Nahversorgung: Aus der Region für die Region

Die NÖN präsentiert zwei Erfolgsprojekte im Bezirk, die zukunftsweisend in der Versorgung sein können.

Erstellt am 26. November 2019 | 03:47
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An der Kassa in „Irene’s Bauernladen“ duftet es nach Bauernbrot und Gebäck aus der eigenen Backstube.
Foto: David Steiner

Es gibt keine Patentlösung, um Nahversorger in Gemeinden langfristig zu erhalten. Zwei Beispiele aus dem Bezirk Baden zeigen jedoch, dass sehr unterschiedliche Ansätze erfolgreich sein können. In der Wiesengasse in Leobersdorf baute Familie Mayer zum Beispiel zusätzlich zu ihrer Landwirtschaft einen Spezialitätenladen auf, der Kunden mit Lebensmitteln des alltäglichen Bedarfs versorgt und gleichzeitig einen Beitrag für regionale Wertschöpfung leistet. Die Idee für den Nahversorger habe sich aus den Erfahrungen im landwirtschaftlichen Betrieb ihres Mannes entwickelt, sagt Irene Mayer. Man habe eine Vertriebsmöglichkeit für Produkte von Bauern aus der Region schaffen wollen, mit besonderem Augenmerk auf Qualität und Nachhaltigkeit.

Im Jahr 2016 eröffnete sie „Irene’s Bauernladen“. Seitdem packt die Familie in beiden Betrieben mit an. Bauernbrot und Spezialgebäck kommen aus der eigenen Backstube, in der Mehl aus verschiedenen Getreidesorten nach eigenen Rezepten verarbeitet wird. Mehrere Gemüsesorten im Sortiment stammen aus eigenem Anbau. Neben diesen Produkten werden ausgewählte Lebensmittel von Landwirten aus der Region verkauft, die je nach Saison variieren können.

„Unsere Standbeine sind Gebäck, Kartoffeln und Gemüse aus eigener Erzeugung. Mit der erweiterten Produktpalette wollen wir Bauern aus der Region unterstützen und lokal ein neues Angebot schaffen“, sagt Irene Mayer. Im Bauernladen solle der Bezug zur Herkunft von Lebensmitteln erhalten bleiben. Die Partnerbetriebe seien sorgfältig ausgewählt. Mit Gartenführungen und Verkostungen wolle man vermitteln, wie viel Handarbeit in der Herstellung steckt, so Mayer.

„Irene’s Bauernladen“ hat dienstags und freitags geöffnet. An den anderen Wochentagen ist die Familie mit den organisatorischen Tätigkeiten rund um den Bauernladen oder mit landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt. Derzeit helfen auch vier Mitarbeiter mit. Im Verkauf arbeitet Irene Mayer sehr kundenorientiert. Sie gehe auf Kundenwünsche ein und wolle vermitteln, dass Einkaufen nicht mit Stress verbunden sein muss. Das Zielpublikum erstrecke sich auf alle Generationen, für alle sei etwas dabei, so Mayer. Die Beziehungen zu den Kunden pflegt sie auch abseits der Öffnungszeiten. Auf sozialen Netzwerken und WhatsApp informiert sie Kunden über das kommende Tagessortiment und saisonale Angebote. Brot und Gebäck können telefonisch oder per E-Mail vorbestellt werden.

Rund neun Kilometer weiter im Osten des Bezirks ergänzt ein Geschäft die Nahversorgung, das ganz ohne Verkaufspersonal auskommt. In Tattendorf eröffnete im Juli 2018 der „Bioself-Markt“ am Raiffeisenplatz. Der Bio-Lebensmittelmarkt ist in einem dreißig Quadratmeter großen Holzcontainer untergebracht, der rund um die Uhr mit Bankomat- oder Kreditkarte zugänglich ist. Kunden können hier den Einkauf selbst scannen und mit Karte bezahlen. Das Sortiment bestehe aus über 800 bio-zertifizierten Produkten des täglichen Bedarfs. Es gebe auch ein regionales Eck, sagt Betreiberin Astrid Holler, die gemeinsam mit ihrem Mann die Idee zum Selbstbedienungsmarkt hatte.

Lokale Produkte rund um die Uhr einkaufen

„Je nach Saison ergänzen Bio-Lebensmittel direkt aus Tattendorf das Sortiment, aktuell Kürbisse und Chinakohl“, beschreibt Holler. Obst und Gemüse verkaufe sich am besten. Das Feedback sei durchwegs positiv und gestohlen werde nicht mehr als in Geschäften mit Personal.

Angrenzend an den „Bioself-Markt“ eröffnete im Sommer 2018 auch ein Wein-Container, der nach dem gleichen Prinzip funktioniert. „Weinkauf7“ ist bestückt mit mehr als hundert Weinen von Tattendorfer Winzern, die je nach Steuersatz zu Ab-Hof-Preisen oder ein paar Cent teurer verkauft werden. Dieses Angebot werde vor allem am Wochenende gerne genutzt, weiß Holler.

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