Hitzefrei gibt‘s auf Straße nicht. Seit 1. Mai haben Bauarbeiter ab 32,5 Grad hitzefrei. Was bedeutet diese Regelung für die Baustellen in der Region?

Von Judith Jandrinitsch, Stephanie Pirkfellner und Andreas Fussi. Erstellt am 30. Juli 2019 (03:57)
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Eines verbindet die Mitarbeiter der Baufirmen in Stadt und Region Baden dieser Tage: Die heißen Arbeitsbedingungen aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen.

Da wäre einmal das Wohnprojekt „Betreutes Wohnen“ von Silver Living in der Wassergasse, das Wohnprojekt der Firma NID mit Generalunternehmer HABAU auf dem Areal der ehemaligen Gebietskrankenkasse und das Wohnbauvorhaben „Sunny Side up“ der Firma Kollitsch am Gelände des ehemaligen Hotels Caruso.

Alexandra Morgl von Silver Living betont: „Auf der Baustelle sind Arbeiten in unterschiedlichen Gebäudebereichen unter Berücksichtigung der Hitzeregelung möglich, beispielsweise am Morgen Dacharbeiten, zu Mittag Kellerausbau und Installationsarbeiten.“ Silver Living sei sich jedoch bewusst: „Langanhaltende, überdurchschnittliche Hitzeperioden verlängern die Bauzeit laut Önorm; in Baden mussten wir Teile der Fassadenarbeiten zurückstellen, die Terminabweichung von ein bis zwei Wochen ist aber von den rund 20 Arbeitern in der Wassergasse aufholbar.“

Markus Roubin ist bei der HABAU GROUP Leiter des Sicherheits- und Gesundheitsmanagements. Bei der momentan herrschenden Hitzebelastung würde man alles tun, „um jede und jeden Einzelnen vor der erhöhten Belastung zu schützen“.

„Die Temperatur wird vom Bauleiter oder Techniker über die ZAMG kontrolliert. Bei einer Überschreitung der 32,5 Grad-Marke wird die Baustelle eingestellt.“

Die Maßnahmen reichen dabei von verstärkter Teamarbeit, die Einrichtung von besonderen Schutzvorkehrungen bei Alleinarbeitsplätzen über die Bereitstellung von alkoholfreien Getränken. Um festzustellen, ob die magische Grenze von 32,5 Grad Celsius erreicht ist, verweist Projektmanager Andreas Lang von der Firma Kollitsch auf die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Die Temperatur wird vom Bauleiter oder Techniker über die ZAMG kontrolliert. Bei einer Überschreitung der 32,5 Grad-Marke wird die Baustelle eingestellt.“

Baumeister Gregor Burger aus Maria Raisenmarkt sagt über seine Hitze-Erfahrungen: „Die letzten Hitzetage waren für unsere Arbeitnehmer und Baustellen sehr herausfordernd.“

Arbeiten an Fassade kaum durchführbar

„Zum Glück standen beispielsweise in Kottingbrunn Innenputzarbeiten am Plan. Fassadenarbeiten mussten teilweise eingestellt werden, obwohl die Arbeiter früher als üblich begonnen haben. Man muss bedenken, dass die Arbeiter südseitig nur durch ein Gerüstschutznetz vor der Sonne geschützt sind. Hier werden wir ein paar Tage verlieren“, meint Burger. Nicht alle Auftraggeber würden dafür Verständnis zeigen.

Da bei Hitze die Leistungsfähigkeit sinke und die Belastung enorm sei, führt Baumeister Günther Steurer aus Baden die Tradition fort und setzt im August den Betriebsurlaub seiner Firma an. „Seit 50 Jahren machen wir das“, sagt er.

„Gearbeitet wird im Straßenbau immer, hitzefrei gibt es nicht"

Im Straßenbau ist die Lage noch härter. Asfinag-Sprecherin Alexandra Vucsina-Valla erklärt: „Gearbeitet wird im Straßenbau immer, hitzefrei gibt es nicht. Auch, wenn die Asfinag die auszuführenden Arbeiten an Subfirmen vergibt.“ Die Firma Abo Asphalt aus Oeyenhausen führt gerade Asphaltierungsarbeiten in Traiskirchens Zentrum durch. Bauleiter und Sicherheitsfachkraft Harald Simon erklärt: „Asphaltierer, Schwarzdecker und Eisenbieger sind bei uns dezidiert von der 32,5° Celsius Regel ausgenommen. Wir versuchen aber, unseren Mitarbeitern auf der Straße so weit wie möglich entgegenzukommen, sei es mit gekühlten anti-alkoholischen Getränken, sei es mit längeren Pausen. Da hat ein jeder ein Einsehen.“

Bauleiter Patrick Haiden von der Firma Gebrüder Haider leitet den Umbau des Kreisverkehres in Leobersdorf in eine Ampelanlage bei der Autobahnanschlussstelle auf der A2. Er ist der Überzeugung: „Asphaltierer können mit der Hitze noch am ehesten umgehen. Sie bewegen sich, können sich, wenn möglich, in den Schatten eines Lkw stellen. Viel härter ist die Situation für alle Handwerker, die am Dach beschäftigt sind.“ Er versuche, die Arbeiten in die früheren Morgenstunden zu verlegen, was mit Ausnahmeregelungen schwierig, aber möglich sei.

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