Erstellt am 22. Juli 2012, 19:57

Badens Alt-Bürgermeister Wallner gestorben. Badens Langzeit-Bürgermeister und Landtagsabgeordneter verstarb am Samstag im 90. Lebensjahr. Er hat die Stadt geprägt wie kaum ein anderer.

 |  NOEN
VON S. JEDLICKA UND S. SAGMEISTER

BADEN / Die Nachricht ging am Sonntag wie ein Lauffeuer durch die Kurstadt. Altbürgermeister HR Mag. Viktor Wallner ist tot. Badens langjähriges Stadtoberhaupt verstarb am Samstagabend um 22.14 Uhr im Kreise seiner Familie.
Wallners Gesundheitszustand war schon in den Wochen davor besorgniserregend gewesen. Nach einem Sturz und einem Darmvirus wurde er am 12. Juni ins Landesklinikum Baden eingeliefert, musste sogar in die Intensivstation verlegt werden. Die Ärzte hatten mit seinem schlechten gesundheitlichen Allgemeinzustand zu kämpfen.

Vorigen Donnerstag wurde er dann nach Hause gebracht, wo alles bereits vorbereitet war, um ihn medizinisch gut versorgen zu können. An seiner Seite: Maria Wallner, mit der er seit über 67 Jahren sein Leben teilte, und natürlich seine Kinder: „Unsere Familie hat in den letzten Wochen so zusammengehalten, alle waren da“, sagt Maria Wallner Sonntagabend im Gespräch mit der NÖN.

Sehr gefasst wirkt Maria Wallner, die wieder ihre Kinder und Enkelkinder am ersten Abend nach dem Tod ihres Gatten um sich hat. Sie sind ihre größte Stütze in den schweren Stunden des Abschieds. In Viktor Wallners Arbeitszimmer liegt auf dem Tisch noch alles so, wie er es im Juni verlassen hatte. Gearbeitet hat er bis zuletzt – sein Tisch ist voll mit Zetteln, Notizen, einer großen Lupe, der Kaiser-Friedrich-Medaille und zwei Rosenkränzen: „Ich habe nichts verändert“, sagt Maria Wallner. Ihr Ehemann bewies bis zum Schluss Disziplin und doch kam der Tod am Samstagabend überraschend. In Wallners zweitem Arbeitszimmer türmen sich Bücher, Akten und Aufzeichnungen. Das Land Niederösterreich, allen voran Landeshauptmann Erwin Pröll, möchte sein politisches Vermächtnis bewahren und eigens archivieren. Er war ein Humanist vom Scheitel bis zur Sohle, gebaut auf einem christlich-sozialen Fundament: „Für meinen Mann kam zuerst die Stadt, dann seine Familie, er ist oft um vier Uhr morgens aufgestanden und kam erst spät abends wieder nach Hause.“



„Zwei Leben: eines mit zwei Händen, eines mit einer“

Trotzdem hatten Maria und Viktor Wallner bis zuletzt eine intensive Beziehung geführt, sie tauschten sich immer aus, nahmen Anteil an ihren gegenseitigen Leben und waren füreinander da. Streiten hätten sie nie gelernt. „Ich habe zwei Leben geführt: eines mit zwei Händen, eines mit einer Hand“, sagt Maria Wallner. Aufgrund einer Kriegsverletzung hatte ihr Mann seinen rechten Arm verloren.
Tochter Marlene Streeruwitz trauert: „Natürlich können wir heute die Wirkung seiner Arbeit in Baden und in Niederösterreich erst richtig einschätzen und seine Rolle als Sozialreformer in der Erwachsenenbildung und als Neuerer in der Kulturpolitik bewerten. Umso trauriger, dass diese Wertschätzung nun nicht mehr an die Person selbst gerichtet werden kann.“

Der am 20. Dezember 1922 geborene Viktor Wallner war in den Jahren 1965 bis 1988 Bürgermeister von Baden und gehörte von 1974 bis 1983 dem niederösterreichischen Landtag an (  zur Biografie  ). Der ehemalige Direktor des Gymnasiums Biondekgasse war von 1968 bis 1990 Präsident des Österreichischen Heilbäder- und Kurorteverbandes. 1970 bis 1982 auch Vizepräsident des Österreichischen Städtebundes. Er war Mitbegründer des Badener Hilfswerkes und Träger zahlreicher Auszeichnungen, darunter: Ehrenbürger der Stadt Baden, Goldener Ehrenring der Stadt Baden, Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, Ehrenobmann der ÖVP Baden. Noch im hohen Alter lud Wallner regelmäßig zu Vorlesungen und Matinéen ins Theater am Steg. Und bis zuletzt war der Publikumsandrang dabei ungebrochen.

