Kampf gegen Corona: Zwischen Gesundheit und Ruin. Auf Gastronomen im Bezirk Baden kommen landesweit neue Regeln zu. Die Polizei kontrolliert aktuell vermehrt.

Von Andreas Fussi und David Steiner. Erstellt am 30. September 2020 (05:45)
Im September kletterten viele Gastro-Betriebe aus dem Sommerloch. Nun stehen Wirte wie Gerhard Maschler wieder vor der Ungewissheit, was die nächsten Wochen bringen werden.
David Steiner

„103 positiv getestete Personen haben wir aktuell im Bezirk Baden. Mit Stand Montag, 21. September, waren es noch 106 Personen“, berichtet Bezirkshauptfrau Verena Sonnleitner. In der vergangenen Woche seien insgesamt 58 Personen genesen, 56 neu erkrankt und eine Person verstorben.

Der Bezirk Baden ist aktuell auf gelb geschaltet. Die landesweiten Regelungen, die nach dem ersten Oktober im Falle einer Warnstufe „Orange“ gelten, würden vor allem die Gastronomie (siehe Seite 2/3) betreffen. Letztere verzeichnete heuer bereits große Einbußen und steht immer wieder vor dem Abgrund. Das Sommergeschäft fiel sehr schwach aus. „Die kleinen Wirtshäuser hat es trotz Gastgärten sehr getroffen. Eine Ausnahme waren Heuriger und Gastro-Betriebe nahe Ausflugszielen“, erzählt Bezirkswirte sprecher Gerhard Maschler.

Weihnachtsfeier werden im Geschäftsjahr fehlen

Im September sei es mit dem Geschäft bei allen wieder bergauf gegangen, nach dem Anstieg der Infektionen wüssten die Gastronomen allerdings wieder nicht, was kommt. Erschwerend hinzu komme, dass die Freiluft-Saison vorbei sei und Firmen vor allem größere Weihnachtsfeiern bereits abgesagt hätten, erklärt der Wirt aus Wienersdorf. In Bezirken mit der Ampelfarbe „Orange“ müssen Gastronomen nach dem 1. Oktober Gästelisten führen. „Meine Empfehlung lautet: Menschen sollen sich ehrlich eintragen. Das trägt auch zu deren Schutz bei, wenn sie im Verdachtsfall verständigt werden müssen“, betont Maschler. Die Richtigkeit der Angaben würden die Wirte aber nicht überprüfen können.

In Bezirken, die „Rot“ eingestuft werden, wird die Sperrstunde von 1 auf 22 Uhr vorverlegt. Auch das könnte einige Betriebe schwer treffen, weiß der Wirt. Einen zweiten Lockdown gilt es mit allen Mitteln zu verhindern. „Den würde kein Gastronom finanziell überleben“, ist Maschler überzeugt. Er sorge sich vor allem um jene Betriebe, die es bis jetzt gerade so geschafft hätten. In Bezug auf Covid-19 schätze er, sei „noch lang kein Ende in Sicht.“

Kontrollen routinemäßig oder als Schwerpunkte

Seit 23. September überprüft die Polizei im Rahmen des Streifendienstes routinemäßig Lokale auf Einhaltung der Sperrzeiten. Auch Schwerpunktaktionen werden, abgestimmt mit den Behörden, durchgeführt. „In Absprache mit der Bezirkshauptfrau kontrollierten sechs Polizeibedienstete von 26. bis 27. September zehn Lokale im Bezirk. Die Lokalbetreiber wiesen durchwegs ein funktionierendes Hygienekonzept vor, das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes wurde von Personal und Gästen eingehalten und die Sperrzeiten wurden nicht verletzt“, erklärt Badens Bezirkspolizeikommandant Johannes Jantschy. Es mussten daher keine Verwaltungsanzeigen an die Gesundheitsbehörde erstattet werden.

Die Kontrollen würden auch in den nächsten Tagen, besonders am kommenden Wochenende, fortgesetzt werden, betont Jantschy. Die Stadtpolizei habe derzeit keinen Auftrag von der Bezirkshauptmannschaft zu besonderen Kontrollen. „Bei Anzeigen kontrollieren wir im Anlassfall“, berichtet Stadtpolizeikommandant Walter Santin.

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