AMS-Halbjahresbilanz: 29 Prozent mehr Arbeitslose

Nach kurzer Entspannung im Sommer könnten die Arbeitslosenzahlen im Herbst wieder steigen.

Philipp Grabner
Philipp Grabner Erstellt am 26. August 2020 | 05:45
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Arbeitslosigkeit Symbolbild Arbeitslos AMS
Foto: HNK/shutterstock.com

Die Coronakrise und der damit verbundene Lockdown haben Österreichs Wirtschaft schwer getroffen. Das macht sich nicht zuletzt auch bei den aktuellen Arbeitsmarkt-Zahlen für Niederösterreich bemerkbar: Demnach stieg die Anzahl jener Menschen im Industrieviertel, die auf Jobsuche waren, im ersten Halbjahr im Vergleich zu 2019 um mehr als 28 Prozent an. Waren im ersten Halbjahr 2019 etwa 21.660 Menschen auf Jobsuche, liegt die Zahl nach Ende der ersten Jahreshälfte 2020 bei etwa 27.750.

Im Bezirk Baden verzeichnete das AMS im ersten Halbjahr durchschnittlich um 28,9 Prozent mehr Arbeitslose als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote betrug 11,5 Prozent, was einem Plus von 2,5 Prozent entspricht. Am stärksten betroffen war die Altersgruppe der 25 bis 44 Jährigen, wo es um 34,7 Prozent mehr Arbeitssuchende als im Vorjahr gab.

Der saisonale Trend der Winterarbeitslosigkeit mündete heuer in die Coronakrise. Diese zeigte ab März Auswirkungen am Arbeitsmarkt. Die höchsten Anstiege der Arbeitslosigkeit verzeichnete das AMS im April und Mai. „Wir sind froh, auf den hohen Anteil von Betrieben, die Kurzarbeit in Anspruch genommen haben und Beschäftigte halten konnten“, erklärt Badens AMS-Chefin Claudia Schweiger.

Arbeitslosigkeit Süden
Quelle: AMS; NÖN-Grafik: Gastegger Illustration: Golden Sikorka /Shutterstock.com

Die unsichere Wirtschaftslage führte auch dazu, dass beim AMS im ersten Halbjahr 2020 um ein Viertel weniger offene Stellen eingemeldet wurden als im Vorjahr. „Das ist dramatisch, es hätte aber auch noch schlimmer kommen können. Mittlerweile zeigt sich, dass die Schockstarre überwunden ist und wieder mehr offene Stellen eingemeldet werden“, berichtet Schweiger. Die Bereiche Dienstleistung, Handel, und Gesundheit & Pflege führen bei den Einmeldungen, grundsätzlich verteilen sich offene Stellen aber auf viele Branchen.

Die Entwicklungen am Arbeitsmarkt variieren von Bezirk zu Bezirk. Auch innerhalb von Branchen gibt es große Unterschiede. Im Handel würden etwa die Fahrrad- und Sportgerätehändler in der Krise ein Plus verzeichnen. In der Textilbranche gebe es krisenbedingt weniger Nachfrage, was sich auch auf die Arbeitslosenzahlen auswirke, erklärt Schweiger. Kleinere Dienstleistungsbetriebe wie Frisöre, die für mehrere Wochen komplett schließen mussten, seien für Kündigungen anfälliger, da Kurzarbeit eine Mindestbeschäftigung voraussetze, erläutert die AMS-Chefin.

Im Herbst wird mit mehr Arbeitslosen gerechnet

Seit Juni sinken die Arbeitslosenzahlen kontinuierlich. Doch im Hinblick auf die steigenden Infektionszahlen ist fraglich, wie lange das so bleibt. Im Herbst werden die Arbeitslosenzahlen voraussichtlich wieder steigen. „Abhängig davon, wie Unternehmen aus dem ersten Halbjahr Kurzarbeit kommen und ob sie es schaffen, ein zweites Halbjahr durchzutauchen“, erklärt Schweiger.

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