Cannabisöl erzeugt: Milde Strafe für Rollstuhlfahrer. 30-jähriger Rollstuhlfahrer musste sich wegen Anbaus von Cannabis verantworten. Nun erhält er die Droge auf legalem Weg.

Von Brigitte Steinbock. Erstellt am 27. März 2018 (05:19)
APA (Symbolbild/dpa)
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„In Deutschland wäre das legal, aber bei uns in Österreich findet man sich vor einem Strafgericht wieder“, eröffnete Verteidiger Martin Feigl sein Plädoyer. Er vertrat einen 30-jährigen Rollstuhlfahrer, der wegen der Erzeugung von etwa 1.200 Gramm Cannabiskraut vor Gericht stand.

„Als ich auf Reha war, bekam ich den Tipp, dass Cannabis gegen meine Spastiken helfen könnte."

Allerdings hatte bei ihm der Einsatz der Droge medizinische Gründe. Der junge Mann erzählte dem Richter, dass er 2013 einen schweren Arbeitsunfall hatte, der ihn an den Rollstuhl fesselt. „Als ich auf Reha war, bekam ich den Tipp, dass Cannabis gegen meine Spastiken helfen könnte. Ich konnte damals nicht einmal mehr sitzen.“ Ab dem Moment, als er Cannabis zu sich nahm, sei es in der Reha bergauf gegangen. Anfangs habe er sich im Stadtpark eingedeckt, „aber die Qualität war schlecht und es war mir auch zu teuer“.

Dann habe er mit dem Selbstanbau zu experimentieren begonnen und bei der fünften Ernte habe ihn die Polizei erwischt. „Ich habe aus den Blüten Öl gemacht und diese, immer wenn es mir schlecht ging, tropfenweise eingenommen.“

Cannabisöl als Medikament gegen Spastiken

Mittlerweile wird ihm ein Cannabis-Medikament vom Arzt verschrieben. „Das zahlt die Krankenkasse, zusätzlich kaufe ich mir noch cannabishaltige Tropfen, die man seit Kurzem auch in Österreich legal bekommt. Damit passt es jetzt für mich.“ Angesichts des nunmehr legal verschriebenen Medikaments und des aufrichtigen und umfassenden Geständnisses gab es ein ungewöhnliches Ende des Prozesses. Der 30-Jährige kam mit 90 Tagsätzen à 10 Euro Bußgeld davon und bleibt damit unbescholten. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.