In der Fastenzeit wieder zu sich und Gott finden. Seelsorger betonen: Beim Fasten geht es darum, Gott neu zu entdecken.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 16. April 2019 (03:00)
Artner
Pater Amadeus Hörschläger, Pfarrer von Pfaffstätten

Badens evangelischem Pfarrer Wieland Curdt meint: „Es gibt aus meiner Sicht nicht mehr Leute als früher, die fasten. Mein Eindruck ist aber: Es fasten auch Atheisten oder Menschen, die sich nicht als gläubig bezeichnen würden.“

Thomas Leitner-Kuzmany
Badens Evangelischer Pfarrer Wieland Curdt.

Außerdem: „Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch. Asche wurde früher als Putzmittel verwendet und ist deshalb ein Symbol für die Reinigung der Seele. Das Wort Fasten kommt von ‚festhalten, beobachten, bewachen‘. Wer fastet, hält an bestimmten Fastenregeln fest. Aus meiner Sicht ist es wichtig, sich immer mal wieder zu beobachten, was die eigene Seele eigentlich verschlackt.“

Weglassen bringt das Wesentliche ans Licht

Dazu fällt Wieland ein: „Der berühmte Bildhauer und Maler Michelangelo soll gefragt worden sein, wie er das so gut hinbekommen habe mit seinem in Marmor gehauenen David. Und Michelangelo soll geantwortet haben, es sei nicht so schwer gewesen. Er hätte an dem großen Marmorblock lediglich alles entfernt, was nicht zu David gehöre. So sollte es auch sein: Alles in uns entfernen, was nicht zu uns gehört bzw. uns seelisch aus der Form bringt.“

Badens Stadtpfarrer Clemens Abrahamowicz betont, dass es beim Fasten mehr geht als Gesundheit und Schönheit. „Als Jesus in der Wüste bereits wirklich hungert, wird er vom Versucher hart auf die Probe gestellt hinsichtlich dessen, was nun wirklich wichtiger ist: das Fressen oder die Moral (Mt 4). Jesu Entschluss, sich allein vom Wort Gottes zu ernähren, zeigt seinen Sieg. Wer Gottes Willen als ‚Grundnahrungsmittel‘ entdeckt, wird selber glücklich, satt, schön und beweglich.“

Denn, so betont Abrahamowiecz: „So ein Mensch wird zu einem „Werkzeug des Friedens“ gegenüber seinem Nächsten im Alltag, dem Armen und der Schöpfung, die danach lechzt, dass wir unseren Lebensstil ändern.“ Es spiele keine Rolle, wie einer faste, auf Genussmittel zu verzichten oder auf Luxusgüter. Primär sei der direkte, sensible Kontakt mit Gott, dem Nächsten, den Armen, der Schöpfung und schließlich mit sich selbst.

Pater Amadeus Hörschläger, Pfarrer von Pfaffstätten, bringt einen interessanten Aspekt dazu ein: „Als Zisterzienser bin ich geprägt von den Regeln des Heiligen Benedikts. Früher hat der Abt zu Beginn der Fastenzeit jedem Mönch ein Buch in die Hand gegeben als Aufforderung, mehr zu lesen. Ich versuche bewusst, in der Fastenzeit mehr zu lesen. Ich lese Fachliteratur, also religiöse Bücher, das kommt bei mir unterm Jahr einfach zu kurz.“

Hochschule Heiligenkreuz Generalsekretär Johannes Paul Chavanne berichtet, dass die Mönche in Heiligenkreuz intensiv in Vorbereitung auf die Feier von Ostern fasten – die Auferstehung Jesu Christi. Das ganze Essen sei in der Fastenzeit im Stift reduziert. Im Klostergasthof wird in den 40 Tagen eine eigene Fischkarte angeboten.

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