Fall des Eisernen Vorhangs: Ein prägendes Erlebnis. Zeitzeugen aus dem Bezirk erinnern sich an die Grenzöffnung 1989 und was sie bewirkt hat.

Von Andreas Fussi, Elfi Holzinger, Christian Dusek und Fritz Frauenberger. Erstellt am 07. Mai 2019 (03:04)
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Einer der wenigen Zeitzeugen aus Baden, die direkt bei der Grenzöffnung dabei waren, ist Werner Predota, der 1989 als Chefredakteur von ORF Niederösterreich mit einem Kamerateam, darunter als Mitarbeiterin Ingrid Thurnher, jetzige Chefin von ORF III, an der Grenze Berg-Bratislava vor Ort war. Als Punkt Mitternacht die Grenzbalken geöffnet wurden, durfte Predota in Abstimmung mit dem österreichischen Zollbehörden, den ersten durchfahrenden Pkw anhalten und die Insassen befragen – und das ganze live im Fernsehen.

„Das war eines meiner prägendsten Erlebnisse während meiner ORF-Zeit“, erinnert sich Predota. „Ich kriege jetzt noch eine Ganslhaut, wenn ich daran denke. Die waren damals so glücklich und froh, hatten alle Tränen in den Augen.“

Tausende seien in dieser ersten Nacht über die Grenze gefahren – „das ist von den Behörden unterschätzt worden“, meint er. Predota habe die Menschen gefragt, was es für ein Gefühl sei und die Antwort der Leute war, dass sie es nicht geglaubt hätten, das einmal erleben zu dürfen. Die Erwartungen der meisten sei nicht sehr hoch gewesen, erinnert sich Predota.

„Sie waren einfach nur froh, über die Grenze fahren zu dürfen, ohne angehalten zu werden. Das war ein echtes Glücksgefühl für sie!“

„Sie waren einfach nur froh, über die Grenze fahren zu dürfen, ohne angehalten zu werden. Das war ein echtes Glücksgefühl für sie!“ Viele hätten in den ersten Wochen geglaubt, sie seien im Goldenen Westen, hätten aber bald feststellen müssen, dass etwa die Preise andere waren als bei ihnen. Rückblickend habe sich Osteuropa aber seit Öffnung der Grenze gut entwickelt, meint Predota, vor allem hatten die Menschen nicht mehr das Gefühl, ständig beobachtet zu werden – „man konnte damals nicht einmal den eigenen Verwandten vertrauen“, weiß er.

Leader Managerin Anett Schawerda fallen als Erstes zum Thema die Fernsehbilder von damals ein: „Der Fall der Mauer, das Durchschneiden des Grenzzauns, die friedliche Öffnung von Grenzübergängen, Menschen, die sich voller Freude umarmen und Soldaten, die nicht schießen.“ Das sei „unglaublich, aber wahr“ gewesen. „Der Kalte Krieg war damit vorbei und die Aufbruchstimmung groß. Ich bin froh diese positive, friedliche und große politische Umwälzung in Europa miterlebt zu haben. Was sie persönlich schade finde, sei, „dass obwohl wir in einem Dreiländereck leben, bisher nur wenige Kontakte zu den Menschen in den Nachbarländern entstanden sind.“

„Niederösterreich auf einmal im Mittelpunkt“

„Für Niederösterreich war es ein besonderes Ereignis. Denn plötzlich stand unser Bundesland nicht mehr am Rande von Europa, sondern war auf einmal sein Mittelpunkt“, blickt Traiskirchens Vize-Stadtchef Franz Gartner (SPÖ) auf den „Fall des Eisernen Vorhanges“ zurück. Gartner war in dieser Zeit bereits Gemeindevertreter in Alland und war daher damals schon mit der Stimmungslage der Bürger bestens vertraut: „Ja, unsere Bevölkerung verfolgte die Geschehnisse interessiert, aber auch mit großer Sorge. Heute, nach 30 Jahren, zeigt sich, dass ihre Sorgen unbegründet waren.“

Von der Öffnung der Ostblock-Staaten hätte sich Gartner das erhofft, was mit den Jahren dann auch eingetroffen sei: „Das Gegeneinander hat abgenommen, das Miteinander trotz unterschiedlichster politischer Zugänge zugenommen. Mit dem Fall des Eisernen Vorhanges konnte endlich ein großflächiger Friedensprozess in Gang gebracht werden, der ja auch dringend notwendig war.“

Für ihn sei aber auch klar gewesen, dass die Umbrüche nicht nur Vorteile mit sich bringen würden: „Das erhöhte Verkehrsaufkommen heute ist zum Beispiel eine belastende, negative Tatsache, die auch auf diesen politischen Werdegang vor drei Jahrzehnten zurückzuführen ist.“

Auch der ehemalige Lokaljournalist Peter Selb aus Bad Vöslau erinnert sich: „Ich habe den Fall des Eisernen Vorhanges in erster Linie aus den Medien erlebt und natürlich meine Erwartungen, Befürchtungen dazu gehabt. Ich mich für die Menschen in den betroffenen Nachbarländern gefreut.“

Gerechnet habe er mit wirtschaftlichen Veränderungen, aber auch mit einem Ansteigen der Eigentumskriminalität, „aber an sich habe ich die Ostöffnung sehr positiv gesehen, meint Selb.

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