Kreativität ist gefragt: Jeitler-Cincelli im Interview. Wirtschaftsstadträtin Carmen Jeitler-Cincelli, ÖVP, glaubt auch in der Krise an die Kraft der Wirtschaftstreibenden.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 06. Januar 2021 (04:54)
Wirtschaftsstadträtin Carmen Jeitler-Cincelli hält es für wichtig, eine positive Grundstimmung zu vermitteln, trotz Krise. Und Unternehmen müssten sich ihres unternehmerischen Auftrags besinnen – nur der Empfang von Hilfsgeldern werde den Weg aus der Krise nicht ebnen.
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NÖN: Wie hat der Handel auf den dritten Lockdown reagiert? War es als Wirtschaftsstadträtin schwierig, das den Gewerbetreibenden zu vermitteln?

Carmen Jeitler-Cincelli: Der Großteil der Unternehmerinnen und Unternehmer hatte bereits damit gerechnet, dass es einen weiteren Lockdown geben wird, da einfach die Zahlen nicht im notwendigen Ausmaß zurückgingen. Wichtig war, dass das Weihnachtsgeschäft dennoch stattfinden konnte und darüber waren alle froh.

NÖN: Sie haben eine Modehändlerin angesprochen, die sich seit der Krise auch auf Instragram vermarktet, obwohl die Überwindung, das zu tun, am Anfang groß war. Kann das tatsächlich die Zukunft sein, dass jetzt auch Mode nur mehr „online“ stattfindet?

Ich denke, bei Mode wird es immer auch den lokalen Handel brauchen, da eben viele das Einkaufserlebnis und die Beratung suchen. Jedoch lassen sich über die Nutzung der Sozialen Medien einfach sehr effizient neue Kundengruppen ansprechen. Ich würde auch allen Geschäften ohne Onlineshop raten, hier aktiv zu werden.

NÖN: Gibt es bereits Ideen für 2021, um das Einkaufserlebnis in Baden noch zu steigern? Die Mondscheinnächte sind so ein Thema.

Je nach Möglichkeiten werden wir natürlich viele Maßnahmen für den Wirtschaftsstandort planen. Es wird weiterhin Shoppingevents geben, die sich an den jeweiligen Rahmenbedingungen orientieren. Auch unser Fotofestival La Gacilly-Baden wird uns wieder viel Frequenz von außen bringen, hier kann es noch mehr Initiativen seitens des Handels geben. Generell sehe ich eine Kombination immer als beste Lösung – teilweise Events, die von der Stadt aus organisiert werden, teilweise engagierte private Initiativen, die von der Stadt unterstützt werden.

NÖN: Kommt das kommunale Investitionspaket tatsächlich nur den Gemeinden zugute, oder profitieren auch die Wirtschaftstreibenden davon?

Es geht ja genau darum, Investitionsimpulse durch die Gemeinden zu setzen. Egal, ob es um den Bau eines Kindergartens geht, um Gehsteigsanierungen oder um den Ausbau der öffentlichen Beleuchtung. Für NÖ bedeutet diese Investitionssumme von 873 Millionen, etwa 3,2 Milliarden Gesamtinvestitionen, die damit ausgelöst werden. Und das wiederum bedeutet etwa 51.500 Arbeitsplätze. Daher appelliere ich an alle Gemeinden, zu investieren und sich das vorhandene Geld auch abzuholen.

NÖN: Das Verteidigungsministerium macht 2021 angeblich ernst mit der Verwertung der Martinek-Kaserne. Welches Nutzungskonzept wünschen Sie sich?

Die Widmungshoheit der Stadtgemeinde ist das Instrument schlechthin, um die Rahmenbedingungen zu setzen. Dem Gemeinderat alleine obliegt die Entscheidung, welche Nutzungskonzepte hier Raum finden werden und das ist gut so. Die Entwicklung dieses riesigen Areals, das ein eigener Stadtteil werden wird, muss äußerst behutsam und bedacht angegangen werden. Ziel muss sein, etwas Einzigartiges zu schaffen, das uns als Stadt für die Zukunft positioniert, dass dabei Arbeitsplätze entstehen und damit einhergehend Kommunalabgaben generiert werden. Zusätzlich würde ich mir Angebote für die Badenerinnen und Badener im Bereich Sport, Medizin, Kultur oder Freizeit wünschen. Vorstellbar für mich wäre der Fokus auf Bildung, Forschung oder internationale Organisationen. Wir müssen damit rechnen, dass die Einnahmen der Stadt aus dem Kassenkurtourismus künftig zurückgehen werden – daher brauchen wir ein klares Konzept, das für uns als Stadt und für die gesamte Region Zukunftsperspektiven schafft.