Tattendorf: Züge als tödliche Gefahr. Drei Eisenbahnkreuzungen im Ort sind eine Gefahrenquelle. Eine wird entschärft.

Von Thomas Lenger und Judith Jandrinitsch. Erstellt am 08. Juli 2020 (05:28)
Der schreckliche Unfall vom 29. Juni ereignete sich auf einem ungesicherten Bahnübergang der Aspangbahn.
Thomas Lenger

Am 29. Juni wurde ein Pkw von einer Garnitur der Aspangbahn erfasst und mitgeschleift. Der Lenker, ein 73-jähriger Mann aus Teesdorf, wurde dabei im Fahrzeug eingeklemmt und musste von den alarmierten Feuerwehren aus Tattendorf und Oberwaltersdorf mit der Bergeschere aus dem völlig zerstörten Auto herausgeschnitten werden.

Die Notärztin konnte nur mehr den Tod des Mannes feststellen. Im vergangenen Jahr ereignete sich am 14. Oktober bei dem selben Bahnübergang ein tödlicher Unfall. Damals wurde ein Radfahrer vom Zug erfasst und getötet.

Bürgermeister Alfred Reinisch (UHL) machte sich bei dem letzten Unfall selbst ein Bild vor Ort und zeigte sich schockiert. „Es ist sehr tragisch und ich bin zu tiefst betroffen“, erklärte der Bürgermeister.

Im Gespräch mit der NÖN zur Sicherheitslage beim Überqueren dieses Bahnübergangs meint er: „Ich bin seit 45 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Es ist jetzt Jahrzehnte nichts passiert und jetzt ereigneten sich innerhalb weniger Monate gleich zwei tödliche Unfälle. Bisher war es kein Thema, hier besondere Maßnahmen zu setzten. Wir haben aber jetzt sofort damit begonnen, die umliegenden Sträucher zurückzuschneiden, um die Sicht zu verbessern“, schildert Reinisch.

Zu verhindern wäre der Unfall wohl nicht gewesen. Augenzeugen hätten berichtet, dass der Lenker vermutlich am Bahnübergang gehalten und mit seinem Fernglas Wild beobachtete.

Pottendorfer Straße: Lichtsignal kommt

Positives kann der Ortschef von einem anderen Bahnübergang berichten, und zwar jener in der Pottendorfer Straße.

„Hier ist ein eisenbahnrechtlicher Bescheid ausgelaufen. Deshalb ist es uns gelungen, dass die Schrankenanlage vierteilig wird, auf beiden Seiten kommt ein Fußgängerübergang. Und es wird auch eine Lichtsignalanlage installiert werden.“

Bisher waren Verkehrsteilnehmer lediglich von einem Glockengeläut über das Herannahen eines Zuges informiert worden. „Der Schranken ist immer plötzlich und unvermutet runtergegangen, das Geläute hört niemand, der in einem Auto oder Traktor sitzt“, weiß Reinisch.

Zur Errichtung von Sicherheitsvorkehrungen erklärt ÖBB-Sprecher Christopher Seif: „Die Sicherungsart an einer Eisenbahnkreuzung (EK) wird durch die zuständige Eisenbahnbehörde – bei einer Verhandlung vor Ort individuell – festgelegt. Das heißt, verantwortlich für die Art der Sicherung ist nicht die ÖBB, sondern die Eisenbahnbehörde. Sie ist in der Regel beim Land und dem zuständigen Landeshauptmann angesiedelt. Beteiligte Partner sind der Straßenverwalter (Gemeinde, Land oder Bund), ÖBB und die Eisenbahnbehörde.“

Reinisch weiß aber auch: „Wenn es sich um eine Gemeindestraße handelt, dann kommen auf die Gemeinde meist immense Kosten zu, wenn eine Beschrankung gefordert wird.“

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