Eine Horror-Ernte droht: Trockenheit als Problem. April war zu warm und zu trocken. Landwirte-Vertreter Johann Krammel beklagt erhebliche Einbußen bei Wintergetreide und Grünland. Appell an Konsumenten.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 09. Mai 2018 (05:26)
Andreas Fussi
Die Sommergerste bei diesem Feld bei Siegenfeld konnte erst spät angebaut werden und sollte schon flächendeckend grün sein. „Ich weiß nicht, was ich hier noch anbauen soll“, so Krammel. Zuvor hatte er bereits mit Rüben keinen Erfolg.

Bezirksbauernkammer-Obmann Johann Krammel schlägt Alarm. Der zu warme und vor allem zu trockene April lässt erhebliche Ernteeinbußen in der Landwirtschaft im Bezirk erwarten. Der Regen durch die Gewitter Anfang Mai kann nicht mehr alles ausgleichen. Das Ertragspotenzial bei Wintergetreide kann nicht mehr ausgeschöpft werden, hier werden Einbußen von 20 Prozent, bei Winterraps sogar bis zu 40 Prozent erwartet.

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Johann Krammel und Johann Sperber auf einer Wiese, die zwar sehr grün ausschaut, aber im Wuchs weit zurückliegt. Die beiden zeigen, wie hoch die Wiese eigentlich Anfang Mai sein sollte.

Besonders schlimm sei die Situation beim Grünland. Der starke Wind im April habe die Böden zusätzlich ausgetrocknet. Die Wiesen sind bei Weitem nicht so üppig, wie sie sein sollten. Der erste Schnitt, der demnächst fällig ist, mache in der Regel 60 Prozent des Gesamtertrags aus.

Die Lage schaut jedoch schlecht aus, wie ein Lokalaugenschein auf einem Feld von Krammel bei Siegenfeld beweist. Die Wiese blüht, ist aber viel zu niedrig. Der Bauernvertreter ist verzweifelt: „Es ist ein Trauerspiel, was sich abspielt.“ In zwei Wochen sollte er mähen. Bis zu 4.000 Kilo Ertrag pro Hektar sind normalerweise zu erwarten, heuer werden es hier keine 1.000 Kilo sein. „Man arbeitet ein ganzes Jahr darauf hin und freut sich auf die Ernte, und dann ist die Enttäuschung groß.“ Vieles hänge vom Ertrag ab. Reitställe gehören etwa zu den Kunden, Krammel weiß nicht, wie er sie heuer beliefern soll, da bereits die schwache vorjährige Heuernte die Nachfrage nicht decken konnte.

Wetter-Kapriolen machen zu schaffen

Laut Bezirksbauernkammer-Sekretär Johann Sperber stellen die Wetter-Kapriolen die Landwirtschaft generell vor immer größere Herausforderungen. Ist heuer die frühe Trockenheit ein großes Problem, war es im Vorjahr der Spätfrost. Auch die Ausbreitung von Schädlingen wie dem Rüsselkäfer nehme dadurch zu.

Krammel betont – mit Verweis auf die aktuelle Diskussion über das EU-Budget – dass die Ausgleichszahlungen für die Landwirtschaft gerade in schwierigen Jahren unverzichtbar sind. Er appelliere auch an die Bevölkerung, verstärkt heimische regionale und saisonale Produkte zu kaufen. „So können die Konsumenten die Landwirtschaft am besten unterstützen.“

Noch sei aber nicht alles verloren. Einige Kulturen wie Sonnenblumen und Mais seien erst ausgesät worden. Wie hier die Entwicklung aussieht, werde sich weisen. Krammel: „Für Mais und Sojabohnen kann es noch ein gutes Jahr werden - es bedarf halt Niederschlags.“