Volkshochschule verspürt nach Lockdown Aufwärtstrend. Bis zu 40 Prozent weniger Einnahmen, Clusterbildung verhindert, Kursanmeldungen nehmen zu.

Von Nadja Tröstl. Erstellt am 21. Juli 2021 (03:32)
VHS Baden Leiterin Ulrike Kellner sagt über ihre momentane Situation: „Ich bin wie eine Jongleurin, jongliere sehr viele Bälle in der Luft und muss immer aufpassen, dass keiner herunterfällt.“ 
Tröstl

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie und dem ersten Lockdown im März 2020 kommt die Volkshochschule Baden, die so gut wie alle Kurse auf Eis legen musste, im neuen Lehrbetrieb langsam wieder zu Kräften. Direktorin Ulrike Kellner sieht sich als „Jongleurin“ und setzt weiterhin auf rigorose Sicherheitsmaßnahmen.

105.000 Euro Verlust im Sommer 2020

Der erste Corona-bedingte Lockdown im Sommer 2020 traf die VHS Baden hart. 30 bis 40 Prozent weniger Einnahmen wurden verzeichnet. Das ist ein Verlust von sage und schreibe 105.000 Euro, zieht Direktorin Kellner Bilanz. Mit ihrem Team gestaltet sie nicht nur das gesamte Kursprogramm für die Winter- und Sommersemester, sondern verwaltet auch das Budget. Keine leichte Aufgabe unter den gegebenen Rahmenbedingungen. „Ich bin wie eine Jongleurin, jongliere sehr viele Bälle in der Luft und muss immer aufpassen, dass keiner herunterfällt“, sagt Kellner.

Pro Semester werden zwischen 280 und 300 Kursen angeboten. Das Hauptstandbein sind die Sprachkurse. 1.500 Teilnehmer nützen das breit gefächerte Programm pro Semester. Um all dies optimal zu koordinieren, bedarf es eines immensen organisatorischen Verwaltungsaufwandes.

Im Frühjahr 2020 kam Corona wie eine Welle auf die 1957 gegründete Badener Institution zu. Am 12. März informierte die Bundesregierung über die Einleitung des ersten Lockdowns, einen Tag später waren bereits alle Kurse abgesagt. Die Mitarbeiter der VHS gingen in Home Office und koordinierten mit den rund 100 Kursleiterinnen den Arbeitsablauf. Der Fokus wurde infolgedessen auf E-Learning gesetzt. Via Skype und Zoom konnten immerhin 40 Kurse abgehalten werden. Bei den Zugpferden, den Sprachkursen, waren die Online-Kurse aufgrund der Phonetik keine leichte Aufgabe.

Viele beäugten die Online-Kurse auch mit Misstrauen. Viele ältere Menschen haben nicht das nötige technische Equipment zur Verfügung, trauen der Computertechnik noch nicht.

Die Direktorin setzt weiterhin auf strenge Sicherheitsmaßnahmen. Dazu zählen neben der Mund-Nasen-Schutzpflicht, die regelmäßige Desinfektion und der rigorose Zwei-Meter-Abstand in den Klassen. Nur so konnte nach der Covid-Erkrankung einer Frau an der VHS im Frühjahr 2021 eine Cluster-Bildung verhindert werden.

Kellner führt dies auf die genaue Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen zurück und wird diese Linie auch weiterfahren. Die Zukunftsprognose: Die Direktorin will langsam aber sicher wieder eine solide Vertrauensbasis schaffen, unter anderem durch Kulanz in der Abrechnung der Kurskosten und Gutschriften für nicht konsumierte Stunden.