Online-Petition gegen Abschiebung. Eine Armenische Familie ist voll integriert, muss aber das Land verlassen.

Von Elfi Holzinger. Erstellt am 19. Juni 2018 (05:12)
NOEN, Holzinger.Presse
Raphel Krampert, Talha Sajjad und Lea Wöhrer machen sich mit zahlreichen weiteren Freunden gegen die Abschiebung von Narek Grigoryan (2. von rechts) stark.

 Ich würde ja nur gerne wenigstens meine Ausbildung fertigmachen dürfen“, sagt der 19-jährige Armenier Narek Grigoryan traurig. Er soll laut einem negativen Asylbescheid mitsamt seiner Familie das Land verlassen.

Seit nunmehr fünf Jahren lebt er mit seinen Eltern und dem Bruder in Österreich, in der ständigen Hoffnung, bleiben zu dürfen. Narek besuchte die polytechnische Schule in Pottenstein und hinterließ dort bei Direktor Wolfgang Zeiler einen äußerst guten Eindruck: „Ein sehr talentierter und blitzgescheiter junger Mann, der voll integriert ist. Es wäre wirklich schade, wenn er uns verlassen muss“ so Zeiler.

Nach dem Poly begann Narek mit sehr großen Erfolg eine Lehre mit Matura zum Werkzeugbautechniker. Zudem macht er eine Ausbildung beim Roten Kreuz als Rettungssanitäter.

Asylantrag wurde abgelehnt

Trotz bester Integration und Anpassung wurde der Asylantrag der Familie Grigoryan abgelehnt und zog der Familie buchstäblich den Boden unter den Füßen weg. „Die Begründung lautet, dass wir in Armenien nicht politisch verfolgt werden würden und uns keine Gefahr drohe. Das mag zwar stimmen, trotzdem gehen wir wieder einer komplett ungewissen Zukunft entgegen, ohne Arbeit, ohne Wohnmöglichkeit und ohne Perspektiven. Wir lagen Österreich mit keinem Euro auf der Tasche und brachten uns selbst durch. Mein Vater arbeitete in Graz Tag und Nacht als selbstständiger Hausbesorger und zahlte immer Steuern. Ich bezog meine Lehrlingsentschädigung und wohnen durften wir bei einer Cousine, so Narek.

Nun setzen sich zahlreiche Bekannte und Freunde für ein Bleiberecht Nareks ein. „Wir starteten eine Online-Petition, in der wir alle Behörden bitten, ein Auge zuzudrücken, sodass er doch noch bleiben darf“, so Raphael Krampert, einer seiner besten Freunde.

„Wir starteten eine Online-Petition, in der wir alle Behörden bitten, ein Auge zuzudrücken, sodass er doch noch bleiben darf

„Es treiben sich bei uns so viele straffällig Gewordene und amtsbekannte Illegale herum, die trotzdem nicht abgeschoben werden. Und Leute die sich anpassen und fleißig arbeiten, müssen gehen. Das verstehe ich nicht“, sagt die Berndorfer SP-Jugendgemeinderätin Nicole Holzinger.

Familie Grigoryan wartet nicht ab, bis sie zur Ausreise gezwungen wird. Sie kehrt freiwillig nach Armenien zurück – in der Hoffnung, dass sie eines Tages wieder nach Österreich kommen darf. Bis Redaktionsende war keine zuständige Behörde erreichbar. Die Familie wird Österreich am 29. Juni verlassen, hofft aber noch bis zum letzten Augenblick auf ein Wunder.

http://openpetition.eu/!narek