Digital statt Papier: Sparbuch droht das Aus. Die Hypo NOE wird künftig keine neuen Sparbücher mehr ausstellen. Andere Banken zögern noch.

Von Anita Kiefer und David Steiner. Erstellt am 04. Februar 2020 (03:34)
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Franz Gleiß

Die Niederösterreicher sind traditionelle Sparer, das ist bekannt. Und die traditionellste unter den Sparformen ist das Sparbuch. Den Banken aber ist das Sparbuch schon länger ein Dorn im Auge. Es braucht eigene Drucker, der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Und: Sie verdienen schlicht kaum daran. Der Schritt, keine Sparbücher mehr auszugeben, sondern den Kunden Sparkonten nahezulegen, war also eine Frage der Zeit.

Jetzt ist es soweit: Bei der
Hypo NOE wird es künftig definitiv keine neuen Sparbücher mehr geben. Das Kundenverhalten habe sich permanent und rasch geändert, begründet Hypo-Vertriebschef Matthias Förster gegenüber der NÖN diesen Schritt. Bereits existierende Sparbücher würden aber weiterhin verfügbar sein. „Neuabschlüsse werden in Form eines digitalen Sparbuchs – dem Sparkonto – abgebildet.“ Das bringe Vorteile für die Kunden: Die Behebung bei allen Bankomaten in ganz Österreich, Wege zum Schalter fallen weg, und das digitale Sparbuch kann nicht verloren gehen, zählt Förster auf.

Bei den anderen Banken ist man zurückhaltender, wie ein Rundruf zeigt. Volksbank, Erste Bank Österreich und Oberbank bieten weiter Sparbücher an.

Trotz Digitalisierung ist das Sparbuch aber durchaus noch im Rennen: Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien etwa wurden 2019 exakt 178.456 Sparbücher in Niederösterreich ausgegeben. Raiffeisen werde auch in Zukunft Sparbücher ausstellen, heißt es, allerdings würden sich „Kundenbedürfnisse ändern“. Alle Banken betonen unisono, dass Online-Sparformen große Zuwachsraten verzeichnen.

Das Sparen hat hohen Stellenwert für Senioren

Bei Seniorenvertretern im Bezirk Baden gehen die Meinungen zum Sparbuch auseinander, ganz abschreiben will man es noch nicht. „In meinem Umfeld wird immer noch auf das Sparbuch gelegt, das ist auch die ältere Generation so gewohnt“, sagt Stadträtin Maria Wieser, SPÖ, Obfrau des Pensionistenverbandes Baden. Sie selbst habe noch Sparbücher und werde auch ihren Bausparvertrag nach Ablauffrist verlängern. „Mir wurde das Sparen von meiner Familie vorgelebt. Sinnvolle Traditionen werden fast nie gebrochen, betont Wieser. Auch Leopold Habres, ÖVP, Obmann des Seniorenbundes in Baden hat noch Sparbücher.

Wegen der niedrigen Zinsen und der Inflation sieht er jedoch mehr Nutzen in anderen Anlageformen. Viele Banken würden Optionen mit Einlagensicherheit anbieten. Auf der Bank sei das Geld sicherer aufgehoben als zu Hause. Viele Senioren würden auch direkt ihre Kinder und Familien unterstützen, betont er. Beide sind sich einig, dass Sparen für Senioren einen hohen Stellenwert hat. Leitendes Motiv ist die Vorsorge für Arzt- und Pflegekosten.

„Ich höre sehr oft die Sorge: ‚Was passiert, wenn ich pflegebedürftig werde?‘ Ältere Menschen haben Angst, ihren Kindern zur Last zu fallen und sparen deswegen Reserven an“, erklärt Habres. „Für Senioren ist das Sparen sehr wichtig, da sie im Krankheitsfall einen Polster brauchen“, bestätigt Wieser.

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