Homeschooling verlängert: Eltern bald am Limit

Schul-Situation bleibt für Eltern, Schüler und Lehrer im Bezirk Baden belastend. Was fehlt, ist die Planbarkeit.

Erstellt am 20. Januar 2021 | 04:34
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Katharina H. aus Baden, Schülerin des BG/BRG Biondekgasse beim Distance Learning. Zum Thema passend bietet die Gründeragentur riz up spezielle Webinare als erweitertes Service an.
Foto: Hofer

„Es ist für alle beteiligten Schüler, Eltern und Lehrer eine sehr herausfordernde Situation“, meint die Direktorin des BG/BRG Baden-Frauengasse, Sonja Happenhofer zum verlängerten Homeschooling. Die Online-Unterrichtsstunden über MS-Teams würden aber „sowohl in der Unter- als auch Oberstufe im Wesentlichen sehr gut“ funktionieren.

Es komme schon auch vor, dass sich Schüler dazuschalten und dann zu Hause etwas anderes machen. „Mündliche Überprüfungen online können nur schwer stattfinden, weil zuhause natürlich alle Hilfsmittel zur Verfügung stehen und manche Schüler beim Vortäuschen einer Leistung sehr erfinderisch sind“, weiß Happenhofer.

Zu den Schularbeiten werden die Oberstufenschüler jahrgangsweise in die Schule geholt. „Die Ergebnisse zeigen aber keine große Abweichung von den Noten im Präsenzunterricht – also kann auch, wenn man dazu bereit ist, online gut gelernt werden“, ist sie überzeugt.

Für die Lehrerkräfte sei das Homeschooling „eine große Belastung“, schildert Happenhofer. „So werden auch Kollegen benötigt, die die Schüler am Standort betreuen, und diese müssen dann ihre Online- Stunden von der Schule aus halten, weil sich der Heimweg zeitlich nicht ausgeht.“

Betreuungsangebot wenig genutzt

Das Betreuungsangebot für die Unterstufenschüler werde nur sehr wenig genutzt – im Schnitt sieben Kinder pro Tag von 550 Unterstufenschülern. „Präsenzunterricht und Videostunden abwechselnd am Vormittag war für die Lehrer sehr kraftraubend“, sagt Happenhofer. Um Schüler mental zu entlasten, habe man eine Kooperation mit Psychologin Barbara Schöbl, die für Anliegen der Schüler zur Verfügung steht, finanziert vom Elternverein.

Kritischer sieht die Situation Elvira Schmidt, Direktorin der Mittelschule Hirtenberg. „Die Belastungsgrenze für die Eltern im Homeschooling ist längst erreicht. Meine Lehrerinnen und Lehrer stehen nach 22 Uhr noch für Schüler- und Elternanfragen zur Verfügung, weil die Eltern sonst keine Chance haben, wenigstens irgendjemand von ihren Sorgen zu erzählen“, sagt Schmidt. Außerdem ist die Direktorin, die auch Landtagsabgeordnete der SPÖ ist, überzeugt: „Wenn die Kinder nicht bald wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren, dann sehen wir spätestens in fünf Jahren die psychischen Auswirkungen.“

Auch die Lehrer sind ungemein gefordert: „Rund die Hälfte unserer Schüler hat keinen Laptop. Jetzt müssen die Lehrer Arbeitspakete machen für die eine Hälfte, und Online-Unterricht anbieten für die andere Hälfte. Das ist extrem fordernd.“

Vorsichtig optimistisch ist Mittelschul-Direktorin Andrea Sattler in Weissenbach: „Bei uns in Weissenbach ist es so, dass wir alle Kinder, die einen Laptop benötigt haben, versorgen konnten. Unsere Schule ist dank unseres Schulerhalters so gut ausgestattet, dass wir auch keine von der Regierung bzw. aus der Bildungsdirektion benötigt haben. Auch wenn wir alle Kinder erreichen, ist der Arbeitsaufwand für die Lehrer/innen unglaublich anstrengend und kräftezehrend.“

Birgitta Stieglitz-Hofer, Direktorin des BG/BRG Biondekgasse, begrüßt den angedachten Schichtbetrieb nach den Semesterferien. Trotz der guten Erfolge im Distance Learning sei die Schule nun einmal „ein sozialer Ort und die Qualität und Intensität des persönlichen Austauschs in der Schule kann mit der Kommunikation über elektronischem Weg keinesfalls ersetzt werden.“

Auch sie weiß, dass die Situation für die Eltern eine Herausforderung sei, man bemühe sich aber, im gegenseitigen Austausch sie bestmöglich zu unterstützen.

Das bestätigt Elternsprecherin Manuela Hofer. Die Kommunikation zwischen Kinder/Eltern und Lehrern, vor allem zur Notenvergabe, sei wichtig und werde in der Biondekgasse geachtet. Bewährt hätten sich an der Schule „sowohl die Arbeit mit einer einheitlichen Plattform als auch der ‚Unterricht nach Stundenplan‘, das gibt Planbarkeit und Kontinuität“, findet Hofer. „Für die Zukunft wünsche ich mir einen guten Plan für die Rückkehr der Kinder an die Schulen. Ebenso wie der Bundeselternverband werbe ich persönlich für das Testen und für einen regulären Schulbetrieb“, sagt sie.

Selbstdisziplin und Eigenverantwortung

„Ich bin überzeugt, dass Familien nun enger miteinander verbunden sind als jemals zuvor“, erklärt Maria-Iadranca Latchici, Schulsprecherin der HAK Baden. Der digitale Unterricht bringe viele Herausforderungen mit sich, um diese zu bewältigen brauche es laut Latchici „Selbstdisziplin und Eigenverantwortung“. „Ich möchte mich vor allem bei dem Lehrpersonal bedanken, das mit uns versucht, das Beste aus dieser Situation zu machen. Wir bekommen ein genaues Feedback über unsere Aufgaben und können dadurch für die Zukunft einige Fehler vermeiden.“ Wenn diese Phase etwas Gutes an sich habe, dann sei es „die nun schnell anlaufende Digitalisierung“, meint sie. „Ich wünsche mir für die Zukunft mehr digitale Endgeräte und Medien im Präsenzunterricht.“

Die Digitalisierung sei an den Mittelschulen verbessert worden, berichtet Allands Schulleiter Stefan Petrovitz von der Mittelschule Alland. Die Gemeinde Alland unterstütze finanziell die Mittelschule für die Schaffung einer neuen digitalen Infrastruktur. Alle Schüler der 5. und 6. Schulstufesollen spätestens mit Beginn des kommenden Schuljahres mit digitalen Endgeräten ausgestattet sein.

Manfred Schönborn aus Berndorf, Vater von drei Kindern (5, 7, 15), wünscht sich, dass die Schulen bald wieder öffnen. Denn: „Mittlerweile leiden die Kinder, es fehlen ihnen die sozialen Kontakte, die Gesellschaft der Klasse, der Zusammenhalt und der Spaß mit den Schulfreunden.“

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