Lockdown: Kulturbetriebe brauchen eine Perspektive. Die Kulturbetriebe im Bezirk Baden tragen Maßnahmen mit. Aber: „Wegsperren auf Dauer keine Lösung.“

Von Andreas Fussi. Erstellt am 07. November 2020 (03:45)
Das Team der Stadt:Kultur von der Eventangentur Vision05 – Clara Thommayer, Andrea Löschenbrand und Nicolas Hold – zeigt sich betroffen und bedauert die Absage des Badener Kulturprogramms für dieses Jahr sehr.
Felten

Seitens der Kulturabteilung der Stadtgemeinde Baden lässt Gerd Ramacher wissen, dass man sofort nach Ende des 2. Lockdowns „nach Möglichkeit Kulturprogramme anbieten“ wolle. Wie sehr die Besucher Kunst und Kultur live erleben wollen, hätten die letzten Monate gezeigt. „Besonders beliebt waren die Stadtführungen. Durch die großartige Unterstützung des CCB und der Tonkünstler NÖ konnten wir unser 1. Abokonzert durchführen, dass bestens beim Publikum angekommen ist“, zählt er auf.

Ramacher möchte sich bei fast allen Gästen bedanken, die sehr verständnisvoll mit der Situation umgegangen seien. „Mit dem zugeteilten Platz war der Eine oder die Andere nicht einverstanden. Es gab auch die besonderen Gäste, die auffallen mussten, aus welchem Grund auch immer“, berichtet er von seinen Erfahrungen. Ähnliches gelte für die Zusammenarbeit mit den Künstlern und Musikern. „Den Wunsch, sich nicht an die Verordnungen zu halten, war für uns kein Weg“, betont er aber.

Die Planung und die Durchführung der Veranstaltungen erforderte ein deutliches Mehr an Arbeitseinsatz. Man werde die kommenden Wochen nutzen, um das Team der Covid19-Beauftragten zu erweitern, um beim Hochfahren der Programme den entsprechenden Schutz anbieten zu können.

Bühne Baden Geschäftsführerin Martina Maler blute das Herz, nur eine Woche nach der Premiere wieder die Erfolgsproduktion Anatevka absetzen zu müssen – „in Anbetracht dessen, dass wir für den Herbst ein extrem umfangreiches Covid-19-Präventionskonzept erarbeitet haben – inklusive brandneuer Belüftungsanlage – um unser Publikum bestmöglich zu schützen.“ Aber natürlich unterstütze man „die Entscheidungen der Bundesregierung, denn die Gesundheit unseres Publikums und uns allen steht an oberster Stelle“, sagt Malzer.

Katja Rupf aus dem Organisationsteam der Kulturszene Kottingbrunn arbeitet daran, alle Veranstaltungen im November abzusagen. „Unsere Hoffnung ist, dass es zumindest Anfang des neuen Jahres wieder halbwegs normal weitergeht“, so Rupf. Man habe damit gerechnet, dass die Kultur vom Lockdown betroffen sein werde. „Angesichts der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen ist es nachvollziehbar, dass es Kulturveranstaltungen trifft, wo Leute zusammenkommen“, sagt sie.

In Berndorf werde man alle Kulturtermine verschieben bzw. abzusagen. „Es macht im heurigen Jahr keinen Sinn mehr“, erklärt Stadträtin Helga Hejduk. Das Jahr 2020 sei sehr herausfordernd für die Kultur.

Auch Cinema Paradiso Geschäftsführer Alexander Syllaba trägt die Maßnahmen mit, gibt aber zu bedenken: Differenzierungen der politischen Entscheidungsträger wären wichtig. Europaweit hat es keine belegte Ansteckung in einem Kino oder Theater gegeben. Menschen sind soziale Wesen und brauchen weiterhin Orte, wo sie sich sicher und unter Einhaltung aller Maßnahmen begegnen können. Nur Wegsperren kann auf Dauer keine Lösung sein.“ Dazu kommen die Kollateralschäden. „Was wir brauchen, ist eine Perspektive“, sagt Syllaba.

Nach dem erfolgreichen Auftakt im Oktober in Perchtoldsdorf hätte der Kulturherbst von 2. bis 27. November in Baden stattfinden sollen. Doch „Stadt:Kultur“ muss aufgrund der neuen Regeln auf das Frühjahr 2021 verschoben werden. „In einem ohnehin schon sehr schwierigen Jahr trifft uns die Absage des Programms in Baden wirklich hart. Wir haben sehr viel Zeit und Kraft in die Organisation gesteckt – das ist nicht einfach nur Unterhaltung, sondern ein wichtiger Eckpfeiler im sozialen Leben. Wir hoffen, dass sich die Situation Österreich rasch entspannt und wir unseren Gästen bald wieder einen unvergesslichen Abend ermöglichen dürfen“, so Projektleiter Nicolas Hold.