Wallner führte als Bürgermeister und Parteiobmann die ÖVP mit absoluter Mehrheit, baute diese auf 27 von 41 Mandaten, und damit sogar zu einer Zweidrittel-Mehrheit, aus.
Landeshauptmann Erwin Pröll würdigte ihn als „großen Badener und großen Niederösterreicher“ (siehe Seite 8). Bürgermeister und ÖVP-Obmann Kurt Staska zeigte sich tief betroffen: „Mit Viktor Wallner hat Baden einen seiner größten Söhne verloren. Keiner hat wie er die Stadt in der Nachkriegszeit geprägt. Vieles, worauf wir heute stolz sein können, ist in seiner Ära entstanden“, betont Staska: „Er war ein extrem eifriger Arbeiter, der täglich schon um 7 Uhr im Rathaus begonnen und bis in die Nacht hinein gearbeitet hat. Es zählt zu seinen Verdiensten, dass Baden die Kulturhauptstadt Niederösterreichs ist“.

„Klare Vorstellungen in Fünf-Jahres-Plänen“

Wallner sei „Vorreiter eines demokratischen Willensbildungsprozesses“ gewesen, so Staska: „Er hat immer klare Vorstellungen transparent in seinen Fünf-Jahres-Plänen dokumentiert.“ Und auch persönlich sei er Viktor Wallner sehr verbunden: „Als Geschichtsprofessor im Gymnasium lehrte er mich vor allem die Fähigkeit, Zusammenhänge zu formulieren und frei zu reden. Er hat mich auch 1980 in die Kurdirektion und damit in den Dienst der Stadtgemeinde geholt, was meinen Lebenslauf ganz wesentlich prägen sollte“.

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Reaktionen
Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll: „Er war ein großer Badener und ein großer Niederösterreicher, der sich um seine Stadt und um sein Land große Verdienste erworben hat. Viktor Wallner war nicht nur ein Wegbereiter für die Kurstadt Baden, sondern auch ein Wegbegleiter für das Bundesland Niederösterreich. Sein Leben war geprägt von seiner Liebe zur Heimat“, würdigt der Landeshauptmann den ehemaligen Abgeordneten zum NÖ Landtag. „Er war zu seiner Zeit ein Wegbereiter für eine offensive Kulturpolitik in Niederösterreich und hat durch seine wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen den Niederösterreichern historisches Wissen näher gebracht. Und er war ein bestechend brillanter Rhetoriker“, erinnert sich Pröll.

Gemeinderat Mag. Herbert Först (Grüne): „Altbürgermeister Hofrat Prof. Viktor Wallner lenkte die Entwicklung Badens in einer Zeit des Umbruchs: Er führte Baden aus ihrer schwierigen Nachkriegsära und stellte wesentliche Weichen für ihre Entwicklung zu einer über die Grenzen des Landes bedeutsamen Kurstadt. Prägend in dieser Phase der Erneuerung war die mutige Neugestaltung des Stadtzentrums und kultureller Einrichtungen. Baden etablierte sich in seiner Ära als Operettenmetropole und bekam die erste Fußgeherzone Österreichs. Mit ihr bewies Hofrat Wallner städtebaulichen Weitblick, Autorität und Durchsetzungskraft, Charakterzüge, mit denen er alle Gremien, in denen er vertreten war, entscheidend prägte.“

SPÖ-Vorsitzender Mag. Markus Riedmayer und SP-Ehrenvorsitzender DDr. Hans Hesele sehen Wallner als „Inbegriff eines guten Bürgermeisters“. Sie streuen ihm Rosen: „Sein Wort hatte Gewicht und sein Handschlag hatte Wert. Er wurde von seinen Bürgern geliebt und geachtet. Von den Gemeindebediensteten absolut respektiert und hoch geschätzt von seinen Weggefährten in der Politik, egal ob aus seiner eigenen Partei oder aus anderen Parteien, egal ob in der eigenen Stadt oder über deren Grenzen hinweg. Er war eine Institution, welche die Stadt nach außen äußerst wirksam repräsentierte“. Wallner habe durch Verhandlungsgeschick hohe Werte für Baden gesichert. „Was ihn aber besonders auszeichnete, war die Liebe zu seiner Heimatstadt, die durch sein langes und intensives Wirken heute noch seine Handschrift trägt“, sind Riedmayer und Hesele überzeugt: „Kein Bürgermeister der jüngeren Geschichte dieser Stadt hat soviel bewegt und gestaltet, wie er. Und keiner kannte die Geschichte und die Geschichten dieser Stadt so gut wie er. Seine literarisch-historischen Werke über unsere Stadt sind ein wertvolles Vermächtnis auch für nachkommende Generationen.“

FPÖ-Parteichefin Ing. Sonja Haberhauer: „Viktor Wallner war ein guter Bürgermeister und ein guter Lehrer. In seiner Amtszeit wurde das neue Krankenhaus in Baden gebaut. Ohne Kostenüberschreitung, was nur selten gelingt. Er hatte ein unglaubliches historisches Wissen über Baden und war ein hochgebildeter Mann.“

Stadtrat Jowi Trenner (Bürgerliste „wir badener“): „Hofrat Mag. Viktor Wallner ist uns allen als Direktor des Gymnasiums Biondekgasse und Langzeitbürgermeister unserer Stadt unvergesslich. Er führte ein strenges Regiment, aber nicht ohne Rücksicht und Einbindung Andersdenkender. Er ist ein großer Badener und mit Recht Träger des Goldenen Ehrenringes der Stadt Baden und damit der höchsten Auszeichnung seiner Heimatgemeinde.“