Mangel an Baustoffen fordert. Corona-bedingt wurde die Produktion 2020 gedrosselt. Das wirkt sich nun auf den derzeitigen Bauboom im Bezirk Baden aus.

Von Red. Baden. Erstellt am 28. April 2021 (04:45)
Die Baustelle der neuen Bezirksstelle der Arbeiterkammer Baden aus 30 Metern Höhe.
Gregor Nesvadba, Gregor Nesvadba

Die Corona-Krise stellt die Baubranche vor große Herausforderungen. Waren es im vergangenen Jahr vor allem fehlende Aufträge, die dem Bauwesen zu schaffen machten, zeichnen sich nun Lieferengpässe und massive Preiserhöhungen in verschieden Bereichen ab. Auch Bauunternehmen und Baustellen im Bezirk Baden sind von dieser Entwicklung betroffen.

So ortet beispielsweise das Team rund um den Neubau der Arbeiterkammer-Bezirksstelle in der Badener Wassergasse einen Engpass bei diversen Baumaterialien am Markt, sowie einen gravierenden Anstieg von Einzelpreisen dieser.

„Da wird es eng mit dem Nachschub.“ Christoph Böck, Geschäftsführer der LIDI GmbH

Christoph Böck, Geschäftsführer der LIDI GmbH, einer Tochtergesellschaft der Arbeiterkammer Niederösterreich, die den Neubau der AK-Bezirksstelle Baden koordiniert und vorantreibt, erklärt: „Die Preiserhöhung kann bis zu 30 Prozent ausmachen. Betroffene Bereiche sind unter anderem Stahl und Holz, beziehungsweise Holzwerkstoffe.“ Laut Böck gebe es zwei Hauptursachen: Zum einen sei die Konjunktur in China wieder angesprungen. Die dortigen Unternehmen hätten sich mit großen Mengen an Stahl und erdölbasierten Produkten eingedeckt, wodurch globale Vorratslager geleert und die Preise in die Höhe getrieben worden seien. Zum anderen habe die europäische Bauwirtschaft im vergangenen Jahr weniger Material gebraucht, während Baustellen heuer auf Hochtouren liefen.

„Da wird es eng mit dem Nachschub“, meint Christoph Böck. Für den Neubau der Arbeiterkammer-Bezirksstelle Baden seien die Konsequenzen bis dato aber glücklicherweise überschaubar, wie der Geschäftsführer der LIDI GmbH weiters erzählt: „Einzig beim Nachschub an Holz-Schalungsplatten könnte es in den nächsten Wochen tatsächlich heikel werden. Bisher haben wir von den vorausschauend angeschafften Vorräten profitiert. Den Gesamtbedarf der Holz-Schalungsplatten auf der Baustelle zu lagern, ist platztechnisch jedoch nicht möglich. Daher sind künftig Engpässe möglich – wir bleiben aber zuversichtlich! Um dem Problem des Baustoffmangels Herr zu werden, sei beispielsweise ein konsequenter Umstieg auf die Verwendung ökologischer Baustoffe heimischen Ursprungs durchzuziehen. Beim Bau der neuen Arbeiterkammer-Bezirksstelle befinde man sich aber glücklicherweise nach wie vor im Zeitplan, sie könne 2022 eröffnet werden.

Ähnliche Schwierigkeiten, Lieferungen und Preiserhöhungen betreffend, konstatiert Wolfgang Gassenbauer. Er ist gewerblicher Geschäftsführer des in Pottenstein ansässigen Bauunternehmens Nina Pongratz Bau GmbH, welches Dienstleistungen von Gewerbe- und Industrieprojekten, über Poolbau bis hin zu Spezialleistungen im Bereich Sportbau anbietet. Er sagt: „Leider gibt es bei gewissen Produktgruppen tatsächlich Rohstoffknappheiten. Dies zeigt sich durch längere Lieferzeiten wie auch erhöhte Preise.“

 So würden zum Beispiel Rohstoffe für die Produktion diverser Kunststoffprodukte fehlen. Wie auch Christoph Böck meinte, sei die Auftragslage im Vergleich zum vergangenen Jahr 2020 nun eine deutlich positivere. Aufgrund der besagten Lieferverzögerungen könne der Bedarf jedoch nicht gänzlich gedeckt werden. Gassenbauer meint weiters:„Besondere Schwierigkeiten gibt es bei Kunststoff-, Holz- sowie Stahlprodukten. Die Preiserhöhung bei Stahlprodukten beläuft sich auf bis zu 40 Prozent, was Baustellen logischerweise vor große Schwierigkeiten stellt.

Baumeister Roland Kreuter, der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Arthur Krupp. Holzinger.Presse
Holzinger.Presse

Baumeister Roland Kreuter, der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Arthur Krupp mit Sitz in Berndorf, betont genau wie Christoph Böck und Wolfgang Gassenbauer den Mangel am Rohstoff Holz und Stahl: „Früher betrugen die Lieferzeiten bei Bauholz in etwa zwei Wochen, jetzt sind diese auf bereits sechs bis sieben Wochen angestiegen. Was Dämmmaterial und Stahl anlangt, dauert es gar noch länger.“ Das Problem führe Kreuter vor allem auf die Pandemie zurück, da die Produktion aufgrund der vielen Lockdowns stark zurückgegangen sei.

„Zusätzlich ist derzeit ein großer Bauboom zu verzeichnen. Viele haben Angst vor Geldverlust und investieren lieber in Wohnungen oder Häuser. Die Produktionsfirmen befinden sich aber dennoch in Kurzarbeit und kommen mit der Produktion und der Auslieferung nicht nach.“ Außerdem sehe Baumeister Roland Kreuter die Problematik auch darin, dass Asien massiv in Industrie- und Hochbauten investiere. Die Volksrepublik China bezahle zudem um fast 50 Prozent mehr für Holz und Stahl als europäische Länder, wodurch große Mengen dieser Rohstoffe auf der anderen Seite der Welt verblieben und in Europa daher fehlen.

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