Ortschefs bewältigen Krisenzeit. Ob Informationspolitik, Schnelltests oder praktische Unterstützung – Bürgermeister des Bezirks Baden helfen, wo sie können.

Von Judith Jandrinitsch, Thomas Lenger, Andreas Fussi und David Steiner. Erstellt am 04. November 2020 (04:45)
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Als zusätzliche Präventionsmaßnahme stattete die Stadt Baden bereits Ende September Schulen und Kindergärten mit Infrarot-Fieberthermometern aus. Am Foto: Bürgermeister Stefan Szirucsek und Sozialstadträtin Angela Stöckl-Wolkerstorfer
psb/sap

Bürgermeister Andreas Babler, SPÖ, aus Traiskirchen ist es gewohnt zu handeln und Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Was ihn in der gegenwärtigen Situation stört: „Das Problem, das wir Bürgermeister haben, ist, dass wir erst sehr spät über die Maßnahmen der Regierung informiert werden. Doch die Menschen, egal ob Vereinsobleute oder Künstler, rufen bei uns in der Stadt an und fragen, was diese oder jene Maßnahme jetzt konkret für ihr Leben bedeutet.“

Der Krisenstab der Stadt sei längst wieder aktiviert, auch beginne man wieder damit, Menschen bei Bedarf bei der Bewältigung ihres alltäglichen Lebens zu helfen. „Traiskirchen tut alles, um die Menschen in ihrem täglichen Leben zu unterstützen und darüber hinaus“, betont Babler, der sich regelmäßig über die Sozialen Medien wie etwa Instagram und seine Facebook-Seite an die Traiskirchnerinnen und Traiskirchner wendet, um wichtige Anliegen zu kommunzieren. Darüber hinaus startete Traiskirchen mit der Durchführung von schnellen Antigentests, um Betreuungspersonal screenen zu können.

Amtskollege und Landtagsabgeordneter Christoph Kainz, ÖVP, aus Pfaffstätten, begrüßt den November-Lockdown als „eine vernünftige Entscheidung, um das Gesundheitssystem nicht zu überfordern“.

Zwar ist Kainz ein Bürgermeister, „der sehr gerne unter den Leuten ist, weil so habe ich es gelernt“, aber auch er akzeptiere, dass es in Zeiten wie diesen eben anders ist.

Der erfahrene Politiker sieht es auch als seine „moralische Verpflichtung“ an, die Menschen durch die Krise zu begleiten und sie dazu motivieren, Eigenverantwortung und Hausverstand wahrzunehmen, vor allem, was das nahende Weihnachtsfest betrifft. „Es lebt die Hoffnung, dass wir uns im Familienkreis im Dezember wieder treffen können, vorausgesetzt, dass wir es jetzt schaffen, uns an die Regeln zu halten“, betont Kainz. Er versichert, via Telefon und das Gemeindeamt aber weiterhin jederzeit erreichbar zu sein.

Auch in der Stadtgemeinde Baden versucht VP-Bürgermeister Stefan Szirucsek in der Krise für die Bürger da zu sein. Sprechstunden werden je nach Möglichkeit abgehalten, unter Einhaltung der Sicherheitsauflagen. Grundsätzliche wolle man aber auf der Gemeinde die Zahl der Kontakte reduzieren. Deswegen werde das Bürgerservice reduzierte Öffnungstage haben. Weniger Veranstaltungen würde „nicht weniger Arbeit“ bedeuten, betont er aber. Auf der Stadtgemeinde werde außerdem wieder ein Schichtbetrieb eingeführt, damit die kritische Infrastruktur gewährleistet sei.

Kottingbrunns Bürgermeister Christian Macho, ÖVP, überlässt ebenfalls nichts dem Zufall.

Auch Christian Macho reaktiviert Hilfsteam

„Unsere Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Wir werden ab November wieder mit dem ‚Team Kottingbrunn‘ starten, um all jene, die Zuhause bleiben müssen oder wollen, wieder mit Lebensmitteln versorgen zu können. Mit dabei werden wieder Haas, Apotheke, Fleischerei Saliwar sein. Wir sind gerade dabei, organisatorische Dinge zu klären. Im Frühjahr versorgte Personen und auch Helferinnen und Helfer werden bereits kontaktiert und gefragt, ob sie in den nächsten Wochen zeitliche Ressourcen haben, wieder zu helfen.“ Die aktuelle Kommunikation laufe über E-Mail und Telefon, „nach Terminvereinbarung ist auch persönlicher Kontakt weiterhin möglich. Wenn jemand ein dringendes Anliegen hat, das eines persönlichen Gesprächs bedarf, wird das auch in Corona-Zeiten möglich sein“, versichert Macho.

Der neue Lockdown kann Trumaus Bürgermeister Andreas Kollross, SPÖ, nicht erschüttern: „Wir haben bereits im ersten Lockdown unser System umgestellt und arbeiten in zwei Gruppen, wie zu Beispiel am Bauhof. Sollte es da zu einer Infektion kommen, dann betrifft es nur einen Teil unserer Mitarbeiter“, betont Kollross. Er will auch weiterhin das Gemeindeamt offen halten, um den Bürgern das bestmögliche Service zu bieten. Er selbst hält auch weiterhin persönlich seine Sprechstunde jeden Donnerstag ab.

In Reisenberg hält Bürgermeister Josef Sam, SPÖ, das Gemeindeamt vorerst wieder geschlossen. Sam merkt aber an: „Wir sind aber für alle Bürgerinnen und Bürger erreichbar und man kann sich auch einen persönlichen Termin ausmachen, wenn es wichtige Anliegen gibt.“

Der Langzeit-Ortschef gehört nach einer schweren Erkrankung selbst zur Risikogruppe und hat sich daher selbst Heimquarantäne verordnet. „Ich bin nur einmal am Tag kurz mit der Amtsleiterin in einer Besprechung zusammen, sonst versuche ich alles über das Telefon zu meistern“, sagt der Bürgermeister.

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