Pensionist durch Polizeitrick um 76.000 Euro betrogen. Um rund 76.000 Euro ist ein Pensionist im Bezirk Baden mittels Polizeitrick erleichtert worden. Der 85-Jährige war telefonisch über einen vermeintlichen Verkehrsunfall seiner Tochter unterrichtet worden. Weiters war dem Mann gesagt worden, dass eine Kaution von mehr als 70.000 Euro zu hinterlegen sei, um seinem Kind die Haft zu ersparen.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 06. Juli 2021 (15:32)
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Der Niederösterreicher übergab die Summe an einen 23-Jährigen, der damit nach Angaben der Exekutive vom Dienstag aber nicht weit kam. Der folgenschwere Telefonanruf hatte den 85-Jährigen am Montagmittag erreicht. Am anderen Ende der Leitung gab sich ein Mann mit "Polizei Tulln" aus und erzählte vom Unfall der Tochter. Rasch begab sich der Pensionist zu seiner Hausbank, wo er einen Bargeldbetrag in fünfstelliger Höhe behob. Dabei blieb er in ständigem Telefonkontakt mit dem falschen Polizisten. Angeleitet wurde der Niederösterreicher durch diesen, der Bankangestellten nichts von der benötigten Kaution zu erzählen. Die fadenscheinige Begründung: In einem solchen Fall seien Gebühren an das Geldinstitut zu entrichten.

Mit reichlich Barem ausgestattet, fuhr der 85-Jährige wieder an seine Wohnadresse, wo er weiteres Geld aufbewahrt hatte. Abgeholt wurden von dort schließlich exakt 76.200 Euro, die der Pensionist dem 23-jährigen polnischen Staatsbürger übergab.

Der in einem Taxi flüchtende Beschuldigte wurde in Klosterneuburg (Bezirk Tulln) gestellt. Er wurde vorläufig festgenommen, die in einem Papiersack aufbewahrten 76.200 Euro sichergestellt. Das Landeskriminalamt Niederösterreich, Ermittlungsbereich Betrug, übernahm die weitere Amtshandlung.

Bei der Einvernahme verweigerte der 23-Jährige laut Polizei jegliche Angaben zu seiner Person und zum Sachverhalt. Weiters zeigte er sich "äußerst unkooperativ", wie es in einer Aussendung hieß. Der Mann wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft in die Justizanstalt St. Pölten eingeliefert.

Der entstandene Schaden hätte durchaus noch größer ausfallen können. Vom Anrufer waren zwischenzeitlich 172.000 Euro an sogenannter Kautionsgebühr verlangt worden. Der 85-Jährige begab sich deshalb nach der Übergabe erneut zu seiner Bank. Dort wurde ihm mitgeteilt, dass die Filiale über keinerlei Bargeld mehr verfüge. Mitarbeiter verständigten den Sohn des Opfers über die durchgeführten bzw. beabsichtigten Behebungen, der umgehend Anzeige erstattete.