Arbeitssuche mit 50+: Der schwere Weg in den Joballtag. Vertreter von AMS, Land und Gemeinden berichteten über Start der Aktion 20.000 in Baden.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 22. August 2017 (05:00)
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Landesrat Karl Wilfing, Reinhard Anger, Landesgeschäftsführer Karl Fakler, Friedrich Spörk, Geschäftsstellenleiterin Claudia Schweiger, Bgm. Stefan Sziruczek, Marion Walda und Bgm. Wolfgang Kocevar.
Grabner

Reinhard Anger ist 57 Jahre alt. Früher war er als Chauffeur beschäftigt, einem schweren Motorradunfall vor zehn Jahren folgten Operationen, Reha-Aufenthalte und langwierige Therapien. Seit 2014 war der gelernte Einzelhandelskaufmann auf Job-Suche. Eine Suche, die er nun beenden konnte.

Dass Anger den Schritt in die Arbeitswelt zurückschaffte, ermöglichte die sogenannte „Aktion 20.000“, eine Arbeitsmarktinitiative, die Langzeitarbeitslosen über 50 Jahren unter die Arme greifen soll. Eine erste Bilanz zogen Vertreter von Arbeitsmarktservice (AMS), beteiligten Gemeinden und Land Niederösterreich bei einer Pressekonferenz am Donnerstag der Vorwoche.

"Froh über die neue Chance"

Er sei „froh über die neue Chance“, und halte das Projekt für „ganz toll“, erklärt Reinhard Anger vor Journalisten. Seit einigen Wochen ist der 57-Jährige als Gemeindearbeiter bei der Stadtgemeinde Ebreichsdorf beschäftigt, kümmert sich dort um die Bewässerung von Gemeindeflächen ebenso wie um die Schneeräumung im Winter. Er sei dankbar für die Chance und freue sich, in einer „großen Familie“, wie er meinte, arbeiten zu dürfen. „Da gibt es keine Gehässigkeiten“, sprach Anger das gute Arbeitsklima an – um mit einem Augenzwinkern hinzuzufügen: „Und die Arbeit macht sogar Spaß!“

Ins selbe Horn wie Anger stoßen zwei weitere Betroffene, die durch die Aktion 20.000 wieder einen Job gefunden haben. Beide betonten, sehr froh zu sein, wieder einer geregelten Tätigkeit nachgehen zu können.

22 Gemeinden beteiligt

Insgesamt haben sich bereits 22 Gemeinden an der Aktion beteiligt, die es sich konkret zum Ziel gesetzt hat, die Arbeitslosigkeit in der Gruppe der über 50-Jährigen zu halbieren. Dass der Bezirk Baden bei der Aktion als Pilotregion ausgewählt wurde, ist kein Zufall: Der Anteil der beim AMS vorgemerkten Personen in der Zielgruppe ist mit 12,5 Prozent am höchsten.

Der Ebreichsdorfer Bürgermeister Wolfgang Kocevar (SPÖ) sieht in der Aktion einen doppelten Gewinn: „Die finanzielle Situation vieler Gemeinden ist extrem begrenzt und angespannt. Daher hilft die Aktion doppelt: Ältere Arbeitslose erhalten einen zumindest befristeten Arbeitsplatz und Kommunen können wichtige Aufgaben realisieren, die ohne zusätzliches Geld nicht möglich wären.“

In Ebreichsdorf habe man nun neun neue Mitarbeiter in den Bereichen Kinderbetreuung, Veranstaltungsassistenz, Büro, Garten und Reinigung über die Aktion beschäftigt, ergänzt Kocevar. Ähnlich formuliert es auch der Badener Stadtchef: „Durch die Aktion können auch wir als Gemeinden einen aktiven Beitrag leisten, den Betroffenen wieder das Gefühl zu geben, am Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft gebraucht zu werden“, meint Stefan Sziruczek (ÖVP).

Guter Dinge ist auch Karl Fakler, Landesgeschäftsführer des Arbeitsmarktservice Niederösterreich. Dank des guten Drahtes zu Land, Gemeinden und gemeinnützigen Einrichtungen konnte die Aktion gut starten: „Wir rechnen mit rund 100 Beschäftigungsverhältnissen, freuen uns aber wenn es noch mehr werden“, so Fakler.

Dass der geförderte Arbeitsplatz auf zwei Jahre befristet ist, stellt für ÖVP-Landesrat Karl Wilfing kein Problem dar: „Ich gehe bei dieser Aktion davon aus, dass viele Gemeinden hier Personen einsetzen werden, die sie auch weiterhin einsetzen wollen!“