Ethikunterricht: „Sehr gute Erfahrungen gemacht“. Soll dieser verpflichtend eingeführt werden oder nicht? Ein Für & Wider.

Von Sonja Pohl und Andreas Fussi. Erstellt am 29. Januar 2019 (05:17)
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Ethikunterricht in den Schulen, darüber wird in Österreich schon lange diskutiert. Badens Bildungsverantwortliche und auch VP-Bürgermeister Stefan Szirucsek, der gleichzeitig Obmann des niederösterreichischen Landesverbands der Elternvereine ist, sprechen sich für die Einführung des Ethikunterrichts aus, beziehungsweise wurde dieser bereits erfolgreich an Badens Gymnasien etabliert.

Szirucsek: „Ethikunterricht ist sinnvoll, weil moralisches Handeln im Zentrum steht und Grundlagen für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft gelegt werden.“ Keine Konkurrenz für den Religionsunterricht sieht darin auch der evangelische Pfarrer und Religionslehrer am BG & BRG Biondekgasse Dietmar Weikl-Eschner, der sich auch gut vorstellen kann diesen für alle Schülerinnen und Schüler, die sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben, verpflichtend einzuführen.

Ja zum Ethikunterricht sagt aber auch Barbara Kogler als Leiterin der Polytechnischen Schule Baden: „Ich bin generell für die Etablierung eines Ethikunterrichts, denn mit dem Religionsunterricht werden Schüler getrennt, und zwar räumlich und ideell. An der Polytechnischen Schule Baden gebe es derzeit keinen römisch-katholischen Religionsunterricht, auch keinen evangelischen. Sie kamen laut Kogler bedingt durch die hohe Anzahl an Abmeldungen nicht zustande.

Hochschul-Rektor: „Ethik – Ja! Aber wie?“

Seit bald zehn Jahren wird am BG/BRG Frauengasse das Fach „Ethik“ für all jene Schüler der Oberstufe geführt, die an keinem konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen. Grundsätzliches Ziel ist es, einen Beitrag zur Werteorientierung zu leisten und eigene, begründete Meinung zu verschiedenen ethischen Themen zu fassen. Inhaltlich geht es dabei in viele Richtungen– Medizinethik, Bioethik, Wirtschaftsethik oder Technikethik, ebenso wie die Grundlagen religiöser, philosophischer oder psychologischer Lehren. „Es wäre wünschenswert, dass in der Unterstufe für die vom konfessionellen Religionsunterricht abgemeldeten Schüler ebenso ein verpflichtender Ethikunterricht eingeführt wird“, so Direktorin Sonja Happenhofer, die persönlich allerdings nichts davon hält, den konfessionellen Religionsunterricht generell durch den Ethikunterricht zu ersetzen.

Für die persönliche Wahlfreiheit spricht sich auch Birgitta Stieglitz-Hofer, Direktorin vom BG Biondekgasse aus. Dort wurde der Ethikunterricht 2012/13 als Schulversuch ab der 9. Schulstufe für all jene, die nicht den konfessionellen Religionsunterricht besuchen, eingeführt. „Und wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht“.

Umfassendes Wissen und viele Erfahrungen mit dem Unterrichtsfach Ethik machte der Rektor der Pädagogischen Hochschule Baden Erwin Rauscher, der die entsprechenden Lehrgänge von 2000-2006 am damaligen Pädagogischen Institut in Oberösterreich leitete. Er sagt: „Ethik – selbstverständlich Ja! Aber wie? Die Evaluationsforschung in der EU zeigt seit Jahrzehnten, dass sich ethisch relevante Kenntnisse erhöhen, soziomoralische Einstellungen, zum Beispiel zu Rassismusfragen, bleibend verbessern, dass aber praktische Konsequenzen in der persönlichen Lebensgestaltung nicht nachweisbar sind. Vom Ethikunterricht darf man jedoch nicht erwarten, dass er die unverzichtbare moralische Primärsozialisation in der Familie ersetzt.“

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