Von Alpenland zum Priester: „Immer Nähe zu Gott gehabt“

Robert Rintersbach, ehemaliger Chef der Alpenland, wurde am Samstag in Wien zum Priester geweiht. Feierliche Erstprimiz am Sonntag in Baden.

Erstellt am 27. Juni 2021 | 04:16
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Tochter & Vater: Monika und Robert Rintersbacher am Samstag nach der Priesterweihe in Wien.
Foto: privat

Bewegende Tage liegen für Robert Rintersbacher (68) zurück. Am Samstag wurde er im Wiener Stephansdom durch Christoph Kardinal Schönborn zum Priester geweiht, am Sonntag fand in seiner Heimatpfarre Baden St. Stephan die Erstprimiz statt.

Seit drei Jahren ist Rintersbacher in St. Stephan als Diakon tätig. Seinen Weg in die Kirche hat er spät begonnen. Rintersbacher, Jahrgang 1953, war zunächst im Finanzamt für Körperschaften tätig, danach im Bereich Holzexport, Offizier auf Zeit im österreichischen Bundesheer, sechs Jahre lang Generalsekretär in der Bundes-Ingenieurkammer und von 1993 bis zu seiner Pensionierung 2014 Büroleiter und Geschäftsführer der Alpenland-Wohnbaugruppe.

Der katholische Glauben hat den Magister der Rechtswissenschaften immer schon geprägt. Dieser äußerte sich auch in seiner Mitgliedschaft von sechs Studentenverbindungen, mit der Norica als Urverbindung. Besonders hat er sich daher auch gefreut, dass bei der Erstprimiz der militärische Ordinariatskanzler Harald Tripp als Primizprediger agierte.

Nach Pensionierung ins Priesterseminar

Nach seiner Pensionierung stand für ihn fest, nicht wie andere mit Reisen und Gartenarbeit zu verbringen, sondern in das Priesterseminar einzutreten. Als er seiner Tochter Monika Rintersbacher (43), Geschäftsführerin der Leitbetriebe Austria, seinen Entschluss mitteilte, sagte sie „cool!“ – und dementsprechend groß war auch bei ihr am Samstag und Sonntag die Freude über die Weihe ihres Vaters. „Ich bin privilegiert“, meint sie, „ich habe einen Vater, der Priester ist und darf auch Tochter sein.“ Sie ist voll des Lobes über ihren Vater: „Er hat so lange darauf hingearbeitet. Er hat meinen höchsten Respekt, in seinem Alter sich noch ein Studium anzufangen.“ Sie freue sich sehr mit und sei „sehr stolz auf ihn“.

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Neupriester Robert Rintersbacher im Kreise des Messteams der Stadtpfarre mit Stadtpfarrer Clemens Abrahamowicz, den Kaplänen Dariusz Waligora und Franklin Okwara sowie Primizprediger Harald Tripp.
privat, privat

Besonders imponiert ihr, dass er schon früher begonnen hat, Theologie zu studieren und auch das Doktorat in Kirchenrecht absolviere. „Er hat immer eine Nähe zu Gott gehabt“, sagt sie. Der tiefe Glaube, kombiniert mit seiner Disziplin und Konsequenz schätzt sie sehr. Er sei sich „für nichts zu gut, sucht immer die Nähe“. Besonders gut sei ihr Vater in den Familienverband eingebettet. So ergibt es sich demnächst, dass sie bei einer Verwandtschaft als Taufpatin agieren werde und ihr Vater die Taufe halten werde – „unser gemeinsames Projekt.“

Als Sozialprojekt zur Priesterweihe konnte Rintersbacher die übrigen Weihkandidaten zur Unterstützung des Projekts Sternenkinder der Hospizbewegung Baden gewinnen. Dieses Grab gibt es bereits am Badener Stadtpfarrfriedhof. Etwa 60 Kinder sind dort begraben. Das Projekt sieht vor, das Grab zu sanieren und auszustatten sowie einen Gedenkplatz zu schaffen.

Starke Momente bleiben in Erinnerung

Bei seiner Weihe blieben ihm zwei besonders starke Momente in Erinnerung: Einerseits als er vor dem Bischof am Altar lag und dann die Handauflegung. „Da geht eine Welle durch einen durch“, erinnert er sich. Am Sonntag in Baden war er freudig bewegt von den vielen Menschen, die gekommen waren und vor allem vom Moment, als er das erste Mal bei der Wandlung als Primiziant auftrat.

In seinem künftigen Dienst als Priester macht er sich keine Illusionen über die Herausforderungen in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft. Sein Ziel ist es, „den Glauben in zeitgemäßer Sprache den Menschen anzubieten und zu vermitteln“. Seine berufliche Erfahrung werde er auch weiterhin in Kirchenangelegenheiten zur Verfügung stellen. In der Pfarre St. Stephan werde er zumindest ein Jahr noch bleiben. Ob er dann vielleicht mit einer eigenen Pfarre betraut werden könnte, das liege alleine „in den Händen des Bischofs“, weiß Rintersbacher.