Rad muss passen wie ein Schuh. Die Radler erobern im Lockdown die Landstraßen im Bezirk Baden. Wer neues Rad kaufen will, sollte sich eingehend beraten lassen.

Von Red. Baden. Erstellt am 07. April 2021 (04:34)
Reinhard Kern von der Firma „Radler Traiskirchen“ und Benjamin Gutmann, der mit seiner Firma „Suspension Express“ als Mountainbike-Experte bei ihm eingemietet ist.
Jandrinitsch

Das Fahrradfahren boomt – diese Entwicklung nehmen die Fahrradhändler aus dem Bezirk wahr.

„Während der Corona-Zeit ist die Nachfrage nach Fahrrädern zweifelsohne gestiegen, das Radfahren wurde quasi wiederentdeckt“, erzählt der Geschäftsführer von „Radler Traiskirchen“, Reinhard Kern. Vor allem E-Bikes würden häufiger verkauft als die Jahre zuvor. Kern ist mit seinem Fachgeschäft von der Eigenheimsiedlung ins Stadtzentrum in die Arkardia übersiedelt. Er bietet nicht nur die neuesten Räder, sondern auch Fahrradreparaturen an und empfiehlt dringend, das Rad nach dem Winter wieder fit für die erste Ausfahrt zu machen.

Bei ihm eingemietet ist Benjamin Gutmann, der Mountainbike-Fachmann ist Ansprechpartner für Fahrwerkskomponenten im Mountainbike-Bereich. Dass Mountainbikes hoch im Kurs stehen, bestätigt auch Philipp Ostermann, Inhaber der Badener „Cycle Factory“: „Unser Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr allgemein stark gestiegen, aber vor allem im Bereich der Mountainbikes merken wir, dass die Leute großes Interesse zeigen.“ Einen großen Aufschwung verzeichnet auch der in Bad Vöslau ansässige „Bikeshop-Kreuzer“.

Inhaber Joe Kreuzer meint: „Die Begeisterung für das Radeln hat auf jeden Fall enorm zugenommen.“ E-Bikes würden noch nicht ganz die Hälfte aller verkauften Fahrräder ausmachen.

Von einem regelrechten „Fahrradboom“ spricht Christian Pfannberger, der Betreiber des Badener Fahrradfachhandels „Pfannberger Cycling“: „Egal ob Rennräder, Mountainbikes, E-Bikes oder auch gewöhnliche Alltagsfahrräder – in jeder beliebigen Kategorie ist unser Absatz stark gewachsen. Das ist eine sehr positive Entwicklung.“ Was die Anschaffung eines neuen Fahrrads betrifft, sind sich die vier Unternehmer einig: Am besten solle man sich an einen Fachhändler wenden, da man hier eine gute persönliche Beratung bekomme und die Räder probieren könne. Die Größe des Rahmens müsse perfekt passen, wie Reinhard Kern betont: „Wir haben schon oft gesehen, dass eine viel zu große Person auf einem viel zu kleinen Fahrrad sitzt.“

Philipp Ostermann vergleicht den Kauf eines Fahrrads mit dem eines Paars Schuhe, denn man solle „einfach probieren, was passt“. Weiters solle man auch ein Auge auf die technische Ausstattung werfen.

„Ordentliche Bremsen sowie eine gute Schaltung sollten montiert sein. Bei E-Bikes ist natürlich ein starker Motor und Akku mit großer Reichweite wichtig“, erklärt Christian Pfannberger. Die Frage, wie viel Geld man für ein vernünftiges Mountainbike, E-Bike und Co. in die Hand nehmen muss, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Schließlich gibt es nach oben hin kaum eine Grenze.

Joe Kreuzer meint dazu aber: „Es beginnt schon bei 700 Euro. Wenn man circa 1000 Euro investiert, bekommt man schon ein sehr gutes Rad.“ Während der Fachhandel also von der Corona-Krise profitiert, zeichnet sich bei Radsportvereinen hingegen ein durchwegs tristeres Bild ab. Beim Radclub Pottendorf lernten Olympiastarter Andreas Graf und Patrick Konrad (beim Giro d’Italia zweimal in den Top Ten) einst das Radfahren. Doch diese Zeiten sind vorbei, wie Helmut Burkert, Obmann des Radclubs, berichtet: „Wir hatten seit zwei Jahren keine Anfragen mehr von Kindern, die sich für das Radfahren interessieren würden.“

Die Corona-Pandemie habe die Situation außerdem zusätzlich verschärft: „Es schaut sehr mühsam aus. Alle Wettkämpfe außerhalb des Profibereichs sind für die nächsten Monate abgesagt.“ Um ordentlich Radfahren zu können, bedarf es natürlich auch der entsprechenden Infrastruktur.

Bald werden neue Wege für die Radler eröffnet

Im Bezirk Baden sei diesbezüglich einiges geplant, wie Dagmar Schober, Mobilitätsmanagerin bei NÖ.Regional, erzählt: „Entlang des ÖBB Bahndammes wird in Baden von der Biondekgasse bis zur Wiener Straße ein kombinierter Geh- und Radweg errichtet. Dieser soll an das bereits bestehende innerstädtische Radwegenetz angebunden werden.“

In Leobersdorf wird am 19. April der Geh- und Radweg Leobersdorf-Europastraße eröffnet. Außerdem planen die Gemeinden Heiligenkreuz und Gaaden ein gemeinsames Radwegprojekt entlang der B11. Hier gehe es um einen Lückenschluss, da einige Teilabschnitte bereits fertiggestellt seien.

Aktuelle Umfrage

  • Seid ihr mit dem Radwege-Netz in eurer Region zufrieden?