Fasten im Trend: Weniger ist mehr – mit gutem Rat. Der Nahrungsverzicht wirkt positiv auf Köper, Geist & Seele. Allerdings ist fachkundige Beratung wichtig.

Von David Steiner. Erstellt am 25. Februar 2020 (03:38)
Fastengruppe beim kargen Mahl in Pernegg. Das Kloster im Bezirk Horn war eine der ersten Einrichtungen, die auf den Fastentrend aufgesprungen sind.
Rita Newman

Das mittelhochdeutsche Wort „vasten“, althochdeutsch „fasten“ bedeute (fest)-halten, beobachten, bewachen und verstehe sich als religiös begründete, freiwillige Nahrungsenthaltung. Diese sei nicht zu verwechseln mit einer Diät zur Gewichtsreduktion, erklärt Pater Markus Rauchegger, Hauptökonom im Stift Heiligenkreuz. „Beim Fasten geht es um Konzentration auf das Wesentliche und um Einkehr. Durch das Fasten sollen Ressourcen freigesetzt werden, die im normalen Alltag gebunden sind. Der bewusste Verzicht schafft Raum für den Blick nach innen, nach außen, und den Blick nach oben“, beschreibt der Pater. 

In den letzten Jahren gewinnt der Begriff Fasten zunehmend an weltlicher Bedeutung.

Auch Ernährungsexpertinnen im Bezirk Baden setzen Fasten nicht gleich mit einer Diät zur Gewichtsreduktion. Wer abnehmen will, dem rät Expertin Susanne Lindenthal zu einer individuellen Ernährungsanpassung, begleitet von entsprechender Beratung. Für einen langfristigen Erfolg seien auch der Genussfaktor und die Alltagstauglichkeit entscheidend, erklärt die Lindenthal (essenbelebt.at). Fasten hingegen wirkt auf andere Weise positiv. „Beim Fasten geht es um die Entlastung des Körpers, nicht nur was das Essen betrifft, sondern auch um die Reinigung der Gedanken, Stressverminderung, Entleerung, quasi um einen Neuanfang“, erklärt Nicole Seiler, Ernährungsexpertin und Chefin der Badener Kochwerkstatt „Flotte Lotte“.

Neben der Wirkung auf den menschlichen Geist sind positive Effekte auf den Körper durch Studien belegt. Etwa beim Intervallfasten, wo stunden- oder tageweise gefastet wird. „Heute weiß man, dass Prozesse wie die Zellalterung mit kurzfristigem, alternierenden Nahrungsverzicht positiv beeinflusst werden können“, verrät Ernährungsexpertin Susanne Lindenthal.

Verzicht lässt Zellen langsamer altern

Beim Prozess der „Autophagie“ verarbeite die Zelle nicht mehr benötigte Zellbestandteile und nutze sie, um neue aufzubauen. „Das kann man sich wie hocheffizientes Recycling vorstellen. Der Müll, der in der Zelle entsteht, wird sehr wirksam abgebaut, zerlegt und wiederverwendet“, erklärt Lindenthal.

Ein Effekt, den sich das sich das Intervallfasten zunutze macht. Diesen Trend bewertet Lindenthal als positiv. Allerdings sei wichtig abzuklären, welche Methode passend ist, erklärt die Ernährungsexpertin.

Aufgrund der Körperchemie langfristig eher bedenklich seien Low-Carb-Trends, sagt Lindenthal. Verzichten solle man auch auf Null-, Saft- oder Teefasten über mehr als drei Tage ohne ärztliche Begleitung, mahnt Ernährungsprofi Nicole Seiler. Beide raten dazu, nicht ohne ärztlichen Gesundheitscheck und einer Ernährungsberatung über längere Zeit zu fasten. Auf das Intervallfasten aufmerksam geworden ist Birgit Indra (@wanderkoechinmitherz auf Facebook), die bei Kunden zu Hause kocht. „Ich werde wieder Intervallfasten, weil es mir und meinem Stoffwechsel guttut, sowie zur Entgiftung Alkohol und Zigaretten weglassen“, erklärt Indra.

Fasten als Weg zu mehr Genuss beim Essen

Fasten hätte für sie mit einem Innehalten, einer Bewusstwerdung und einer Sehnsucht nach Entgiftung zu tun. All diese Aspekte seien wichtig, um danach wieder einen bewussteren Genuss von Essen zu erreichen und weniger bei Fertiggerichten mangels Zeit zu verharren“, erklärt Indra.

Ganzjährig Thema ist Fasten im Gesundheitshotel Vivea in Bad Vöslau. „Viele unserer Patienten kommen etwa zu einer Stoffwechselkur zu uns und nehmen bewusst ab. Bei Therapien bieten wir ganzjährig Reduktionskost an. Spezielle Fastenkuren bieten wir vor Ostern daher nicht an“, sagt Direktionsassistentin Yvonne Duchek. Entschlackung und Gewichtsreduktion hätten merkbar an Bedeutung gewonnen.

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