Wolfgang Ziegler: „Musik kennt keine Grenzen“. Wolfgang Ziegler erzählt, warum er den Internationalen Chorwettbewerb Ave Verum gegründet hat und auf was er sich heuer vom 31. Mai bis 2. Juni in Baden besonders freue.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 31. Mai 2019 (03:28)
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Wolfgang Ziegler (ICC AV Prasident und künstlerischer Leiter). Dusek
Wolfgang Ziegler (ICC AV Prasident und künstlerischer Leiter).

Vom 31. Mai bis 2. Juni werden beim 4. Internationalen Chorwettbewerb Ave Verum rund 300 Chorsänger aus verschiedenen Erdteilen zu Gast in Baden sein. Die Idee dazu hatte Wolfgang Ziegler, Präsident und künstlerischer Leiter.

Warum haben Sie 2012 den Internationalen Chorwettbewerb ins Leben gerufen?
Wolfgang Ziegler: Ich war etwa 16 Jahre alt, als mich mein Vater zum Internationalen Chorwettbewerb nach Spittal an der Drau mitnahm. Da entstand nicht nur der Wunsch, selbst einmal so einen Event ins Leben zu rufen, sondern auch die Idee mit dem einstimmigen Pflichtlied. 2010 reifte dann der Gedanke, dies in der mit Künstlern aus Vergangenheit und Gegenwart verwöhnten Kurstadt Baden zu machen. Mit der von Mozart hier komponierten und uraufgeführten, weltweit bekannten Motette „Ave Verum Corpus“ war auch sofort ein in der Chorwelt bekannter Titel gefunden. Nach zwei Jahren intensiver Vorbereitungsarbeit war es 2012 mit dem 1. Internationalen Chorwettbewerb Ave Verum in Baden so weit. Heute wird über ICC Ave Verum Baden in etwa 130 Ländern weltweit berichtet.

Einen ausgewogenen homogenen Chorklang in der Einstimmigkeit zu erzielen, zählt für Chorsänger und Chordirigenten zu den größten Herausforderungen.

Was dürfen die Besucher des diesjährigen Wettbewerbs erwarten?
Es wird A cappella-Chormusik vom Feinsten geben. Besonders erwähnenswert sind hier die einstimmigen Pflichtlieder des litauischen Komponisten Vytautas Miskinis und des österreichischen Chorspezialisten Manfred Länger. Es ist dies eine einzigartige Wettbewerbsforderung, die es bei keinem anderen mir bekannten Chorevent gibt. Einen ausgewogenen homogenen Chorklang in der Einstimmigkeit zu erzielen, zählt für Chorsänger und Chordirigenten zu den größten Herausforderungen. Ein weiteres Spezifikum ist, dass alle Chorformationen (Kinder-, Jugend-, Frauen & gemischte Chöre) in einer Kategorie gegeneinander antreten.

Auf welchen Veranstaltungspunkt freuen Sie sich am meisten?
Nach dem eigentlichen Wettbewerb am Samstag, 1. Juni, ist die Lange Nacht der Chormusik in der Kirche St. Stephan. Hier kürt das Publikum seinen „Lieblingschor“ und vergibt den Publikumspreis. Am Ende dieses „Doppelkonzertes“ werden alle Chöre gemeinsam in der abgedunkelten Kirche Mozarts „Ave Verum Corpus“ singen, an der Orgel begleitet Margit Fussi. Für das Publikum, wie auch für mich ist das ein besonders ergreifender Moment. Natürlich ist auch der Grand Prix Ave Verum mit den fünf am besten bewerteten Chören, am 2. Juni, 11 Uhr im Congress Casino Baden ein absolutes Highlight.

Welche Chöre nehmen am Bewerb teil und wie erfolgte die Auswahl?
Von den 28 registrierten Chören aus der ganzen Welt hat das ICC AV Musikkomitee die besten Chöre ausgewählt. Dazu mussten alle Wettbewerbsanwärter jeweils drei aufgenommene Chorstücke einsenden. Die Qualität war weitgehend großartig, sodass wir uns entschlossen hatten, ausnahmeweise 12 anstatt 10 Chöre zum Wettbewerb zuzulassen. Später haben dann vier Chöre aus finanziellen Gründen ihre Teilnahme abgesagt.

Die acht Teilnehmerchöre, Kinder-, Frauen- und gemischte Chöre kommen aus USA, Ukraine, Schweden, Ungarn, Philippinen, Irland und Österreich.

Aus welchen Personen besteht die Jury und warum haben Sie diese dafür ausgewählt?
Die Jury besteht aus fünf international renommierten Chorspezialisten, Komponisten, Chordirigenten. Dieses Jahr habe ich Kollegen aus Ungarn, Italien, Norwegen und Österreich eingeladen. Gabor Hollerung zählt zu den bedeutendsten Chor- und Orchesterdirigenten Ungarns, Michele Josia ist international erfolgreicher Filmmusikkomponist und Chordirigent aus Rom, Thomas Caplin Professor für Chorleitung und erfolgreicher Chorleiter und Komponist aus Norwegen, Heinz Ferlesch künstlerischer Leiter des Barucco-Orchesters und des österreichischen Spitzenchores „Wiener Singakademie“. Den Juryvorsitz habe ich inne.

Ohne die großzügige finanzielle Unterstützung des Landes Niederösterreich und der Stadtgemeinde Baden wäre eine derartige Großveranstaltung nicht möglich

Wie finanziert sich so ein Mega-Wettbewerb eigentlich?
Ohne die großzügige finanzielle Unterstützung des Landes Niederösterreich und der Stadtgemeinde Baden wäre eine derartige Großveranstaltung nicht möglich. Zusätzlich bedarf es der unermüdlichen Arbeit unseres Finanzchefs, der es immer wieder schafft, zusätzliche Sponsoren aufzutreiben.

„Ein Leben ohne Musik ist ein Irrtum“

Was schätzen Sie so an Chormusik im Allgemeinen?
Musik im Allgemeinen und Chormusik im Besonderen hat für mich eine emotionale , aber auch soziale Bedeutung. Ich bin heute weltweit mit Musikbegeisterten vernetzt, genieße deren Freundschaften und teile auch weitgehend mein Leben mit ihnen. Musik kennt keine Grenzen, Musik ist die Universalsprache, Musik verbindet Menschen und deren Kulturen, der magischen Kraft der Musik kann sich kaum jemand entziehen. Nach 43 Jahren Chorleitung und mehr als 60 Jahren aktivem Musizierens halte ich es mit dem Philosophen Friedrich Nietzsche „Ein Leben ohne Musik ist ein Irrtum“… – und ohne Chormusik erst recht!