Beim Wirt wieder unter die Leut‘ kommen. Gastronomen im Bezirk Baden hoffen auf Stammgäste. Bezirswirtesprecher Gerhard Maschler will vor allem auch die Jugend ansprechen.

Von David Steiner. Erstellt am 20. Mai 2020 (05:42)
An diesen Anblick werden sich die Gäste gewöhnen: Gustav und Gabriele Martinek arbeiten mit Gesichtsschutzschildern.Weitere Fotos von geöffneten Wirtshäusern in der Region finden Sie auf den Seiten 26/27.
David Steiner

Service-Personal gehüllt in Masken sowie Abstände zwischen den Tischen prägen das Bild im Wirtshaus.

Für Gabriele und Gustav Martinek vom Traditionsgasthaus in Baden gehören Mund-Nasen-Schutzmasken und Hygienemaßnahmen längst zum Alltag, erprobt in der Phase des Lieferservices, die kurz vor der Wiedereröffnung zu Ende gegangen ist.

Der Mindestabstand von einem Meter zwischen den Tischen bereitet Gustav Martinek keine großen Umstände. „Wir haben immer schon Zwischenräume gelassen, damit die Gäste nicht zu gedrängt bei einander sitzen. Für das Service ist es auch einfacher“, berichtet der Wirt. Sie hätten nur zwei Tische weniger zur Verfügung, im Gastgarten bleibe alles wie gehabt. Wie empfohlen, müssen Gäste nun Tische zu vorgegebenen Besuchszeiten reservieren. Dadurch sei gewährleistet, dass nur vier Personen an einem Tisch sitzen.

Was Martinek sehr freut: Das altbewährte Gala-Dinner war am Samstag nach der Öffnung gleich ausgebucht. In nächster Zeit hofft der Wirt, dass das schöne Wetter den Gastgarten füllt. Voll am Freitag war der Heurigenbetrieb von Thomas Steiner aus Pfaffstätten. Er ist positiv gestimmt: „Man hat gespürt, dass die Menschen den Wunsch hatten, wieder fortzugehen und sich mit Freunden zu treffen. Viele haben gesagt, ‚endlich sperrt ihr wieder auf, endlich können wir wieder wo hingehen‘.“

Das einzig Verwirrende sei die Maskenpflicht gewesen. „Die Besucher waren verunsichert, ob sie sich jetzt den Mund-Nasenschutz beim Betreten des Lokals aufsetzen sollen oder erst im Lokal“, erzählt Steiner. Ob Visier oder Maske, das war auch die Frage für das Personal. „Ich habe einen Tag mit Mund-Nasenschutz getestet und einen Tag mit Visier. Für mich ist das Visier die bessere Variante, meine Kellnerinnen können aber frei entscheiden, was sie gerne tragen wollen.“ Um die Abstandsbestimmungen besser einhalten zu können, hat Steiner in seinem Hof einen Bereich von etwa 100 m² überdacht. „Die Gäste können so den Abstand leichter einhalten, und das ist auch sehr gut angekommen“, freut sich Steiner. Er bleibt optimistisch, auch wenn Kollege Martinek auf die schwierige wirtschaftliche Situation der Wirte hinweist: „Die letzten zwei Monate brachten enorme Umsatzeinbußen. Was schlichtweg ausgeblieben ist, ist der Getränkeumsatz.“

Warten auf Hilfe aus dem Wirtepaket

Angekündigte Hilfen aus dem sogenannten Wirte-Paket sieht Martinek skeptisch. Sehr sinnvoll findet er, dass von der Stadt Baden Gutscheine für lokale Betriebe ausgegeben werden.

Nur zehn Fahrminuten entfernt, öffnete auch Bezirkswirte sprecher Gerhard Maschler sein Gasthaus in Wienersdorf wieder. Seinen Gastgarten hat er neu gestaltet, Vierergruppen sitzen bequem aufgeteilt zwischen Sonnenschirmen und Bananenstauden. Trotzdem ist etwa die Hälfte der Sitzplätze weggefallen.

Der große Ansturm auf die Gastronomie im Bezirk sei am ersten Wochenende ausgeblieben. „Die Erwartungen waren groß, aber Wirtshäuser sind keine Baumärkte“, erklärt Maschler. Nach zahlreichen Gesprächen mit Gastronomen weiß er, wie prekär die finanzielle Situation in vielen Betrieben ist. „Wer nicht gespart hat, wird sich sehr schwer tun in den nächsten Monaten.“ Für die Hilfsmaßnahmen findet er ähnliche Worte wie Martinek: „Der Wille ist da, schauen wir was passiert. Alle warten noch auf die angekündigte Hilfe.“

„Den Wirten ist zu wünschen, dass Gäste der bodenständigen Gastronomie treu bleiben und sie schätzen lernen“, betont Maschler. Wer sein geplantes Urlaubsziel wegen des eingeschränkten Reiseverkehrs nicht erreichen kann, den lädt er zum Urlaub im Wirtshaus ein, ganz besonders die Jugend. Probiert’s einfach aus, ob es euch im Gasthaus gefällt!“

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