Lokale Wirtschaft massiv von Corona-Pandemie betroffen. Die Corona Pandemie hat enorme Auswirkungen auf die nationale und internationale Wirtschaft. Zwei Badener Unternehmerinnen - Carmen Jeitler-Cincelli und Birgit Indra - im Gespräch über den plötzlichen Corona Einbruch.

Von Nadja Tröstl. Erstellt am 23. März 2020 (06:30)

„Die Corona Pandemie hat die Wirtschaft vollkommen nach hinten katapultiert und betrifft fast alle Branchen. Solidarität und Optimismus sind jedoch gegeben und die Menschen sind überraschend positiv eingestellt. Wichtig ist, den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herzschlag aufrechtzuerhalten“, sagt die ÖVP-Parlamentarierin und stellvertretende Generalsekretärin des Österreichischen Wirtschaftsbundes Carmen Jeitler-Cincelli.

Badens Stadträtin für Wirtschaft und Stadtmarketing ist Geschäftsführerin der Jeitler & Partner GmbH, einem Consulting Unternehmen in Baden. Dutzende Telefonate führt sie tag- täglich mit regionalen Unternehmern, wobei sich eine Richtung abzeichnet: Die Stärkung der Lokalisierung. Von allen Branchen trifft Corona Badens Hotellerie und den Tourismus, die Gastronomie und den Handel am härtesten. Der Veranstaltungssektor und die Kultur sind eingefroren. Dahingegen erbringen der gesamte medizinische Bereich mit Ärzten und Pflegepersonal, Supermärkten, der NÖM und Abfallwirtschaft Höchstleistungen.  

„Zahlreiche Kundenprojekte wurden von heute auf morgen verschobenNR-Abgeordnete Carmen Jeitler-Cincelli

Auch wenn es einen positiven Grundtenor und Optimismus gibt ist Jeitler-Cincelli als Geschäftsführerin persönlich betroffen.

„Ich spüre das natürlich auch als Unternehmerin in der Kommunikationsbranche. Zahlreiche unserer Kundenprojekte wurden von heute auf morgen auf unbestimmte Zeit verschoben. Durch die Finanzkrise, die uns 2008 und 2009 als Unternehmen unheimlich getroffen hat, habe ich aber gelernt, mit so einer Situation unaufgeregter umzugehen. Viele Menschen haben jetzt natürlich das Gefühl vor dem Nichts zu stehen. Ich möchte ihnen Mut zusprechen und Zuversicht geben. Solche Krisen machen einen stärker. Es kommen bessere Zeiten und gemeinsam werden wir die kommenden Herausforderungen meistern.“

„Ich bin beruflich in ein tiefes Loch gefallen“Unternehmensgründerin Birgit Indra, „Wanderköchin mit Herz“

Die Designerin und „Wanderköchin mit Herz“ ( wir hatten berichtet, siehe hier ) Birgit Indra nimmt ebenso eine starke und optimistische Haltung ein, obwohl ihr Unternehmen wenige Tage nach der Gründung am 1. März 2020, noch bevor es bei bester Auftragslage starten konnte, nun vermutlich vor dem Nichts steht.

28 Jahre lang war die gebürtige Bad Vöslauerin in der nationalen und internationalen Modebranche als Maßschneiderin und Managerin erfolgreich tätig. Ihre berufliche Laufbahn begann im eigenen Atelier in Bad Vöslau und umfasste Tätigkeiten für die österreichischen Traditionsunternehmen Jones, Adlmüller, Gössl sowie Sportalm. Indra machte sich vor einem Jahr selbstständig und gründete Anfang 2020 ihr Unternehmen „Wanderköchin mit Herz“.

Corona hat ihr wirtschaftlich den Boden unter den Füßen hinweggefegt. Sämtliche Aufträge wurden gecancelt. „Nach schweren Zeiten und mehreren Schicksalsschlägen bin ich es gewöhnt mich mit eigener Kraft aktiv aus schwierigen Situationen rauszumanövrieren. Es geht mir so lange gut, so lange ich das Gefühl habe, für mein Weiterkommen selbst anpacken zu können. Jetzt bin ich dazu gezwungen, zu Haue bleiben zu müssen. Ich persönlich bin mit dem Ausbruch der Corona-Krise in ein Loch gefallen und habe zwei Tage durchgeweint“, sagt Indra.

Nachdem die Mutter von drei erwachsenen Kindern bei dem Luxus-Label Giorgio Armani am Wiener Graben beruflich in der Königsklasse angekommen war, wollte sie dennoch zu ihren Wurzeln als Wirtstochter nach Niederösterreich zurückkehren. Gesagt, getan. Im elterlichen Betrieb, einem Traditionsheurigen in Bad Vöslau, in dem die ganze Familie mit half, lernte sie bereits mit 12 Jahren Kochen. Vor einem Jahr traf die passionierte Wanderin die Entscheidung, aus ihren beiden Hobbies, dem Kochen und Wandern, ein selbst kreiertes Unternehmenskonzept zu machen.

Als „Wanderköchin mit Herz“ wollte sie Kunden in ihren eigenen vier Wänden mit traditionell österreichischen und orientalisch-mediterranen Köstlichkeiten bekochen, die NÖN berichtete. Ein Auftrag wäre sogar ein vierwöchiges Kochen auf einer Jacht im Mittelmeer gewesen. Nun liegt alles auf Eis. „Ich fühle mich beruflich wie nach einer Vollbremsung von einer Höchstgeschwindigkeit auf Null. Ausgebremst. Ich habe Existenzängste, ein Schleudertrauma, und bin verwirrt. Aber ich vertraue darauf, dass keine Apokalypse eintritt und ich hoffe auf das Sozialnetz,“ resümiert Indra, die ihr Gewerbe, wenn notwendig, vorübergehend ruhend legen wird. 

Bundesregierung schnürt 38 Milliarden Euro Hilfs-Paket

Zur Sicherung der Arbeitsplätze und der bestmöglichen Gewährleistung der Liquidität spannt die Bundesregierung bekanntlich ein finanzielles Sicherheitsnetz von 38 Milliarden Euro Soforthilfe, die auch nach Niederösterreich zur Rettung besonders betroffener Unternehmen wie dem Handel und der Hotellerie fließen werden. 15 Milliarden Euro Notfallhilfe sind für hart betroffene Branchen vorgesehen, vier Milliarden für die Etablierung der Kurzarbeit und neun Milliarden für die Kreditsicherung. Abfederung und ein Flachhalten der Kurve lautet die Devise. Koste es, was es wolle. Geplant ist, dass der Bund, die Bundesländer und die Wirtschaftskammer Österreich mehr denn je miteinander kooperieren. Wie sieht nun die Stimmung in der Regierungsarbeit aus?

„Die Politik ist dem Optimismus verpflichtet. Dies wirkt sich sehr positiv auf die parlamentarischen Entscheidungsprozesse intern aus. Es gibt einen unaufgeregten, sachlichen und kooperativen Grundtenor,“ sagt die Parlamentarierin Jeitler-Cincelli.