Nachfrage sinkt: Auto wird wieder zum Luxus

Nur der Werkstättenbetrieb hält den Fahrzeughandel im Bezirk Baden im Moment aufrecht. NoVa neu belastet vor allem Unternehmer.

Erstellt am 27. Januar 2021 | 04:12
Autokauf Autoverkauf Autohandel Autohändler Neuzulassungen Auto Symbolbild
Symbolbild
Foto: Syda Productions/Shutterstock.com

Kommerzialrat Georg Schmuttermeier setzt sich als Bezirksvorsitzender des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Baden und als Ausschussmitglied in vielen Gremien, wie etwa dem WKNÖ-Landesgremium des Fahrzeughandels, bedingungslos für seine Branche ein. In Oeynhausen auf der Triester Straße befindet sich sein Peugeot-Autohaus. Besonders sauer stößt ihm auf, dass ab 1. Juli die Normverbrauchsabgabe, kurz NoVA, neu für Klein-Lkw in Kraft treten soll.

„Von einer Erhöhung der NoVA zu sprechen ist in diesem Zusammenhang völlig falsch. So eine Steuer auf Klein-Lkw hat es noch nie gegeben und gibt es auch innerhalb der Europäischen Union nicht. Sie trifft in erster Linie Handwerksbetriebe und kleine Unternehmer, die sich jetzt doppelt und dreifach überlegen werden, einen neuen Kastenwagen anzuschaffen“, ist Schmuttermeier überzeugt. Und das sei vor allem kontraproduktiv für die Umwelt. Während der Autohandel noch geschlossen ist, hat die Werkstatt geöffnet.

„Vom normalen Geschäft sind wir weit weg“, sagt Schmuttermeier. „Bis jetzt haben wir lediglich die Infrastruktur aufrecht erhalten können.“

Kunden sind verunsichert

Der Verkaufseinbruch bei den Fahrzeugen komme daher, „weil sehr, sehr viele Kunden verunsichert sind. Privatkunden genauso wie Unternehmer. Alle haben Sorgen, zu überleben.“ Der von der Bundesregierung kreierte Umsatzersatz greife gerade im Fahrzeughandel nicht. „Ich bin es wirklich keinem Wirten und Gastronomen neidig, aber einen Umsatzersatz zu schaffen, auf so etwas kann nur jemand kommen, der vom Wirtschaftsleben keine Ahnung hat“, meint der Autohändler.

Denn 80 Prozent aller namhaften Autohäuser hätten das gleiche Problem: „Wenn ich etwa in einem Monat 20 Autos verkaufe, hätte ich den Wert von vier Autos rückerstattet bekommen sollen. Ich habe aber de facto keinen einzigen Cent Umsatz gemacht, weil 80 Prozent der Autoverkäufer den Autoverkauf nicht als Umsatz aufscheinen haben. Das kommt daher, weil nicht jeder, der das Auto verkauft, dieses auch fakturiert. Das machen nur gewisse Haupthändler, aller anderen Autohäuser treten als Agenturen oder Vermittler auf, das hängt vom jeweiligen Vertrag ab“, erläutert Schmuttermeier die Krux. der Autobranche.

Auch beim Renault-Autohaus Schmuck in Leobersorf spürte man die Verunsicherung der Kunden durch die Coronakrise. Verkaufsleiter Philipp Steiner sagt: „Das Auto ist ein Luxusgut. Wenn ich nicht weiß, ob ich meinen Job behalten werde, kaufe ich kein Auto.“

Herausfordernd waren auch die Lieferprobleme, mit denen die ganze Autobranche Lockdown-bedingt zu kämpfen hatte. Steiner meint: „Die Frage, welche Motoren es in einem Jahr noch geben wird und welche auslaufen, ist ein großes Thema. Das wird Hersteller und Autohändler in den nächsten, drei, vier Jahren beschäftigen.“ Im Hinblick auf die neue NoVA für Klein-Lkw sei merkbar, dass Geschäftskunden Autokäufe vorziehen. Daher startet Renault Anfang Februar eine „Business-Week“ mit Angeboten für Klein-Lkw und Kastenwagen.

Umfrage beendet

  • Autokauf: Worauf legt ihr am meisten Wert?