Österreichischer Tatverdächtiger bei Rip-Deal-Betrug festgenommen

Erstellt am 26. Juli 2022 | 12:11
Lesezeit: 4 Min
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Ermittler haben einen 33-jährigen Österreicher in der italienischen Hauptstadt Rom geschnappt, der an einem internationalen, groß angelegten Rip-Deal-Betrug beteiligt gewesen sein soll.
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Dabei seien einem Deutschen, der eine spanische Villa im Internet zu Verkauf angeboten hatte, bei der Geschäftsanbahnung 700.000 Euro in Krypto-Währungen abgeknöpft worden. Der Verdächtige wurde in eine Justizanstalt in Niederösterreich gebracht, Ermittlungen zu möglichen Komplizen laufen.

Nachdem der Deutsche seine Villa auf einer Plattform annonciert hatte, soll sich im März 2021 ein Mann bei dem 59-Jährigen gemeldet haben, hieß es in einer Aussendung der Wiener Polizei am Dienstag. Laut dem späteren Opfer habe dieser vorgegeben, als Vermittler für einen reichen Geschäftsmann tätig zu sein, weshalb ein Treffen in Rom stattgefunden habe.

Dort soll ein Betrag von 700.000 Euro in Krypto-Währungen als Provision für den angeblichen Vermittler vereinbart worden sein. Der 59-Jährige habe daraufhin wie vereinbart den Betrag auf sein Krypto-Wallet überwiesen. Von dort aus hätte das Geld nach Abschluss des Verkaufs dann als Provision an den vermeintlichen Vermittler gehen sollen. Bei einem Krypto-Wallet handelt es sich um eine Art digitale Geldbörse.

Das Krypto-Wallet soll laut Polizei in Rom im Beisein des mutmaßlichen Betrügers installiert worden sein. Dabei hätte dieser die Passwörter des Opfers ausspähen und so an das Geld gelangen können.

Als der 59-Jährige den Betrug bemerkte, erstattete er Anzeige in Deutschland. Da es Vermutungen gab, dass der mutmaßliche Täter österreichischer Staatsbürger ist, baten die deutschen Behörden das Landeskriminalamt Wien um Unterstützung. In Wien gibt es eine eigene Rip-Deal-Unit, die eigens für diese Deliktsform gegründet worden war.

Er folgte eine intensive Zusammenarbeit zwischen den österreichischen und deutschen Ermittlern, die schließlich zur Festnahme eines 33-jährigen Verdächtigen führte. Ermittler des Landeskriminalamts Niederösterreich durchsuchten außerdem die Wohnsitze des Beschuldigten und eines möglichen Komplizen in Guntramsdorf und Baden (Bezirk Baden) und stellten Datenmaterial sicher.

Bei einem Rip-Deal handelt es sich um eine Deliktsform, die laut Polizei nahezu ausschließlich durch erfahrene Banden und Clans der Westbalkanregion angewandt wird. Bei dem betrügerischen Rechtsgeschäft beabsichtigen die Täter meist Luxusgüter wie hochpreisige Uhren, Goldmünzen, Goldbarren oder auch etwa Kryptowährungen käuflich zu erwerben.

Im Gegenzug jedoch wird für die Güter nahezu immer Falschgeld übergeben. Zumeist wird beabsichtigt, das betrügerische Rechtsgeschäft im Ausland - vorzugsweise in Italien - abzuwickeln. Auch beim Verkauf von Immobilien, Booten oder hochpreisigen Automobilen kann es zu derartigen Taten kommen, warnte die Polizei.

Es gibt mehrere Präventionstipps, um nicht in eine derartige Falle zu tappen: Man sollte für den Verkauf eigener - vor allem luxuriöser - Habseligkeiten nicht ins Ausland reisen bzw. sollte sich nicht ins Ausland locken lassen. Verkäufer sollten achtsam und misstrauisch sein, wenn der potenzielle Käufer keine Anstalten macht, über den Kaufpreis verhandeln zu wollen.

Wichtig ist außerdem, Nachforschungen über den Geschäftspartner anzustellen. Nach einem erfolgten Rip-Deal soll nicht nur im Ausland, sondern auch in Österreich Anzeige erstattet werden. Bei Misstrauen sollen sich Verkäufer an die nächste Polizeidienststelle wenden oder vom anstehenden Geschäft absehen.

In Österreich sei diese Betrugsform vermehrt wahrzunehmen, hieß es zuletzt seitens der Wiener Polizei. Sie kommt jedoch nicht so häufig vor wie der Neffentrick oder der Falsche-Polizisten-Trick, da die Abwicklung eines Rip-Deals viel aufwendiger ist.

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