer Festival-Jahre.

4. Festival als Hommage an Thomas Jorda

Unübersehbar prangt auf allen Dingen der Tucan, als „Symbolvogel“ des Festivals.

Bürgermeister Stefan Szirucsek, ÖVP, erinnerte an jenen Mann, der den Weg für das Fotofestival von La Gacilly in der Bretagne nach Baden geebnet hat: Thomas Jorda.

Der im Vorjahr verstorbene stellvertretende Chefredakteur der NÖN, kunstsinnige Badener und Ideengeber und Initiator vieler Projekte hat auch in der Stadt Baden viele Tore für das Festival geöffnet. „Deshalb ist dieses Festival heuer auch ihm gewidmet“, betonte Sirucsek. Zu den 25 Galerien, die über das Stadtgebiet und die Parks von Baden verteilt sind, kommt noch eine zusätzliche Bilderausstellung am Bahnhof. Sie ist den Bienen gewidmet, hier werden in Zusammenarbeit mit den ÖBB die Bilder des Fotografen und Regisseurs Éric Valli aus Dijon in Ostfrankreich gezeigt.

Honigsammler in Zentralnepal

Im Jahr 1987 wurde seine Arbeit Honey Hunters – eine Dokumentation über die auf Felsen kletternden Gurung-Stammesangehörigen im westlichen Zentralnepal – mit einem World Press Photo Award ausgezeichnet. Zum dritten Mal in Folge hat Festivaldirektor Lois Lammerhuber alle teilnehmenden Fotografinnen & Fotografen eingeladen, gemeinsam eine Ausstellung zu gestalten, jeder mit nur einem einzigen Bild.

Anlässlich des „Jahres der Biodiversität“ und auch um Jacques Rochers Projekt „Plant for the Planet“ den gebührenden Respekt zu zollen, das sein Ziel 100 Millionen Bäume zu pflanzen im Vorjahr erreicht hat, wurden dieses Jahr die Fotografen gebeten, ihr liebstes und gelungenstes Bild eines Baumes auszuwählen.

Das Fotofestival der Schulen Niederösterreichs widmet sich ebenfalls dem Thema „Diversität“.

Mit dem BG/BRG Baden in der Frauengasse hat Niederösterreichs Fotografeninnungsmeister Christian Schörg gearbeitet.