Pendeln ist ein hartes Los. Wien ist das häufigste Ziel von Erwerbstätigen im Bezirk Baden. Das macht sich am Arbeitsweg bemerkbar.

Von David Steiner. Erstellt am 10. Dezember 2019 (03:15)
Seit mehr als 20 Jahren steigt Harald Pokes am Bahnhof Leobersdorf in den Zug nach Wien. Zu Stoßzeiten werde es immer enger im Zug. Dennoch würde er nie im Leben aufs Auto umsteigen.
David Steiner

Erwerbstätige, die außerhalb ihrer Wohngemeinde beschäftigt sind, scheinen als sogenannte „Auspendler“ in der Statistik auf. Auspendler im Bezirk Baden zieht es am häufigsten nach Wien. Einer von ihnen ist der Kottingbrunner Harald Pokes. Seit mehr als 20 Jahren steigt er am Bahnhof Leobersdorf in den Zug nach Wien. „Zu Stoßzeiten wird es immer enger im Zug“, bemerkt er.

Eine Ursache sieht er in der dichteren Besiedelung. Grundsätzlich begrüßt der Kottingbrunner, dass immer mehr Leute mit dem Zug fahren. Er selbst würde nie im Leben aufs Auto umsteigen. Um volle Waggons in der Früh zu vermeiden, weicht er auf Züge knapp vor sechs Uhr morgens aus. An regulären Werktagen sind zwischen Leobersdorf und Hetzendorf rund 100.000 Fahrgäste in beide Richtungen unterwegs, die Hälfte davon seien Schul- und Erwerbspendler, so eine VOR-Sprecherin.

Auch Peter Stolz pendelt seit über dreißig Jahren nach Wien, die meiste Zeit mit dem Auto. Er habe den Eindruck, dass das Verkehrsaufkommen enorm gestiegen sei und die Autofahrer weniger Rücksicht auf andere nehmen würden, sagt der Leobersdorfer. Er mache sich bereits um 5 Uhr auf den Weg Richtung Wien, um Staus zu vermeiden. Die Eindrücke der beiden Pendler spiegeln sich in der Analyse von „Addendum“ wider. „In Österreich gesamt stieg die Anzahl der Auspendler von 1,4 Millionen im Jahr 1991 auf 2,2 Millionen im Jahr 2017 – ein Plus von 54 Prozent. Im gleichen Zeitraum wuchs die Bevölkerung Österreichs nur um 14 Prozent“, schreibt die Rechercheplattform.

2017 lag der Anteil an Auspendlern in Baden bei rund 65 Prozent. Das ist vergleichsweise wenig. Seit 1991 ist der Anteil um rund neun Prozentpunkte gestiegen. Die Ursache dafür seien das Bevölkerungswachstum und der Zuzug in die Ballungsräume, sagt VP-Bürgermeister Stefan Szirucsek. Baden liege in einem der dynamischsten Wirtschaftsräume Europas. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, etwa auf der Pottendorfer Bahnlinie, und Innovationen im Bereich der „Smarten Mobilität“ seien Ansätze zur Bewältigung der Pendlerströme. Als Stadt sei man bestrebt, Grünräume zu erhalten, betont der Bürgermeister. Mit rund 9000 Einpendlern im Jahr 2017 kommen mehr Erwerbstätige zur Arbeit nach Baden als umgekehrt. Die „NÖM AG“ und das Thermenklinikum seien Hotspots für Einpendler, danach seien die Pendlerziele breit übe die Stadt verteilt, so Stefan Szirucsek.

Wo die Arbeitenden am häufigsten auspendeln

Die stärkste „Auspendler-Gemeinde“ im Bezirk ist Blumau-Neurißhof. 2017 arbeiteten neun von zehn Blumauern außerhalb der Gemeinde. Dieser Anteil bewegt sich seit rund 30 Jahren auf ähnlichem Niveau. Dennoch verzeichne der Ort einen stetigen Einwohnerzuwachs. „Wir liegen etwas abseits vom Schuss. Das ist mit ein Grund, wieso Menschen nach Blumau ziehen“, betont Bürgermeister Gernot Pauer, PUL. Zuziehende würden in Kauf nehmen, dass sie ein Fahrzeug für den Weg zur Arbeit benötigen. Im Gegenzug fänden sie in ihrer Freizeit Ruhe und Erholung abseits von großen Verkehrsaufkommen, so Pauer.

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform „addendum“ der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH. erstellt.

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