Bank-Fusion als Krimi

Erstellt am 02. September 2013 | 00:00
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Foto: NOEN
Volksbank / Bereits sicher geglaubter Zusammenschluss mit Wien vorerst geplatzt.
Mitglieder sprengten Pläne des Vorstandes in Hauptversammlung. Neuer Anlauf.
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Von Sonja Pohl & Stefan Jedlicka

Es war ein schwarzer Montag für Badens Volksbank-Direktor Erich Fuker. Seit April hatte er die Fusion mit der Volksbank Wien genauestens vorbereitet. Bei der abschließenden Genehmigung des Zusammenschlusses der Badener Genossenschaftsbank mit der Wiener Aktiengesellschaft durch die Mitglieder in einer außerordentlichen Hauptversammlung kam es zum Knalleffekt.

Baden soll Hauptstandort im Süden bleiben

Auch Josef Stockinger von der Finanzmarktaufsicht, Heribert Donnerbauer, Präsident des Volksbanken-Verbandes ÖGV, die beiden Vorstände der Volksbank Wien, Wolfgang Layr und Josef Preissl sowie Fukers Vorgänger Walter Tschürtz und Gerhard Wenzel waren gekommen, um den finalen Akt der Fusion zu erleben. Direktor Fuker sprach von den Vorteilen, den Synergien in der Verwaltung und dem Bankenregulativ Basel III, das für ein Institut in der Größenordnung der Volksbank Baden alleine nur schwer zu stemmen sei. „Die Fusion bringt für beide eine Verbesserung der Ertragslage“, so Fuker. Baden soll Hauptstandort im Süden bleiben. Auch am bestehenden Filialnetz will die Volksbank nicht rütteln: „Die Bereinigungen fanden bereits statt. Während andere Banken Filialen schließen, schaffen wir neue Strukturen und wollen die beste Regionalbank im Großraum Wiens werden.“

„Wirtschaftliche Umstände veranlassten Vorstände zur Fusion“

Doch Gerhard Wenzel, einst Direktor in Baden, danach Chef des Volksbanken-Spitzeninstitutes ÖVAG, ergriff das Wort: „Ich bin skeptisch. Die Volksbank Wien unterliegt als AG dem Druck der Dividende. Sie schütten jährlich zwei Millionen Euro aus – die Volksbank Baden an Genossenschaftsmitglieder gerade 20.000. Auch frage ich mich, welche Synergien möglich sind? Größere Strukturen erweisen sich am Bankensektor als problematisch.“ Aufsichtsratsvorsitzender August Breininger versuchte, gegenzusteuern. Der Aufsichtrat habe „noch nie so viel gearbeitet, wie in den letzten Wochen. Zu Hause habe ich Berge von Akten“. Sein Fazit: „Die wirtschaftlichen Umstände veranlassten beide Vorstände zur Fusion. In dieser Kombination sind wir stark genug für den europäischen Markt.“

Er räumte ein, dass auch eine Fusion mit dem Nachbarn, der Volksbank NÖ Süd, gefallen hätte. „Mit einer Bilanzsumme von 950 Millionen Euro in Baden und 400 seitens NÖ Süd hätte uns diese aber nicht weitergebracht.“ Stolz ist man indes auf die Verhandlungen mit Wien. „Baden hält an der künftigen Volksbank Wien-Baden 26,9 Prozent“, betonte Direktor Fuker. Doch Wenzel konterte: „Wir haben ja schon acht Prozent an der Volksbank Wien AG, die außerdem nur über vier Prozent Marktanteil verfügt. Baden hat über 16 Prozent. Das vorgelegte Gutachten zeigt mir keinerlei Nachhaltigkeit.“

Antrag wurde somit abgelehnt

Fuker versuchte zu beruhigen: „Natürlich ist nicht alles Eitel, Wonne, Waschtrog bei einer Fusion. Du bist nicht mehr aktiv im Unternehmen tätig und hast vielleicht nicht alle Einblicke.“ Wenzel beantragt schließlich, die Genehmigung in geheimer Wahl durchzuführen.

Während der Stimmenauszählung entbrannte eine weitere Diskussion um die Zusammensetzung des Genossenschaftsrates. Ex-Direktor Walter Tschürtz übte Kritik an der Zahl der Aufsichtsräte: „Das ist ein Selbstbedienungsladen“. Dann der Paukenschlag: nur 63 Prozent Ja-Stimmen. Zu wenig. 75 Prozent wären erforderlich gewesen – der Antrag ist somit abgelehnt.

Volksbanken-Verbandspräsident Donnerbauer sieht „eine Chance vertan.“ Bankenfusionen seien notwendig. „Es wird nun wichtig sein, dass die Arbeit der vergangenen Monate nicht verloren geht“. Genau das hofft auch Direktor Fuker. Noch vor 30. September soll es eine neue Abstimmung geben. Danach wären die bereits eingeholten Gutachten zur Bilanz 2012 wertlos.

 

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